Die erste eigene Wohnung – Ein großer Schritt
Die erste eigene Wohnung ist ein Meilenstein im Leben. Endlich unabhängig sein, eigene Regeln aufstellen und den eigenen Alltag gestalten – das klingt fantastisch. Aber als Azubi stehst du vor besonderen Herausforderungen: Das Ausbildungsgehalt ist oft knapp, und die Kosten für eine Wohnung können schnell überfordernd wirken.
Keine Sorge: Mit der richtigen Planung und den passenden Fördermöglichkeiten ist die erste eigene Wohnung als Azubi absolut machbar. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du wissen musst.
Kosten realistisch kalkulieren
Bevor du dich auf Wohnungssuche begibst, solltest du genau wissen, was du dir leisten kannst. Eine Faustregel besagt: Maximal ein Drittel deines Nettoeinkommens sollte für die Warmmiete draufgehen.
Diese Kosten kommen auf dich zu
- Kaltmiete: Der reine Mietpreis ohne Nebenkosten
- Nebenkosten (Betriebskosten): Heizung, Wasser, Müllentsorgung, Hausmeister, Gebäudeversicherung – meist 2–3 Euro pro Quadratmeter
- Strom: Wird separat bezahlt, ca. 30–50 Euro/Monat für eine Person
- Internet/Telefon: Ca. 20–40 Euro/Monat
- Rundfunkbeitrag (GEZ): 18,36 Euro/Monat
- Haftpflichtversicherung: Ca. 3–5 Euro/Monat (unbedingt empfehlenswert!)
Einmalige Kosten beim Einzug
- Kaution: In der Regel 2–3 Monats-Kaltmieten. Du bekommst sie beim Auszug zurück (wenn alles in Ordnung ist).
- Erstausstattung: Möbel, Küchenutensilien, Bettwäsche etc. – plane 500–2.000 Euro ein
- Umzugskosten: Transporter mieten, Helfer, Verpackungsmaterial
- Maklerkosten: Falls ein Makler involviert ist (maximal 2 Kaltmieten + MwSt., zahlt der Vermieter bei Mietwohnungen seit 2015)
WG oder alleine wohnen?
Beide Optionen haben Vor- und Nachteile:
WG (Wohngemeinschaft)
Vorteile:
- Günstiger – Miete und Nebenkosten werden geteilt
- Nicht allein – besonders wichtig, wenn du in einer neuen Stadt bist
- Geteilte Erstausstattung (Küche, Waschmaschine etc.)
- Soziale Kontakte direkt in der Wohnung
Nachteile:
- Weniger Privatsphäre
- Kompromisse bei Sauberkeit, Lautstärke, Besuch
- Abhängigkeit von Mitbewohnern (z.B. bei Mietausfall)
Alleine wohnen
Vorteile:
- Volle Freiheit und Privatsphäre
- Eigene Regeln
- Kein Stress mit Mitbewohnern
Nachteile:
- Teurer – alle Kosten trägst du allein
- Kann einsam werden
- Alle Aufgaben (Putzen, Einkaufen) liegen bei dir
Finanzielle Unterstützung für Azubis
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
Die BAB ist eine staatliche Förderung speziell für Azubis, die nicht mehr bei den Eltern wohnen. Voraussetzungen:
- Du machst eine anerkannte duale Ausbildung
- Der Ausbildungsbetrieb ist zu weit von deinen Eltern entfernt, um täglich zu pendeln
- Das Einkommen deiner Eltern und dein eigenes Einkommen werden angerechnet
Die Höhe der BAB hängt von deiner individuellen Situation ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit. Wichtig: Antrag frühzeitig stellen, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt!
Wohngeld
Wenn du keinen Anspruch auf BAB hast (z.B. weil deine Eltern zu viel verdienen), kannst du eventuell Wohngeld beantragen. Der Antrag wird bei der zuständigen Wohngeldstelle deiner Gemeinde gestellt.
Weitere Fördermöglichkeiten
- Kindergeld: Solange du in der Erstausbildung bist und unter 25, haben deine Eltern Anspruch auf Kindergeld (250 Euro/Monat). Bitte sie, es dir weiterzuleiten.
- Azubi-Wohnheime: Manche Städte und Träger bieten günstigen Wohnraum speziell für Azubis.
- Sozialwohnungen: Mit Wohnberechtigungsschein kannst du dich auf günstige Sozialwohnungen bewerben.
Die Wohnungssuche
Wo suchen?
- Online-Portale: ImmoScout24, WG-Gesucht, eBay Kleinanzeigen, Immowelt
- Soziale Medien: Facebook-Gruppen für Wohnungssuche in deiner Stadt
- Schwarzes Brett: In der Berufsschule, im Betrieb, im Supermarkt
- Wohnungsbaugesellschaften: Direkt bei städtischen oder genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen anfragen
Worauf achten?
- Lage: Nähe zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule? ÖPNV-Anbindung?
- Zustand: Feuchtigkeit, Schimmel, Fenster, Heizung prüfen
- Nebenkosten: Was ist in den Nebenkosten enthalten? Nachzahlungen aus Vorjahren erfragen
- Kündigungsfrist: Standard sind 3 Monate, kürzere Fristen sind günstiger für dich
Checkliste für den Einzug
- Strom anmelden (Anbieter vergleichen!)
- Internet bestellen (Vorlaufzeit beachten!)
- Rundfunkbeitrag anmelden
- Wohnsitz ummelden (innerhalb von 2 Wochen beim Einwohnermeldeamt)
- Haftpflichtversicherung abschließen
- Hausratversicherung prüfen
- Schlüsselübergabeprotokoll erstellen (Zählerstände, Schäden dokumentieren!)
- Nachsendeauftrag bei der Post einrichten
- Adressänderung bei Bank, Versicherungen, Arbeitgeber, Berufsschule melden
Spartipps für die erste Wohnung
- Möbel gebraucht kaufen: eBay Kleinanzeigen, Flohmärkte, Facebook Marketplace – hier findest du günstige Möbel in gutem Zustand.
- Stromanbieter vergleichen: Der Grundversorger ist meist teurer. Ein Wechsel spart leicht 100+ Euro/Jahr.
- Wasser sparen: Dusche statt Badewanne, Waschmaschine voll beladen, Sparduschkopf nutzen.
- Heizen mit Köpfchen: 1 Grad weniger spart ca. 6% Heizkosten. Stoßlüften statt Dauerkippen.
- Kochen statt bestellen: Selbst kochen ist deutlich günstiger als Lieferdienste und Außer-Haus-Essen.
Fazit: Gut geplant in die erste Wohnung
Die erste eigene Wohnung als Azubi erfordert gute Planung und einen realistischen Blick auf die Finanzen. Nutze die verfügbaren Fördermöglichkeiten wie BAB oder Wohngeld, kalkuliere alle Kosten im Voraus und scheue dich nicht, mit einer WG zu starten – das spart Geld und ist geselliger. Mit der richtigen Vorbereitung wird deine erste eigene Wohnung ein toller Start in die Unabhängigkeit.