Berufsschule & Prüfungen15. November 2025

Abschlussprüfung Ausbildung – Vorbereitung & Tipps

Alles zur Abschlussprüfung in der Ausbildung: Zeitplan, Lernplan erstellen, Prüfungsformate, Tipps für den Prüfungstag und was bei Nichtbestehen passiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beginne mindestens 3–6 Monate vor der Prüfung mit der systematischen Vorbereitung
  • Erstelle einen detaillierten Lernplan basierend auf dem Ausbildungsrahmenplan
  • Alte Prüfungen sind das wertvollste Übungsmaterial – besorge sie bei IHK/HWK
  • Übe unter realen Prüfungsbedingungen mit Zeitlimit
  • Am Prüfungstag: Aufgaben erst komplett lesen, mit sicheren Themen beginnen
  • Bei Nichtbestehen: Bis zu zwei Wiederholungsversuche sind möglich

Die Abschlussprüfung – Der Höhepunkt deiner Ausbildung

Die Abschlussprüfung ist das große Ziel jeder Ausbildung. Mit dem erfolgreichen Bestehen erhältst du deinen Facharbeiterbrief oder Gesellenbrief und darfst dich offiziell als ausgebildete Fachkraft bezeichnen. Verständlich, dass viele Azubis Respekt vor dieser Prüfung haben – doch mit der richtigen Vorbereitung kannst du sie souverän meistern.

In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du über die Abschlussprüfung wissen musst: von den verschiedenen Prüfungsformaten über die optimale Vorbereitung bis hin zu konkreten Tipps für den Prüfungstag.

Aufbau der Abschlussprüfung

Je nach Ausbildungsberuf kann die Abschlussprüfung unterschiedlich aufgebaut sein. Die zwei häufigsten Modelle sind:

Klassisches Modell: Zwischenprüfung + Abschlussprüfung

Bei diesem Modell findet etwa zur Hälfte der Ausbildung eine Zwischenprüfung statt, die als Leistungsstandkontrolle dient. Die eigentliche Abschlussprüfung erfolgt am Ende der Ausbildung und besteht typischerweise aus:

  • Schriftlicher Teil: Mehrere Klausuren zu verschiedenen Prüfungsbereichen (oft Multiple Choice und offene Fragen)
  • Praktischer Teil: Eine praktische Aufgabe, Arbeitsprobe oder ein betrieblicher Auftrag
  • Mündlicher Teil / Fachgespräch: Ein Gespräch mit dem Prüfungsausschuss über die praktische Arbeit oder Fachthemen

Gestreckte Abschlussprüfung (GAP)

Immer mehr Berufe nutzen die gestreckte Abschlussprüfung, die in zwei Teile aufgeteilt ist:

  • Teil 1 findet etwa zur Mitte der Ausbildung statt und zählt bereits für das Gesamtergebnis (meist 20–40%).
  • Teil 2 findet am Ende der Ausbildung statt und macht den größeren Anteil aus (60–80%).

Bei der gestreckten Abschlussprüfung gibt es keine separate Zwischenprüfung – Teil 1 übernimmt diese Funktion.

Der optimale Zeitplan zur Prüfungsvorbereitung

Eine gute Vorbereitung beginnt nicht erst wenige Tage vor der Prüfung. Hier ist ein bewährter Zeitplan:

6 Monate vorher

  • Verschaffe dir einen Überblick über alle Prüfungsinhalte und -bereiche.
  • Besorge dir den Ausbildungsrahmenplan und den Rahmenlehrplan deines Berufs.
  • Identifiziere deine Wissenslücken.
  • Besorge Prüfungsvorbereitungsbücher und alte Prüfungen.

3–4 Monate vorher

  • Erstelle einen detaillierten Lernplan mit wöchentlichen Zielen.
  • Beginne systematisch, die einzelnen Themengebiete durchzuarbeiten.
  • Bilde oder schließe dich einer Lerngruppe an.
  • Bearbeite erste Übungsaufgaben.

1–2 Monate vorher

  • Löse alte Prüfungen unter realen Bedingungen (mit Zeitlimit, ohne Hilfsmittel).
  • Konzentriere dich auf deine Schwachstellen.
  • Übe die praktische Prüfung im Betrieb (bitte deinen Ausbilder um Unterstützung).
  • Informiere dich über den genauen Ablauf am Prüfungstag.

1–2 Wochen vorher

  • Wiederhole die wichtigsten Themen ohne neue Inhalte aufzunehmen.
  • Gehe deine Zusammenfassungen und Karteikarten durch.
  • Bereite alle benötigten Unterlagen und Materialien vor.
  • Achte auf ausreichend Schlaf und Erholung.

Der Tag vor der Prüfung

  • Nicht mehr intensiv lernen! Leichte Wiederholung ist okay, aber kein neuer Stoff.
  • Lege alle Prüfungsunterlagen bereit (Einladung, Ausweis, Schreibmaterial, Taschenrechner).
  • Plane deine Anfahrt mit Zeitpuffer.
  • Gehe früh ins Bett.

