Azubi-Leben18. Oktober 2025

Erste eigene Wohnung als Azubi – Tipps & Checkliste

Erste eigene Wohnung als Azubi: Kosten kalkulieren, WG vs. alleine wohnen, Kaution, Nebenkosten, Umzugstipps und finanzielle Unterstützung durch BAB und Wohngeld.

Das Wichtigste in Kürze

  • Maximal ein Drittel des Nettoeinkommens sollte für die Warmmiete eingeplant werden
  • Nebenkosten, Strom, Internet und Versicherungen kommen zur Kaltmiete hinzu
  • Die Kaution beträgt meist 2-3 Monats-Kaltmieten und wird beim Auszug zurückgezahlt
  • BAB und Wohngeld können Azubis finanziell bei der Wohnung unterstützen
  • Eine WG ist oft die günstigere und geselligere Alternative zum Alleinwohnen
  • Wohnsitz ummelden, Strom anmelden und Übergabeprotokoll nicht vergessen

Die erste eigene Wohnung – Ein großer Schritt

Die erste eigene Wohnung ist ein Meilenstein im Leben. Endlich unabhängig sein, eigene Regeln aufstellen und den eigenen Alltag gestalten – das klingt fantastisch. Aber als Azubi stehst du vor besonderen Herausforderungen: Das Ausbildungsgehalt ist oft knapp, und die Kosten für eine Wohnung können schnell überfordernd wirken.

Keine Sorge: Mit der richtigen Planung und den passenden Fördermöglichkeiten ist die erste eigene Wohnung als Azubi absolut machbar. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du wissen musst.

Kosten realistisch kalkulieren

Bevor du dich auf Wohnungssuche begibst, solltest du genau wissen, was du dir leisten kannst. Eine Faustregel besagt: Maximal ein Drittel deines Nettoeinkommens sollte für die Warmmiete draufgehen.

Diese Kosten kommen auf dich zu

  • Kaltmiete: Der reine Mietpreis ohne Nebenkosten
  • Nebenkosten (Betriebskosten): Heizung, Wasser, Müllentsorgung, Hausmeister, Gebäudeversicherung – meist 2–3 Euro pro Quadratmeter
  • Strom: Wird separat bezahlt, ca. 30–50 Euro/Monat für eine Person
  • Internet/Telefon: Ca. 20–40 Euro/Monat
  • Rundfunkbeitrag (GEZ): 18,36 Euro/Monat
  • Haftpflichtversicherung: Ca. 3–5 Euro/Monat (unbedingt empfehlenswert!)

Einmalige Kosten beim Einzug

  • Kaution: In der Regel 2–3 Monats-Kaltmieten. Du bekommst sie beim Auszug zurück (wenn alles in Ordnung ist).
  • Erstausstattung: Möbel, Küchenutensilien, Bettwäsche etc. – plane 500–2.000 Euro ein
  • Umzugskosten: Transporter mieten, Helfer, Verpackungsmaterial
  • Maklerkosten: Falls ein Makler involviert ist (maximal 2 Kaltmieten + MwSt., zahlt der Vermieter bei Mietwohnungen seit 2015)

WG oder alleine wohnen?

Beide Optionen haben Vor- und Nachteile:

WG (Wohngemeinschaft)

Vorteile:

  • Günstiger – Miete und Nebenkosten werden geteilt
  • Nicht allein – besonders wichtig, wenn du in einer neuen Stadt bist
  • Geteilte Erstausstattung (Küche, Waschmaschine etc.)
  • Soziale Kontakte direkt in der Wohnung

Nachteile:

  • Weniger Privatsphäre
  • Kompromisse bei Sauberkeit, Lautstärke, Besuch
  • Abhängigkeit von Mitbewohnern (z.B. bei Mietausfall)

Alleine wohnen

Vorteile:

  • Volle Freiheit und Privatsphäre
  • Eigene Regeln
  • Kein Stress mit Mitbewohnern

Nachteile:

  • Teurer – alle Kosten trägst du allein
  • Kann einsam werden
  • Alle Aufgaben (Putzen, Einkaufen) liegen bei dir

Finanzielle Unterstützung für Azubis

Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Die BAB ist eine staatliche Förderung speziell für Azubis, die nicht mehr bei den Eltern wohnen. Voraussetzungen:

  • Du machst eine anerkannte duale Ausbildung
  • Der Ausbildungsbetrieb ist zu weit von deinen Eltern entfernt, um täglich zu pendeln
  • Das Einkommen deiner Eltern und dein eigenes Einkommen werden angerechnet

Die Höhe der BAB hängt von deiner individuellen Situation ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit. Wichtig: Antrag frühzeitig stellen, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt!

Wohngeld

Wenn du keinen Anspruch auf BAB hast (z.B. weil deine Eltern zu viel verdienen), kannst du eventuell Wohngeld beantragen. Der Antrag wird bei der zuständigen Wohngeldstelle deiner Gemeinde gestellt.

