Die Zwischenprüfung – Standortbestimmung auf halbem Weg
Etwa zur Mitte deiner Ausbildung steht sie an: die Zwischenprüfung. Für viele Azubis ist sie die erste große Prüfungssituation in der Ausbildung und sorgt entsprechend für Nervosität. Doch keine Sorge – mit dem richtigen Wissen und einer guten Vorbereitung kannst du die Zwischenprüfung gelassen angehen.
In diesem Ratgeber klären wir alle wichtigen Fragen rund um die Zwischenprüfung: Wann findet sie statt? Zählt die Note? Was passiert, wenn du nicht bestehst? Und vor allem: Wie bereitest du dich optimal vor?
Was ist die Zwischenprüfung?
Die Zwischenprüfung ist eine Leistungskontrolle, die den aktuellen Ausbildungsstand überprüft. Sie findet etwa in der Mitte der Ausbildungszeit statt – bei einer dreijährigen Ausbildung also nach etwa 18 Monaten. Die genauen Termine werden von der zuständigen Kammer (IHK oder HWK) festgelegt und rechtzeitig bekannt gegeben.
Wichtig: Die Teilnahme an der Zwischenprüfung ist Pflicht und Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Wer die Zwischenprüfung ohne triftigen Grund verpasst, riskiert, nicht zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden.
Zwischenprüfung vs. Gestreckte Abschlussprüfung Teil 1
In immer mehr Ausbildungsberufen wird die klassische Zwischenprüfung durch die Gestreckte Abschlussprüfung (GAP) Teil 1 ersetzt. Der entscheidende Unterschied:
- Klassische Zwischenprüfung: Die Note zählt nicht für das Abschlussergebnis. Sie dient rein der Standortbestimmung.
- GAP Teil 1: Das Ergebnis fließt mit 20–40% in die Abschlussnote ein. Hier zählt jeder Punkt!
Informiere dich bei deiner Kammer oder in deinem Ausbildungsvertrag, welches Modell für deinen Beruf gilt.
Wann findet die Zwischenprüfung statt?
Die IHK und HWK legen bundesweit einheitliche Prüfungstermine fest. In der Regel gibt es zwei Termine pro Jahr:
- Frühjahrspüfung: Meist im Februar/März
- Herbstprüfung: Meist im September/Oktober
Welcher Termin für dich relevant ist, hängt davon ab, wann deine Ausbildung begonnen hat. Die genauen Daten findest du auf der Website deiner zuständigen Kammer.
Was wird in der Zwischenprüfung geprüft?
Die Zwischenprüfung deckt die Inhalte ab, die bis zur Mitte der Ausbildung vermittelt werden sollten – sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule. Je nach Beruf kann die Prüfung bestehen aus:
- Schriftlichen Aufgaben: Multiple-Choice-Fragen, offene Fragen, Rechenaufgaben
- Praktischen Aufgaben: Arbeitsproben, Werkstücke anfertigen, berufstypische Tätigkeiten ausführen
- Kombination aus beidem: In vielen Berufen gibt es sowohl einen schriftlichen als auch einen praktischen Teil
Die Prüfungsdauer beträgt je nach Beruf zwischen 60 und 180 Minuten für den schriftlichen Teil. Praktische Prüfungen können auch länger dauern.
Zählt die Note der Zwischenprüfung?
Das ist die Frage, die Azubis am meisten beschäftigt. Die Antwort hängt vom Prüfungsmodell ab:
Bei der klassischen Zwischenprüfung: Nein
Die Note der klassischen Zwischenprüfung fließt nicht in die Abschlussnote ein. Sie dient als Standortbestimmung und zeigt dir und deinem Betrieb, wo du stehst. Das bedeutet aber nicht, dass sie unwichtig ist:
- Dein Ausbilder sieht das Ergebnis und kann daraus Rückschlüsse auf deinen Lernstand ziehen.
- Das Ergebnis kann in Personalentscheidungen einfließen (z.B. bei Übernahme nach der Ausbildung).
- Es ist eine wertvolle Übung für die Abschlussprüfung.
- Ein schlechtes Ergebnis sollte als Warnsignal verstanden werden.
Bei der GAP Teil 1: Ja!
Beim Modell der Gestreckten Abschlussprüfung zählt Teil 1 mit 20–40% zur Abschlussnote. Hier solltest du dich genauso intensiv vorbereiten wie für die Abschlussprüfung selbst.
Vorbereitung auf die Zwischenprüfung
4–6 Wochen vorher
- Verschaffe dir einen Überblick über die prüfungsrelevanten Themen.
- Gehe deine Berufsschulunterlagen und das Berichtsheft durch.
- Besorge alte Zwischenprüfungen oder Übungsaufgaben.
2–4 Wochen vorher
- Arbeite die Themen systematisch durch.
- Nutze Karteikarten für Fachbegriffe und Definitionen.
- Übe praktische Aufgaben im Betrieb (bitte deinen Ausbilder um Unterstützung).
1 Woche vorher
- Löse alte Prüfungen unter Prüfungsbedingungen.
- Wiederhole die wichtigsten Themen.
- Kläre letzte Fragen mit Lehrern oder Ausbildern.
Am Prüfungstag
- Komm ausgeschlafen und mit Frühstück im Bauch.
- Bring alle notwendigen Unterlagen und Hilfsmittel mit.
- Lies die Aufgaben sorgfältig durch, bevor du loslegst.
- Teile dir die Zeit gut ein.
Was passiert, wenn ich die Zwischenprüfung nicht bestehe?
Bei der klassischen Zwischenprüfung gibt es kein Bestehen oder Durchfallen im eigentlichen Sinne. Du erhältst ein Ergebnis, das deinen Leistungsstand widerspiegelt – eine offizielle Wiederholungsprüfung gibt es nicht. Allerdings sollte ein schlechtes Ergebnis ein Weckruf sein: Analysiere deine Schwächen und arbeite gezielt daran, um die Abschlussprüfung zu bestehen.
Bei der GAP Teil 1 sieht es anders aus: Da das Ergebnis in die Abschlussnote einfließt, solltest du ein schlechtes Ergebnis ernst nehmen. Du kannst Teil 1 nicht separat wiederholen – das Ergebnis steht fest. Aber: Wenn du in Teil 2 sehr gut abschneidest, kannst du ein mäßiges Ergebnis aus Teil 1 noch ausgleichen.
Häufige Fehler bei der Zwischenprüfung
- Die Prüfung nicht ernst nehmen: Auch wenn die Note bei der klassischen Zwischenprüfung nicht zählt, ist sie eine wichtige Übung und Standortbestimmung.
- Zu spät mit der Vorbereitung anfangen: Zwei Tage vorher reicht nicht. Plane mindestens 4 Wochen ein.
- Nur Theorie lernen: Vergiss nicht den praktischen Teil! Übe berufstypische Tätigkeiten regelmäßig.
- Aufgaben nicht vollständig lesen: Viele Fehler entstehen, weil die Aufgabenstellung nicht richtig gelesen wird.
Fazit: Die Zwischenprüfung als Chance nutzen
Sieh die Zwischenprüfung nicht als lästige Pflicht, sondern als Chance. Sie zeigt dir, wo du stehst, gibt dir wertvolle Prüfungserfahrung und hilft dir, dich rechtzeitig auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Ob das Ergebnis in deine Abschlussnote einfließt oder nicht – eine gute Vorbereitung lohnt sich in jedem Fall. Nutze die Erkenntnisse aus der Zwischenprüfung, um deine Schwächen gezielt anzugehen, und du wirst bei der Abschlussprüfung bestens aufgestellt sein.