Braunschweig: Forschungsstadt mit starkem Ausbildungsmarkt
Braunschweig ist mit rund 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Niedersachsens und ein unterschätztes Kraftpaket auf dem Ausbildungsmarkt. Die Stadt verbindet Automobilindustrie, Spitzenforschung und traditionsreiches Handwerk auf einzigartige Weise. Gemessen an der Forschungsdichte pro Einwohner gehört Braunschweig zu den forschungsintensivsten Städten Europas. Für Auszubildende bedeutet das: hochwertige Ausbildungsplätze bei namhaften Arbeitgebern, moderate Lebenshaltungskosten und exzellente Zukunftsaussichten.
Die Schlüsselbranchen für Azubis
Automobilindustrie: Volkswagen und Zulieferer
Das Volkswagen-Werk Braunschweig ist einer der größten Arbeitgeber der Region. Mit über 8.000 Beschäftigten fertigt das Werk Fahrwerkskomponenten, Lenkungen und Batteriesysteme für Elektrofahrzeuge. VW bildet in Braunschweig jährlich in zahlreichen Berufen aus:
Mechatroniker/in – einer der gefragtesten Ausbildungsberufe bei VW. Du lernst, mechanische, elektrische und elektronische Komponenten zu einem funktionierenden System zusammenzubauen.
Elektroniker/in für Automatisierungstechnik – du programmierst und wartest die Roboter und Fertigungsanlagen im Werk.
Industriemechaniker/in – Herstellung und Instandhaltung von Produktionsanlagen und Maschinen.
Fahrzeuglackierer/in – Oberflächenbehandlung und Lackierung von Fahrzeugteilen.
Neben VW sind zahlreiche Zuliefererunternehmen in der Region angesiedelt, darunter Siemens Mobility (ehemals Alstom) im Bereich Schienenfahrzeugtechnik.
Forschung und Wissenschaft: DLR, PTB und mehr
Braunschweig beherbergt eine einzigartige Konzentration von Forschungseinrichtungen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat hier einen seiner größten Standorte. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) als nationales Metrologieinstitut, das Johann Heinrich von Thünen-Institut, das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und weitere Institute bieten spannende Ausbildungsmöglichkeiten.
Physiklaborant/in – besonders bei der PTB, wo höchste Präzision in der Messtechnik gefragt ist.
Chemielaborant/in – in Forschungsinstituten und pharmazeutischen Unternehmen der Region.
Fachinformatiker/in – IT-Infrastruktur und Softwareentwicklung für Forschungsprojekte.
Elektroniker/in für Geräte und Systeme – Entwicklung und Bau von Forschungsgeräten und Messapparaturen.
Mathematisch-technische/r Softwareentwickler/in – ein seltener, aber hochspannender Ausbildungsberuf an Forschungseinrichtungen.
Die TU Braunschweig und ihr Umfeld
Die Technische Universität Braunschweig ist eine der ältesten technischen Universitäten Deutschlands und prägt die Stadt nachhaltig. Auch wenn die TU selbst vor allem Studiengänge anbietet, profitieren Azubis indirekt: Das universitäre Umfeld zieht Technologieunternehmen, Start-ups und Ingenieurbüros an, die Ausbildungsplätze anbieten. Die TU selbst bildet ebenfalls in Verwaltungs- und technischen Berufen aus.
Handwerk: Tradition trifft Moderne
Das Handwerk hat in Braunschweig eine lange Tradition. Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade betreut tausende Betriebe in der Region. Der Fachkräftemangel im Handwerk ist hier besonders spürbar, was die Chancen für Bewerber erhöht.
Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik – stark nachgefragt durch Wärmewende und Gebäudesanierung.
Elektroniker/in – Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Photovoltaik und Smart Home.
Tischler/in – traditionelles Handwerk mit modernen CNC-Maschinen.
KFZ-Mechatroniker/in – mit zunehmendem Schwerpunkt auf Elektromobilität.