Weitere Fördermöglichkeiten

  • Kindergeld: Solange du in der Erstausbildung bist und unter 25, haben deine Eltern Anspruch auf Kindergeld (250 Euro/Monat). Bitte sie, es dir weiterzuleiten.
  • Azubi-Wohnheime: Manche Städte und Träger bieten günstigen Wohnraum speziell für Azubis.
  • Sozialwohnungen: Mit Wohnberechtigungsschein kannst du dich auf günstige Sozialwohnungen bewerben.

Die Wohnungssuche

Wo suchen?

  • Online-Portale: ImmoScout24, WG-Gesucht, eBay Kleinanzeigen, Immowelt
  • Soziale Medien: Facebook-Gruppen für Wohnungssuche in deiner Stadt
  • Schwarzes Brett: In der Berufsschule, im Betrieb, im Supermarkt
  • Wohnungsbaugesellschaften: Direkt bei städtischen oder genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen anfragen

Worauf achten?

  • Lage: Nähe zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule? ÖPNV-Anbindung?
  • Zustand: Feuchtigkeit, Schimmel, Fenster, Heizung prüfen
  • Nebenkosten: Was ist in den Nebenkosten enthalten? Nachzahlungen aus Vorjahren erfragen
  • Kündigungsfrist: Standard sind 3 Monate, kürzere Fristen sind günstiger für dich

Checkliste für den Einzug

  • Strom anmelden (Anbieter vergleichen!)
  • Internet bestellen (Vorlaufzeit beachten!)
  • Rundfunkbeitrag anmelden
  • Wohnsitz ummelden (innerhalb von 2 Wochen beim Einwohnermeldeamt)
  • Haftpflichtversicherung abschließen
  • Hausratversicherung prüfen
  • Schlüsselübergabeprotokoll erstellen (Zählerstände, Schäden dokumentieren!)
  • Nachsendeauftrag bei der Post einrichten
  • Adressänderung bei Bank, Versicherungen, Arbeitgeber, Berufsschule melden

Spartipps für die erste Wohnung

  • Möbel gebraucht kaufen: eBay Kleinanzeigen, Flohmärkte, Facebook Marketplace – hier findest du günstige Möbel in gutem Zustand.
  • Stromanbieter vergleichen: Der Grundversorger ist meist teurer. Ein Wechsel spart leicht 100+ Euro/Jahr.
  • Wasser sparen: Dusche statt Badewanne, Waschmaschine voll beladen, Sparduschkopf nutzen.
  • Heizen mit Köpfchen: 1 Grad weniger spart ca. 6% Heizkosten. Stoßlüften statt Dauerkippen.
  • Kochen statt bestellen: Selbst kochen ist deutlich günstiger als Lieferdienste und Außer-Haus-Essen.

Fazit: Gut geplant in die erste Wohnung

Die erste eigene Wohnung als Azubi erfordert gute Planung und einen realistischen Blick auf die Finanzen. Nutze die verfügbaren Fördermöglichkeiten wie BAB oder Wohngeld, kalkuliere alle Kosten im Voraus und scheue dich nicht, mit einer WG zu starten – das spart Geld und ist geselliger. Mit der richtigen Vorbereitung wird deine erste eigene Wohnung ein toller Start in die Unabhängigkeit.

Häufige Fragen

Kann ich mir als Azubi eine eigene Wohnung leisten?
Das hängt von deinem Ausbildungsgehalt und den Mietpreisen in deiner Region ab. Mit BAB, Wohngeld und einer günstigen Wohnung oder WG ist es in vielen Fällen möglich. Kalkuliere alle Kosten ehrlich durch, bevor du dich entscheidest.
Was ist BAB und wie beantrage ich es?
Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ist eine staatliche Förderung für Azubis, die nicht bei den Eltern wohnen können. Du beantragst sie bei der Agentur für Arbeit. Stelle den Antrag möglichst vor dem Einzug, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt.
Wie hoch ist die Kaution und wann bekomme ich sie zurück?
Die Kaution beträgt maximal drei Monats-Kaltmieten und dient dem Vermieter als Sicherheit. Du bekommst sie nach dem Auszug zurück, wenn keine Schäden vorliegen und alle Nebenkosten abgerechnet sind. Der Vermieter hat dafür bis zu 6 Monate Zeit.
Brauche ich eine Haftpflichtversicherung?
Eine Haftpflichtversicherung ist keine Pflicht, aber dringend empfohlen! Sie kostet nur 3-5 Euro im Monat und schützt dich vor Schadensersatzansprüchen, wenn du versehentlich fremdes Eigentum beschädigst. Als Azubi bist du möglicherweise noch über deine Eltern mitversichert – prüfe das!
WG oder alleine wohnen – was ist besser als Azubi?
Das hängt von deinen Prioritäten ab. Eine WG ist günstiger und bietet soziale Kontakte, dafür hast du weniger Privatsphäre. Alleine wohnen ist teurer, aber du bist völlig frei. Für Azubis mit knappem Budget ist eine WG oft die bessere Wahl.

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Stand: Oktober 2025 · Alle Angaben ohne Gewähr