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Berufsschule & PrüfungenVon der Genieportal-Redaktion · Aktualisiert am

Berufsschule: Alltag, Fächer und Tipps für Azubis

Berufsschule in der Ausbildung: Teilzeit oder Block, welche Fächer, wie Noten und Abschluss funktionieren, welche Rechte du hast und wie du erfolgreich lernst.

Das Wichtigste in Kürze

  • ✓Die Berufsschule ist der zweite Lernort der dualen Ausbildung, die Details regeln die Länder
  • ✓Der Unterricht umfasst mindestens 12 Wochenstunden, als Teilzeit- oder Blockunterricht
  • ✓Unterrichtszeit wird auf die Ausbildungszeit angerechnet, die Vergütung läuft weiter
  • ✓Mit Schnitt ab 3,0, Ausbildung und Fremdsprache kann das Zeugnis den Mittleren Schulabschluss einschließen
  • ✓Aktive Mitarbeit, gute Organisation und Lerngruppen helfen beim Erfolg

Welche Rolle spielt die Berufsschule in der dualen Ausbildung?

Die Berufsschule ist neben dem Betrieb der zweite Lernort der dualen Ausbildung. Sie vermittelt dir die fachliche Theorie zu deinem Beruf und erweitert deine Allgemeinbildung.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie der Unterricht organisiert ist, welche Fächer auf dich zukommen und mit welchen Strategien du gut durch die Berufsschulzeit kommst.

Wie funktioniert die Berufsschule?

Die Grundregeln haben die Länder in der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) über die Berufsschule festgelegt, die Einzelheiten regelt jedes Bundesland selbst. Auch Dauer und Umfang der Berufsschulpflicht bestimmen die Länder.

Unabhängig davon musst du am Berufsschulunterricht teilnehmen, weil dein Betrieb dich dafür freistellen muss und du an solchen Maßnahmen teilnehmen musst (§§ 13, 15 BBiG). Laut KMK ist ein vollständiger und regelmäßiger Berufsschulbesuch für das Erreichen des Ausbildungsziels unerlässlich.

Teilzeitunterricht oder Blockunterricht?

Der Unterricht findet als Teilzeitunterricht statt, der auch als Blockunterricht organisiert werden kann. Welches Modell bei dir gilt, legt das Land für die jeweilige Fachklasse fest.

  • Teilzeitunterricht: Du gehst an einem oder zwei Tagen pro Woche zur Berufsschule und bist an den anderen Tagen im Betrieb.
  • Blockunterricht: Du hast mehrere Wochen am Stück Unterricht und bist danach länger durchgehend im Betrieb.

Beim Teilzeitmodell kannst du das Gelernte schnell im Betrieb anwenden, beim Blockunterricht kannst du dich stärker auf die Theorie konzentrieren. In Berufen mit wenigen Azubis gibt es teils länderübergreifende Fachklassen.

Welche Fächer erwarten dich in der Berufsschule?

Der Unterricht umfasst nach der KMK-Rahmenvereinbarung mindestens 12 Wochenstunden, davon in der Regel 8 Stunden berufsbezogenen Unterricht. Dazu kommen berufsübergreifende Fächer.

Berufsbezogener Unterricht

Er richtet sich nach den Rahmenlehrplänen der KMK und ist meist in Lernfeldern organisiert. Je nach Beruf geht es zum Beispiel um:

  • Kaufmännische Berufe: Geschäftsprozesse, Rechnungswesen, Wirtschaftslehre
  • Handwerk und Technik: Fachtheorie, Technologie, technische Mathematik, technisches Zeichnen
  • IT-Berufe: Programmierung, Netzwerke, Datenbanken, IT-Systeme

Berufsübergreifender Unterricht

Laut KMK geht es vor allem um Deutsch, Fremdsprache, Politik oder Wirtschaft, Religion oder Ethik und Sport. Welche Fächer du konkret hast, regelt dein Bundesland.

Wie sieht ein typischer Berufsschultag aus?

