Das Vorstellungsgespräch – Deine Chance zu überzeugen
Du hast eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen – herzlichen Glückwunsch! Das bedeutet, dass deine Bewerbungsunterlagen überzeugt haben. Jetzt geht es darum, auch persönlich zu punkten. Das Vorstellungsgespräch ist die wichtigste Hürde auf dem Weg zu deinem Ausbildungsplatz, und mit der richtigen Vorbereitung kannst du sie souverän meistern.
Viele Jugendliche sind vor ihrem ersten Vorstellungsgespräch nervös – das ist völlig normal. Aber je besser du vorbereitet bist, desto sicherer wirst du auftreten. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du wissen musst: von der Vorbereitung über typische Fragen bis hin zur Nachbereitung.
Die Vorbereitung – Das A und O
Informiere dich über das Unternehmen
Bevor du zum Gespräch gehst, solltest du das Unternehmen gründlich recherchieren:
- Unternehmenswebsite: Was macht die Firma? Wie viele Mitarbeiter gibt es? Welche Produkte oder Dienstleistungen werden angeboten?
- Social Media: Instagram, LinkedIn oder Facebook geben oft einen guten Einblick in die Unternehmenskultur
- Ausbildungsseite: Welche Ausbildungsberufe bietet das Unternehmen an? Gibt es besondere Angebote für Azubis?
- Aktuelle Nachrichten: Hat das Unternehmen kürzlich Preise gewonnen, expandiert oder neue Projekte gestartet?
Bereite Antworten auf typische Fragen vor
Es gibt Fragen, die in fast jedem Vorstellungsgespräch gestellt werden. Bereite Antworten vor, ohne sie auswendig zu lernen – das klingt sonst unnatürlich.
Plane den Weg und die Zeit
Plane deine Anreise so, dass du 10-15 Minuten vor dem Termin ankommst. Zu spät kommen ist ein absolutes No-Go, aber zu früh (mehr als 15 Minuten) kann ebenfalls unangenehm sein. Fahre die Strecke vorher einmal ab oder plane mit öffentlichen Verkehrsmitteln großzügig.
Typische Fragen im Vorstellungsgespräch
Fragen zu deiner Person
- Erzähle uns etwas über dich. – Bereite eine kurze Vorstellung vor (2-3 Minuten): Name, Alter, Schule, Hobbys, warum du dich bewirbst.
- Was sind deine Stärken? – Nenne 2-3 Stärken mit konkreten Beispielen.
- Was sind deine Schwächen? – Nenne eine echte Schwäche, aber zeige, dass du daran arbeitest.
- Wo siehst du dich in fünf Jahren? – Zeige Ambitionen, aber bleibe realistisch.
Fragen zur Motivation
- Warum möchtest du diesen Beruf erlernen? – Erkläre deine Begeisterung mit persönlichen Erfahrungen.
- Warum hast du dich bei uns beworben? – Nenne konkrete Gründe, die zeigen, dass du dich informiert hast.
- Was erwartest du von der Ausbildung? – Zeige, dass du lernbereit bist und Verantwortung übernehmen willst.
Fragen zur Schule und Freizeit
- Was war dein Lieblingsfach und warum?
- Welche Hobbys hast du?
- Engagierst du dich ehrenamtlich?
- Arbeitest du gerne im Team oder alleine?
Fangfragen und schwierige Situationen
- Was würdest du tun, wenn du einen Fehler bei der Arbeit machst? – Zeige Ehrlichkeit und Lösungsorientierung.
- Wie gehst du mit Kritik um? – Zeige, dass du Feedback als Chance zur Verbesserung siehst.
- Hast du dich auch bei anderen Unternehmen beworben? – Sei ehrlich, aber betone, dass dieses Unternehmen deine erste Wahl ist.
Körpersprache und Auftreten
Deine Körpersprache sagt oft mehr als deine Worte. Achte auf folgende Punkte:
- Fester Händedruck: Nicht zu fest, nicht zu lasch – der Händedruck sollte selbstbewusst wirken
- Blickkontakt: Schaue dein Gegenüber an, aber starre nicht
- Aufrechte Haltung: Setze dich gerade hin, verschränke nicht die Arme
- Lächeln: Ein freundliches Lächeln wirkt sympathisch und offen
- Hände ruhig halten: Vermeide nervöses Zappeln oder Spielen mit Gegenständen
- Nicken: Zeige durch gelegentliches Nicken, dass du aktiv zuhörst
Das richtige Outfit
Die Kleiderwahl hängt von der Branche ab, aber grundsätzlich gilt: Lieber etwas zu schick als zu lässig.
Für kaufmännische und büronahe Berufe
- Hemd oder Bluse (nicht zwingend mit Krawatte)
- Stoffhose oder saubere Jeans (keine Löcher!)
- Gepflegte Schuhe (keine Sneaker)
Für handwerkliche Berufe
- Saubere, ordentliche Kleidung
- Poloshirt oder Hemd
- Gepflegte Jeans und saubere Schuhe
Allgemeine Tipps
- Kleidung sollte sauber und bügelfrei sein
- Dezentes Parfüm oder Deo
- Gepflegte Haare und Nägel
- Piercings und auffälligen Schmuck lieber dezent halten
Eigene Fragen stellen
Am Ende des Gesprächs wirst du meistens gefragt, ob du noch Fragen hast. Sage niemals Nein! Eigene Fragen zeigen Interesse und Engagement. Gute Fragen sind:
- Wie sieht ein typischer Arbeitstag in der Ausbildung aus?
- Wie groß ist das Ausbilder-Team?
- Gibt es Möglichkeiten, verschiedene Abteilungen kennenzulernen?
- Welche Übernahmechancen gibt es nach der Ausbildung?
- Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten während der Ausbildung?
Nach dem Gespräch
Das Gespräch ist vorbei – aber dein Einsatz noch nicht. So gehst du nach dem Vorstellungsgespräch vor:
- Bedanke dich: Eine kurze Dankes-E-Mail am selben oder nächsten Tag hinterlässt einen guten Eindruck
- Reflektiere: Was lief gut? Was könntest du beim nächsten Mal besser machen?
- Geduld haben: Die meisten Unternehmen brauchen einige Tage bis Wochen für eine Entscheidung
- Nachfragen erlaubt: Wenn du nach der genannten Frist nichts gehört hast, darfst du höflich nachfragen
Sonderfall: Vorstellungsgespräch per Video
Immer mehr Unternehmen führen erste Gespräche per Video (Zoom, Teams, Skype). Beachte dabei:
- Teste Kamera und Mikrofon vorher
- Sorge für eine stabile Internetverbindung
- Wähle einen ruhigen, aufgeräumten Hintergrund
- Ziehe dich genauso an wie für ein persönliches Gespräch
- Schaue in die Kamera, nicht auf den Bildschirm – das wirkt wie Blickkontakt
Mit der richtigen Vorbereitung und einer positiven Einstellung wirst du dein Vorstellungsgespräch meistern. Denke daran: Das Unternehmen hat dich eingeladen, weil es an dir interessiert ist. Du musst jetzt nur noch zeigen, wer du bist!