Welche Herausforderungen bringt die erste eigene Wohnung als Azubi mit sich?
Die größte Herausforderung ist das Geld, denn die Ausbildungsvergütung muss Miete, Nebenkosten und Alltag decken. Dazu kommen einmalige Kosten für Kaution, Möbel und Umzug.
Mit guter Planung und den passenden Förderungen ist die erste eigene Wohnung trotzdem machbar. In diesem Ratgeber erfährst du, worauf es ankommt.
Wie viel Miete kannst du dir als Azubi leisten und welche Kosten kommen dazu?
Rechne zuerst dein monatliches Netto plus mögliche Förderungen zusammen und zieh alle festen Kosten ab. Eine verbreitete Faustregel lautet, dass die Warmmiete nicht mehr als ein Drittel deines Nettoeinkommens ausmachen sollte.
Laufende Kosten
- Kaltmiete: die Miete ohne Nebenkosten
- Nebenkosten: Heizung, Wasser, Müll, Hausreinigung und Ähnliches, meist als monatliche Vorauszahlung
- Strom: zahlst du meist direkt an deinen Stromanbieter
- Internet und Handy
- Rundfunkbeitrag: 18,36 Euro im Monat pro Wohnung
- Versicherungen: vor allem eine private Haftpflicht, falls du nicht mehr über deine Eltern versichert bist
Einmalige Kosten beim Einzug
- Kaution: höchstens drei Monatsmieten ohne Nebenkosten. Du darfst sie in drei gleichen Monatsraten zahlen, die erste zu Beginn des Mietverhältnisses (§ 551 BGB).
- Erstausstattung: Möbel, Küchengeräte, Bettwäsche. Gebraucht kaufen spart viel Geld.
- Umzug: Transporter, Helfer, Kartons
- Makler: Bei Mietwohnungen zahlt grundsätzlich der, der den Makler beauftragt hat, meist also der Vermieter. Von dir darf der Makler nur Geld verlangen, wenn er ausschließlich für dich gesucht hat (§ 2 Abs. 1a WoVermittG).
Solltest du als Azubi in eine WG ziehen oder allein wohnen?
Eine WG ist meist günstiger und geselliger, allein wohnen bietet mehr Ruhe und Freiheit. Mit knappem Budget ist eine WG oft der leichtere Einstieg.
WG
Vorteile:
- Miete und Nebenkosten werden geteilt.
- Du bist in einer neuen Stadt nicht allein.
- Küche und Waschmaschine sind oft schon da.
Nachteile:
- weniger Privatsphäre
- Kompromisse bei Sauberkeit, Lautstärke und Besuch
- Abhängigkeit von Mitbewohnern, je nach Mietvertrag
Allein wohnen
Vorteile:
- volle Freiheit und Privatsphäre
- eigene Regeln
Nachteile:
- Alle Kosten trägst du allein.
- Es kann einsam werden.
- Alle Aufgaben im Haushalt liegen bei dir.
Welche finanzielle Unterstützung bekommst du als Azubi für die eigene Wohnung?
Die wichtigste Hilfe ist die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Agentur für Arbeit, außerdem das Kindergeld. Wohngeld ist für Azubis dagegen meist ausgeschlossen.
Berufsausbildungsbeihilfe
BAB ist ein Zuschuss, den du nicht zurückzahlen musst. Du bekommst sie in einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Ausbildung, wenn du nicht bei deinen Eltern wohnst und den Betrieb von dort nicht in angemessener Zeit erreichen kannst. Bist du 18 oder älter, verheiratet oder lebst mit Kind, entfällt die Bedingung mit der Entfernung (§ 60 SGB III).
Als Grundbedarf für Lebensunterhalt und Wohnen gelten derzeit 442 Euro plus 380 Euro für die Unterkunft (§ 61 SGB III, § 13 BAföG). Darauf werden deine Vergütung und gegebenenfalls das Einkommen deiner Eltern angerechnet. BAB gibt es rückwirkend nur ab dem Monat, in dem du sie beantragst (§ 325 SGB III), stell den Antrag also möglichst vor dem Einzug.
Wohngeld
Wer dem Grunde nach Anspruch auf BAB hat, bekommt kein Wohngeld, und zwar auch dann nicht, wenn die BAB wegen des Einkommens der Eltern bei null liegt (§ 20 Abs. 2 WoGG). Wohngeld kommt für Azubis deshalb nur in Ausnahmefällen infrage, etwa wenn die Voraussetzungen für BAB grundsätzlich nicht erfüllt sind. Frag im Zweifel bei der Wohngeldstelle nach.