Ein Berufsschultag läuft ähnlich ab wie ein Schultag, mit Unterrichtsstunden und Pausen nach dem Stundenplan deiner Schule. Wann der Unterricht beginnt und endet, legt deine Berufsschule fest.

Wichtig zu wissen: Die Unterrichtszeit samt Pausen und notwendiger Wege zwischen Schule und Betrieb wird auf deine Ausbildungszeit angerechnet. Beginnt der Unterricht vor 9 Uhr, darfst du vorher nicht im Betrieb arbeiten. Einmal pro Woche musst du nach einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von je mindestens 45 Minuten nicht mehr in den Betrieb, dieser Tag zählt dann mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit (§ 15 BBiG).

Was gilt bei Fehlzeiten?

Bist du krank, meldest du dich sofort im Betrieb und nach den Regeln deiner Schule auch in der Berufsschule. Wann du eine ärztliche Bescheinigung brauchst, ergibt sich für den Betrieb aus deinem Vertrag und dem Entgeltfortzahlungsgesetz, für die Schule aus dem Schulrecht deines Landes. Alles dazu im Ratgeber Fehlzeiten in der Berufsschule.

Wie setzen sich die Noten in der Berufsschule zusammen?

Du bekommst Noten aus Klassenarbeiten, mündlicher Mitarbeit, Projekten und praktischen Aufgaben, die Gewichtung regelt dein Bundesland. Am Ende steht ein Abschlusszeugnis der Berufsschule.

  • Klassenarbeiten und Tests
  • mündliche Mitarbeit
  • Projektarbeiten und Referate
  • praktische Aufgaben

Die Berufsschule führt zu einem eigenständigen Abschluss. Das Abschlusszeugnis erhältst du, wenn du mindestens ausreichende Leistungen nachweist. Die Abschlussnote wird als Durchschnitt auf eine Stelle nach dem Komma berechnet, ohne zu runden.

Kannst du über die Berufsschule einen höheren Schulabschluss bekommen?

Ja, das ist möglich. Nach der KMK-Rahmenvereinbarung schließt das Abschlusszeugnis der Berufsschule die Berechtigungen des Mittleren Schulabschlusses ein, wenn du einen Gesamtnotendurchschnitt von mindestens 3,0 erreichst, eine mindestens zweijährige Ausbildung erfolgreich abschließt und ausreichende Fremdsprachenkenntnisse nachweist.

Die Fremdsprachenkenntnisse entsprechen dabei einem mindestens fünfjährigen Unterricht oder dem Niveau B1. Auch der Erste Schulabschluss kann nach den Regeln der Länder bestätigt werden. Die Fachhochschulreife kannst du über Zusatzunterricht und eine Zusatzprüfung parallel zur Ausbildung erwerben. Die Einzelheiten regelt jeweils dein Bundesland.

Wie wirst du in der Berufsschule erfolgreich?

Am erfolgreichsten bist du, wenn du aktiv mitarbeitest, deine Unterlagen ordnest und Theorie mit deiner Arbeit im Betrieb verknüpfst. Frag früh nach, wenn du etwas nicht verstehst.

1. Aktiv mitarbeiten

Wer im Unterricht aufpasst und sich beteiligt, muss zu Hause weniger nacharbeiten. Außerdem zählt die mündliche Mitarbeit in die Note.

2. Unterlagen organisieren

Halte deine Unterlagen von Anfang an ordentlich, auf Papier oder digital. Wer erst vor der Prüfung sortiert, verliert Lernzeit.

3. Lerngruppen bilden

In Lerngruppen erklärt ihr euch Themen gegenseitig und motiviert euch. Besonders vor Prüfungen hilft das.

4. Theorie und Praxis verknüpfen

Such den Bezug zwischen dem Unterricht und deiner Arbeit im Betrieb. So verstehst und behältst du den Stoff besser.

5. Früh nachfragen

Wenn du etwas nicht verstehst, frag nach. Nachhilfe oder Förderkurse sind keine Schande, im Gegenteil.