Einen effektiven Lernplan erstellen

Ein guter Lernplan ist dein wichtigstes Werkzeug für die Prüfungsvorbereitung. So erstellst du einen:

  • Alle Prüfungsthemen auflisten: Nutze den Ausbildungsrahmenplan und deine Berufsschulunterlagen.
  • Themen gewichten: Welche Themen haben welchen Anteil an der Prüfung? Welche beherrschst du schon gut, bei welchen brauchst du mehr Zeit?
  • Zeitblöcke zuordnen: Verteile die Themen auf die verfügbaren Wochen. Plane schwerere Themen früher ein.
  • Wiederholungsphasen einplanen: Reserviere die letzten Wochen hauptsächlich für Wiederholung und Probeprüfungen.
  • Flexibel bleiben: Plane Puffer ein – es kommt immer etwas dazwischen.

Alte Prüfungen – Dein bestes Übungsmaterial

Alte Prüfungsaufgaben sind das mit Abstand wertvollste Material für deine Vorbereitung. Sie zeigen dir:

  • Welche Themen besonders häufig drankommen
  • Wie Fragen formuliert werden
  • Welches Niveau erwartet wird
  • Wie du deine Zeit einteilen solltest

Du bekommst alte Prüfungen bei deiner zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK), im Buchhandel als Prüfungsvorbereitungsbücher oder über Online-Portale wie U-Form Verlag oder Christiani.

Tipps für den Prüfungstag

Vor der Prüfung

  • Steh rechtzeitig auf und frühstücke ausgewogen (Vollkorn, Obst, kein Zucker-Overload).
  • Komme mindestens 15 Minuten vor Prüfungsbeginn am Prüfungsort an.
  • Vermeide Last-Minute-Panik-Gespräche mit nervösen Mitprüflingen.
  • Nimm ausreichend Wasser und einen kleinen Snack mit.

Während der schriftlichen Prüfung

  • Lies alle Aufgaben zuerst einmal komplett durch, bevor du anfängst zu schreiben.
  • Beginne mit den Aufgaben, die du sicher kannst – das gibt Selbstvertrauen und sichert Punkte.
  • Achte auf die Punkteverteilung und investiere mehr Zeit in Aufgaben mit vielen Punkten.
  • Beantworte jede Frage – auch wenn du unsicher bist. Leere Felder geben garantiert null Punkte.
  • Behalte die Zeit im Blick und plane 10 Minuten am Ende zum Überprüfen ein.

Während der praktischen Prüfung

  • Arbeite sauber und strukturiert – der Prüfungsausschuss bewertet auch die Arbeitsweise.
  • Erkläre dein Vorgehen, wenn du dazu aufgefordert wirst.
  • Beachte Arbeitssicherheit und Hygiene – Verstöße können zu Punktabzug führen.
  • Bleib ruhig, wenn etwas nicht perfekt läuft. Zeige, dass du mit Fehlern umgehen kannst.

Was passiert bei Nichtbestehen?

Falls du die Prüfung nicht bestehen solltest: Keine Panik! Du hast das Recht, die Prüfung zweimal zu wiederholen. Die Wiederholungsprüfung findet in der Regel beim nächsten regulären Prüfungstermin statt (meist ein halbes Jahr später). Während dieser Zeit kannst du deine Ausbildung verlängern und dich gezielt auf die Nachprüfung vorbereiten.

Bestandene Prüfungsteile können in vielen Fällen angerechnet werden, sodass du nicht alles wiederholen musst.

Fazit: Gut vorbereitet in die Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung ist machbar – wenn du dich rechtzeitig und systematisch vorbereitest. Starte früh mit der Planung, nutze alte Prüfungen als Übungsmaterial, bilde Lerngruppen und vergiss nicht, auch auf deine Gesundheit zu achten. Mit einem klaren Lernplan und den richtigen Strategien wirst du den Tag der Prüfung souverän meistern. Und denk immer daran: Tausende Azubis vor dir haben diese Prüfung bestanden – und du schaffst das auch!

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Abschlussprüfung?
Die Dauer variiert je nach Beruf. Der schriftliche Teil dauert meist 3–5 Stunden, aufgeteilt auf mehrere Prüfungsbereiche. Die praktische Prüfung kann wenige Stunden bis mehrere Tage dauern (z.B. bei einem Gesellenstück im Handwerk). Genaue Zeiten findest du in deiner Prüfungsordnung.
Welche Note brauche ich zum Bestehen?
Du musst in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 Punkte von 100 (ausreichend) erreichen. Bei manchen Berufen gibt es Sperrfächer, in denen du nicht unter 30 Punkte fallen darfst. Die genauen Bestehensregelungen findest du in der Prüfungsordnung deines Berufs.
Wo bekomme ich alte Prüfungsaufgaben?
Alte Prüfungen erhältst du bei deiner zuständigen IHK oder HWK, im Buchhandel (z.B. U-Form Verlag, Christiani) oder über spezielle Online-Portale. Manche Berufsschulen haben auch Sammlungen, die sie ihren Schülern zur Verfügung stellen.
Kann ich mich von der Prüfung befreien lassen?
Eine Befreiung von der Abschlussprüfung ist grundsätzlich nicht möglich – sie ist Voraussetzung für den Berufsabschluss. Bei Krankheit am Prüfungstag kannst du aber mit ärztlichem Attest einen Nachtermin beantragen. Auch ein Nachteilsausgleich bei Behinderungen ist möglich.
Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?
Du kannst die Prüfung bis zu zweimal wiederholen, üblicherweise beim nächsten regulären Prüfungstermin (ca. 6 Monate später). Deine Ausbildungszeit kann auf Antrag verlängert werden. Bereits bestandene Prüfungsteile werden in der Regel angerechnet.

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Stand: November 2025 · Alle Angaben ohne Gewähr