Ausbildungsvergütung in Braunschweig
Die Vergütungen in Braunschweig orientieren sich an den niedersächsischen Tarifverträgen und liegen im soliden Mittelfeld. Bei VW und den Forschungseinrichtungen sind die Vergütungen überdurchschnittlich.
| Ausbildungsberuf | 1. Jahr (brutto/Monat) |
|---|---|
| Mechatroniker/in (VW) | 1.150 – 1.250 € |
| Industriemechaniker/in | 1.050 – 1.200 € |
| Physiklaborant/in (PTB) | 1.070 – 1.150 € |
| Elektroniker/in (Handwerk) | 900 – 1.000 € |
| KFZ-Mechatroniker/in | 880 – 980 € |
Der große Vorteil: Die Lebenshaltungskosten in Braunschweig sind deutlich niedriger als in Städten wie München, Hamburg oder Düsseldorf. Ein WG-Zimmer kostet im Schnitt 320 bis 450 Euro, was den etwas niedrigeren Vergütungen entgegenwirkt.
Wichtige Anlaufstellen für die Ausbildungssuche
IHK Braunschweig
Die IHK Braunschweig bietet eine Lehrstellenbörse, persönliche Berufsberatung und regelmäßige Veranstaltungen wie die Nacht der Ausbildung, bei der Unternehmen ihre Türen öffnen.
Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade
Die HWK ist Anlaufstelle für alle handwerklichen Ausbildungsberufe. Sie vermittelt Lehrstellen und berät bei Fragen zur Ausbildung.
Agentur für Arbeit Braunschweig
Kostenlose Berufsberatung, Bewerbungstraining und der Online-Berufswahltest Check-U helfen bei der Orientierung.
Online-Portale
Auf ausbildungsgenie.de findest du aktuelle Ausbildungsplätze in Braunschweig und der gesamten Region. Filtere nach Beruf, Branche oder Entfernung.
Leben als Azubi in Braunschweig
Wohnen
Braunschweig ist im Vergleich zu anderen Großstädten bezahlbar. Günstige Stadtteile für Azubis sind das Östliche Ringgebiet, Lehndorf, Rüningen und Stöckheim. Die Nähe zur TU sorgt für ein gutes Angebot an WG-Zimmern.
Mobilität
Das Straßenbahn- und Busnetz der Braunschweiger Verkehrs-GmbH deckt die Stadt gut ab. Mit dem Deutschlandticket erreichst du auch die umliegenden Städte Wolfsburg, Salzgitter und Wolfenbüttel. Braunschweig ist außerdem eine sehr fahrradfreundliche Stadt.
Freizeit
Die Innenstadt mit dem Burgplatz, dem Magniviertel und den zahlreichen Kneipen und Cafés bietet viel Abwechslung. Das Staatstheater, das Naturhistorische Museum und der Bürgerpark sind beliebte Anlaufpunkte. Die Nähe zum Harz ermöglicht Wochenendausflüge in die Natur.
Besonderheit: Elektromobilität und Zukunftstechnologien
Braunschweig positioniert sich als Standort für Elektromobilität und autonomes Fahren. VW fertigt hier Batteriesysteme, das DLR forscht an Verkehrstechnologien und die TU arbeitet an autonomen Shuttle-Systemen. Für Azubis in technischen Berufen bedeutet das: Du lernst heute die Technologien, die morgen Standard sein werden. Diese Zukunftsorientierung macht eine technische Ausbildung in Braunschweig besonders wertvoll.
Tipps für die Bewerbung in Braunschweig
VW-Bewerbung: Volkswagen hat einen eigenen Online-Bewerbungsprozess. Bewirb dich über das VW-Karriereportal, idealerweise ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Die Plätze sind begehrt.
Forschungseinrichtungen: DLR, PTB und andere Institute schreiben ihre Ausbildungsplätze auf den jeweiligen Karriereseiten aus. Auch hier gilt: frühzeitig informieren.
Handwerk: Im Handwerk sind die Chancen aktuell besonders gut. Viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Ein direkter Anruf oder Besuch beim Betrieb kann oft mehr bewirken als eine Online-Bewerbung.
Praktikum: Nutze Schülerpraktika, um Betriebe und Berufe kennenzulernen. Viele Ausbildungsverträge entstehen aus erfolgreichen Praktika.