Geld und Ausbildung – Die Herausforderung
Das erste eigene Geld verdienen – ein tolles Gefühl! Doch die Ausbildungsvergütung ist oft überschaubar, und plötzlich kommen Ausgaben auf dich zu, an die du vorher nie gedacht hast. Zwischen Miete, Handy, Versicherungen und Freizeitaktivitäten kann es schnell eng werden.
Die gute Nachricht: Mit ein paar cleveren Strategien kannst du auch mit einem Azubi-Gehalt gut über die Runden kommen. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie du deine Finanzen als Azubi optimal managst.
Budget erstellen – Die Grundlage
Der erste und wichtigste Schritt ist ein Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben. Klingt langweilig, ist aber der Schlüssel zu finanzieller Kontrolle.
Einnahmen
- Ausbildungsvergütung (netto)
- BAB oder Wohngeld (falls vorhanden)
- Kindergeld (falls deine Eltern es weiterleiten)
- Sonstige Einnahmen (Nebenjob, Unterstützung der Familie)
Fixe Ausgaben
- Miete inkl. Nebenkosten
- Strom
- Internet/Handy
- Rundfunkbeitrag
- Versicherungen
- Fahrtkosten (OEPNV-Ticket, Auto)
Variable Ausgaben
- Lebensmittel
- Kleidung
- Freizeit, Hobbys
- Ausgehen, Essen bestellen
- Unvorhergesehenes
Tipp: Nutze eine Budget-App wie Money Manager, Finanzguru oder eine einfache Excel-Tabelle. Tracke deine Ausgaben mindestens einen Monat lang, um ein realistisches Bild zu bekommen.
Das richtige Girokonto
Als Azubi hast du Anspruch auf ein kostenloses Girokonto bei den meisten Banken. Vergleiche die Angebote:
- Direktbanken (DKB, ING, N26, comdirect): Meist komplett kostenlos, gute Apps, kostenlose Kreditkarte
- Filialbanken (Sparkasse, Volksbank): Kostenloses Azubi-Konto, persönliche Beratung vor Ort
Worauf achten?
- Keine Kontoführungsgebühren
- Kostenlose Girocard/Debitkarte
- Ausreichend Geldautomaten in deiner Nähe
- Gute Banking-App
- Kein Mindestgeldeingang
Versicherungen für Azubis
Nicht jede Versicherung ist nötig, aber einige sind wichtig:
Pflicht
- Krankenversicherung: Als Azubi bist du automatisch gesetzlich krankenversichert. Du kannst deine Krankenkasse frei wählen – Beiträge und Zusatzleistungen vergleichen!
- Sozialversicherungen: Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung werden automatisch von deinem Gehalt abgezogen.
Dringend empfohlen
- Haftpflichtversicherung: Ab ca. 3 Euro/Monat. Schützt vor Schadensersatzansprüchen. Prüfe, ob du noch über deine Eltern mitversichert bist!
- Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Je jünger du einsteigst, desto günstiger. Sehr wichtig, falls du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst.
Überflüssig für die meisten Azubis
- Handyversicherung
- Auslandskrankenversicherung (außer bei Auslandsaufenthalt)
- Rechtsschutzversicherung (Gewerkschaftsmitgliedschaft enthält oft Arbeitsrechtsschutz)
Azubi-Rabatte nutzen
Als Azubi bekommst du ähnliche Vergünstigungen wie Studierende – nutze sie aus!
- OEPNV: Azubi-Tickets und Deutschlandticket (49 Euro/Monat)
- Fitness: Viele Studios bieten Azubi-Tarife an
- Software: Microsoft 365, Adobe Creative Cloud, Spotify, Apple Music – Schüler-/Azubi-Rabatte
- Kino/Museum: Ermäßigte Eintrittspreise mit Azubi-Ausweis
- Zeitungen/Zeitschriften: Vergünstigte Abos für Azubis
- Amazon Prime: Azubi-Tarif für die Hälfte
Tipp: Frag immer nach einem Azubi-Rabatt – auch wenn er nicht ausgeschrieben ist. Viele Anbieter gewähren ihn auf Nachfrage.
Clevere Spartipps im Alltag
Essen & Trinken
- Meal Prep: Koche am Wochenende für die ganze Woche vor. Spart Zeit und Geld.
- Leitungswasser trinken: In Deutschland hat Leitungswasser hervorragende Qualität und kostet fast nichts.
- Angebote nutzen: Prospekte checken, saisonales Obst und Gemüse kaufen, Eigenmarken wählen.
- Nicht hungrig einkaufen: Klingt simpel, spart aber nachweislich 10–20% beim Einkauf.
Freizeit
- Kostenlose Aktivitäten: Wandern, Sport im Park, Spieleabend, kostenlose Veranstaltungen
- Bücherei statt Buchhandlung: Bücher, Hörbücher, Zeitschriften und sogar Streaming-Dienste (Filmfriend, Onleihe) gibt es in vielen Bibliotheken kostenlos.
- Secondhand: Kleidung, Elektronik und Möbel gebraucht kaufen
Verträge
- Regelmäßig vergleichen: Strom, Internet, Handy – check einmal jährlich, ob ein Wechsel spart.
- Unnoetige Abos kündigen: Streaming, Apps, Zeitschriften – brauchst du wirklich alles?
- Prepaid statt Vertrag: Oft günstiger und flexibler
Notgroschen aufbauen
Versuche, jeden Monat einen kleinen Betrag zur Seite zu legen – auch wenn es nur 20–50 Euro sind. Ein Notgroschen von 500–1.000 Euro gibt dir Sicherheit für unerwartete Ausgaben (Reparaturen, kaputtes Handy, Nachzahlung). Richte am besten einen Dauerauftrag ein, der am Tag nach dem Gehaltseingang automatisch auf ein separates Sparkonto überweist.
Schulden vermeiden
Die wichtigste Finanzregel überhaupt: Gib nicht mehr aus, als du hast.
- Vermeide Ratenzahlungen und Konsumkredite – die Zinsen fressen dich auf.
- Nutze keinen Dispokredit (Dispozinsen liegen oft bei 10–15%).
- Lass dich nicht zu teuren Verträgen überreden.
- Klarna, PayPal-Ratenzahlung und ähnliche Dienste verleiten zu Ausgaben, die du dir nicht leisten kannst.
Steuern in der Ausbildung
Als Azubi zahlst du ab einem bestimmten Einkommen Lohnsteuer. Allerdings liegt der Grundfreibetrag bei 11.784 Euro/Jahr (2025). Wenn dein Jahresbrutto darunter liegt, zahlst du keine Lohnsteuer. Falls doch Steuern abgezogen werden, lohnt sich eine Steuererklärung – du bekommst oft Geld zurück!
Fazit: Finanziell smart durch die Ausbildung
Als Azubi muss man nicht jeden Cent dreimal umdrehen, aber ein bewusster Umgang mit Geld ist wichtig. Erstelle ein Budget, nutze Azubi-Rabatte, vergleiche Verträge und baue einen kleinen Notgroschen auf. Diese Gewohnheiten werden dir nicht nur während der Ausbildung helfen, sondern dich auf deinem gesamten Berufsweg begleiten. Finanzkompetenz ist eine Fähigkeit, die sich ein Leben lang auszahlt.