Weitere Möglichkeiten
- Kindergeld: Deine Eltern bekommen es während der Ausbildung bis zu deinem 25. Geburtstag weiter, 2026 sind das 259 Euro im Monat. Sprich mit ihnen darüber, ob sie es an dich weitergeben.
- Azubi-Wohnheime: In manchen Städten gibt es günstigere Wohnangebote für junge Menschen in Ausbildung, mehr dazu im Ratgeber Azubi-Wohnheim.
- Sozialwohnungen: Mit einem Wohnberechtigungsschein kannst du dich auf geförderte Wohnungen bewerben.
Wo findest du als Azubi eine Wohnung?
Such parallel auf Online-Portalen, bei Wohnungsbaugesellschaften und über persönliche Kontakte. Gerade in Städten mit knappem Wohnraum lohnt es sich, viele Wege zu nutzen.
Wo suchen?
- Online-Portale: Immobilien- und WG-Portale sowie Kleinanzeigen
- Soziale Medien: Gruppen zur Wohnungssuche in deiner Stadt
- Aushänge: in Berufsschule, Betrieb oder Supermarkt
- Wohnungsunternehmen: städtische Gesellschaften und Genossenschaften direkt anfragen
Worauf achten?
- Lage: Wie kommst du zum Betrieb und zur Berufsschule?
- Zustand: Feuchtigkeit, Schimmel, Fenster und Heizung prüfen
- Nebenkosten: Frag nach der letzten Abrechnung und möglichen Nachzahlungen.
- Kündigung: Als Mieter kannst du einen unbefristeten Vertrag mit drei Monaten Frist kündigen (§ 573c BGB). Achte auf vereinbarte Kündigungsverzichte.
- Vorsicht vor Betrug: Überweise nie Geld, bevor du die Wohnung gesehen und einen Vertrag hast.
Was musst du beim Einzug in die erste Wohnung erledigen?
Beim Einzug musst du dich innerhalb von zwei Wochen bei der Meldebehörde anmelden (§ 17 BMG). Dazu kommen Strom, Internet, Rundfunkbeitrag und ein sorgfältiges Übergabeprotokoll.
- Wohnsitz anmelden, die Bestätigung des Vermieters brauchst du dafür
- Strom anmelden und Anbieter vergleichen
- Internet bestellen, Vorlaufzeit beachten
- Rundfunkbeitrag anmelden
- Haftpflicht- und Hausratversicherung prüfen
- Übergabeprotokoll mit Zählerständen und Fotos von Schäden
- Nachsendeauftrag einrichten
- neue Adresse an Bank, Versicherungen, Betrieb, Berufsschule und Familienkasse melden
Wie sparst du Geld in deiner ersten Wohnung?
Am meisten sparst du bei der Einrichtung, bei Energie und beim Essen. Kleine Gewohnheiten machen über das Jahr einen spürbaren Unterschied.
- Möbel gebraucht kaufen: Kleinanzeigen, Flohmärkte oder Verschenkgruppen
- Stromanbieter vergleichen: Die Grundversorgung ist oft nicht der günstigste Tarif.
- Wasser sparen: Duschen statt baden, Waschmaschine voll beladen
- Richtig heizen: Raumtemperatur bewusst wählen und stoßlüften statt Fenster dauernd kippen
- Selbst kochen: deutlich günstiger als Lieferdienste
Was solltest du dir zur ersten eigenen Wohnung als Azubi merken?
Plane die Kosten realistisch, beantrage BAB rechtzeitig und unterschreib nichts unter Zeitdruck. Eine WG kann ein guter, günstiger Start sein.
Auf welchen Quellen basiert dieser Artikel?
Die Angaben stammen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Wohnungsvermittlungsgesetz, dem Bundesmeldegesetz, dem Wohngeldgesetz, dem Sozialgesetzbuch III und dem BAföG sowie vom Beitragsservice, zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026:
§ 56 SGB III, § 60 SGB III, § 61 SGB III, § 13 BAföG, § 325 SGB III, Bundesagentur für Arbeit: Berufsausbildungsbeihilfe, § 551 BGB, § 573c BGB, § 2 WoVermittG, § 17 BMG, § 19 BMG, § 20 WoGG, § 66 EStG, Rundfunkbeitrag
Für die erste eigene Wohnung außerdem sinnvoll: eine günstige Hausratversicherung. Was sie leistet und kostet, erklärt der Hausrat-Ratgeber von VersicherungenGenie ↗.