Was ist ein Assessment Center?
Ein Assessment Center (AC) ist ein umfangreiches Auswahlverfahren, das viele größere Unternehmen nutzen, um die besten Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Anders als im klassischen Vorstellungsgespräch wirst du im AC über mehrere Stunden oder sogar einen ganzen Tag hinweg in verschiedenen Situationen beobachtet und bewertet.
Das Wort Assessment kommt aus dem Englischen und bedeutet Beurteilung oder Einschätzung. Im Assessment Center geht es darum, deine sozialen Kompetenzen, deine Problemlösungsfähigkeit und deine Persönlichkeit in realitätsnahen Situationen zu testen. Mehrere Beobachter – sogenannte Assessoren – bewerten dabei dein Verhalten nach festgelegten Kriterien.
Für viele Ausbildungsbewerber ist das Assessment Center eine nervenaufreibende Erfahrung. Aber keine Sorge: Mit der richtigen Vorbereitung und dem Wissen über typische Übungen kannst du selbstbewusst und gut vorbereitet auftreten.
Warum nutzen Unternehmen Assessment Center?
Unternehmen setzen Assessment Center ein, weil sie mehr über dich erfahren wollen, als ein Lebenslauf und ein kurzes Gespräch verraten können:
- Sie sehen, wie du unter Druck reagierst
- Sie beobachten dein Verhalten in Gruppensiutationen
- Sie testen deine Kommunikationsfähigkeit in der Praxis
- Sie können verschiedene Bewerber direkt vergleichen
- Sie erkennen, ob du zur Unternehmenskultur passt
Assessment Center werden besonders häufig von großen Unternehmen, Banken, Versicherungen und Konzernen eingesetzt. Aber auch kleinere Betriebe nutzen zunehmend einzelne AC-Elemente.
Typische Übungen im Assessment Center
1. Selbstpräsentation
Fast jedes Assessment Center beginnt mit einer Selbstpräsentation. Du hast meist 3-5 Minuten, um dich vorzustellen. Bereite eine strukturierte Vorstellung vor:
- Name, Alter, Schule
- Warum du dich für diesen Beruf interessierst
- Deine Stärken und relevanten Erfahrungen
- Was du vom Unternehmen erwartest
Tipp: Übe deine Selbstpräsentation zu Hause vor dem Spiegel oder mit Familie und Freunden. Achte auf einen freien Vortragsstil – lies nicht ab!
2. Gruppendiskussion
Bei der Gruppendiskussion bekommst du mit anderen Bewerbern ein Thema, das ihr gemeinsam besprechen müsst. Die Assessoren beobachten:
- Beteiligst du dich aktiv an der Diskussion?
- Lässt du andere ausreden?
- Kannst du deine Meinung begründen?
- Bist du kompromissbereit?
- Übernimmst du eine Führungsrolle, ohne andere zu dominieren?
Wichtig: Es geht nicht darum, am lautesten zu sein. Qualität schlägt Quantität. Höre aktiv zu, beziehe dich auf die Beiträge anderer und bringe konstruktive Vorschläge ein.
3. Postkorbübung
Die Postkorbübung simuliert einen vollen Schreibtisch: Du bekommst eine große Menge an Aufgaben, E-Mails und Informationen und musst in kurzer Zeit entscheiden, was du wie priorisierst. Dabei wird getestet:
- Kannst du Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden?
- Triffst du unter Zeitdruck vernünftige Entscheidungen?
- Delegierst du Aufgaben sinnvoll?
- Behältst du den Überblick?
4. Rollenspiele
In Rollenspielen wirst du in eine bestimmte Situation versetzt – zum Beispiel ein Kundengespräch, ein Konflikt mit einem Kollegen oder eine Reklamation. Dabei wird beobachtet, wie du kommunizierst, Probleme löst und mit Emotionen umgehst.
Tipp: Bleibe ruhig und professionell, auch wenn die Situation provokativ gestaltet ist. Höre aktiv zu, stelle Rückfragen und suche nach konstruktiven Lösungen.
5. Präsentationsaufgaben
Du bekommst ein Thema und musst es in kurzer Vorbereitungszeit (oft nur 15-30 Minuten) vor der Gruppe präsentieren. Bewertet werden:
- Strukturierte Aufbereitung des Themas
- Freier und sicherer Vortrag
- Einsatz von Visualisierungen (Flipchart, Stichwortkarten)
- Umgang mit Rückfragen
6. Einzelinterviews
Zusätzlich zu den Gruppenübungen gibt es oft persönliche Gespräche, ähnlich wie ein Vorstellungsgespräch. Hier werden deine Motivation, deine Ziele und deine Persönlichkeit genauer beleuchtet.
7. Tests und Aufgaben
Viele Assessment Center beinhalten auch schriftliche Tests: Allgemeinwissen, Logik, Mathematik, Deutschkenntnisse oder berufsspezifische Aufgaben. Diese ähneln den klassischen Einstellungstests.
Die besten Vorbereitungstipps
Vor dem Assessment Center
- Informiere dich über das Unternehmen: Werte, Produkte, aktuelle Nachrichten
- Übe typische Übungen: Selbstpräsentation, Gruppendiskussionen, Rollenspiele
- Trainiere unter Zeitdruck: Viele Übungen haben enge Zeitlimits
- Lies aktuelle Nachrichten: Politische und wirtschaftliche Themen können in Diskussionen auftauchen
- Bereite eine Selbstpräsentation vor: 3-5 Minuten, frei vorgetragen
- Schlafe ausreichend: Ein AC ist anstrengend – komm ausgeruht an
Während des Assessment Centers
- Sei authentisch: Verstelle dich nicht – die Assessoren erkennen das
- Bleibe aktiv: Beteilige dich an allen Übungen, auch wenn du unsicher bist
- Höre zu: Aktives Zuhören wird besonders in Gruppensituationen bewertet
- Bleibe ruhig unter Druck: Stressresistenz ist eine wichtige Eigenschaft
- Sei fair: Hilf anderen Bewerbern, statt sie zu übertrumpfen
- Nutze Pausen: Trinke Wasser, iss etwas, tausche dich mit anderen aus
Was die Assessoren wirklich suchen
Die Beobachter achten auf sogenannte Schlüsselkompetenzen:
- Teamfähigkeit: Kannst du konstruktiv mit anderen zusammenarbeiten?
- Kommunikationsstärke: Drückst du dich klar und verständlich aus?
- Belastbarkeit: Bleibst du unter Druck fokussiert?
- Problemlösungskompetenz: Gehst du analytisch und kreativ an Aufgaben heran?
- Führungspotenzial: Übernimmst du Verantwortung, ohne andere zu überrollen?
- Selbstreflexion: Erkennst du eigene Stärken und Schwächen?
Denke daran: Im Assessment Center gibt es kein Richtig oder Falsch. Es geht darum, ob du als Person zum Unternehmen und zur Ausbildung passt. Sei du selbst, zeige Engagement und bleibe positiv – dann hast du die besten Chancen!