6. Berichtsheft aktuell halten

Die Themen des Berufsschulunterrichts gehören in deinen Ausbildungsnachweis. Trag sie zeitnah ein, nach Wochen erinnerst du dich kaum noch an Details.

Was ist die überbetriebliche Ausbildung und wann musst du woanders zur Schule?

Überbetriebliche Lehrgänge ergänzen in manchen Berufen, vor allem im Handwerk, die Ausbildung im Betrieb. Bei seltenen Berufen kann außerdem die Berufsschule in einer anderen Stadt liegen.

Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung

Diese Lehrgänge finden in Bildungszentren etwa von Kammern oder Innungen statt und vermitteln Inhalte, die nicht jeder Betrieb abdecken kann. Für die Teilnahme muss dich dein Betrieb freistellen (§ 15 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 BBiG). Mehr dazu im Ratgeber Betriebliche und überbetriebliche Ausbildung.

Berufsschule in einem anderen Ort

In Berufen mit wenigen Azubis werden Fachklassen teils für mehrere Länder gebildet. Dann hast du meist Blockunterricht und wohnst in dieser Zeit in einem Wohnheim oder einer anderen Unterkunft. Frag bei Schule, Betrieb und Land nach Zuschüssen zu Fahrt und Unterkunft.

Welche Rechte hast du als Azubi in Bezug auf die Berufsschule?

Dein Betrieb muss dich für die Berufsschule freistellen, die Zeit auf die Ausbildungszeit anrechnen und die Vergütung weiterzahlen. Diese Rechte stehen im Berufsbildungsgesetz.

  • Freistellung: für den Unterricht, auch für Prüfungen und überbetriebliche Lehrgänge (§ 15 Abs. 1 BBiG)
  • Anrechnung: Unterrichtszeit samt Pausen und notwendiger Wege zählt als Ausbildungszeit (§ 15 Abs. 2 BBiG).
  • Vergütung: läuft während der Freistellung weiter (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 BBiG)
  • Lernmittel: Ob Schulbücher gestellt werden, regelt das Land. Werkzeuge und Fachliteratur für die betriebliche Ausbildung und die Prüfungen stellt dein Betrieb kostenlos (§ 14 Abs. 1 Nr. 3 BBiG).

Für minderjährige Azubis gelten zusätzlich die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes (§ 15 Abs. 3 BBiG).

Was solltest du dir zur Berufsschule merken?

Die Berufsschule ist ein fester Teil deiner Ausbildung und kann dir sogar einen höheren Schulabschluss einbringen. Arbeite aktiv mit, organisiere dich gut und kenne deine Rechte bei Freistellung und Anrechnung.

Auf welchen Quellen basiert dieser Artikel?

Die Angaben stammen aus der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Berufsschule und dem Berufsbildungsgesetz, zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026:

KMK-Rahmenvereinbarung über die Berufsschule, § 13 BBiG, § 14 BBiG, § 15 BBiG, § 19 BBiG

Häufige Fragen

Ist die Berufsschule Pflicht?

Die Berufsschulpflicht regeln die Länder. Als Azubi musst du aber in jedem Fall am Unterricht teilnehmen, für den dich dein Betrieb freistellt (§ 13 BBiG).

Muss ich nach der Berufsschule noch in den Betrieb?

Einmal pro Woche nicht, wenn du an dem Tag mehr als fünf Unterrichtsstunden von je mindestens 45 Minuten hattest. An anderen Tagen kann dich der Betrieb nach der Schule noch beschäftigen, die Schulzeit wird aber angerechnet.

Was passiert, wenn ich in der Berufsschule schlechte Noten habe?

Für die Zulassung zur Abschlussprüfung der Kammer zählen die Berufsschulnoten nicht direkt, sie gefährden aber dein Berufsschulzeugnis und deinen Lernerfolg. Sprich früh mit Lehrkräften und Ausbilder über Unterstützung.

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Stand: Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr