Berufsschule & Prüfungen25. Oktober 2025

Berufsschule – Alltag, Fächer & Tipps für Azubis

Erfahre alles über den Berufsschulalltag: Fächer, Blockunterricht vs. Teilzeit, Prüfungen und die besten Tipps, um als Azubi in der Berufsschule erfolgreich zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berufsschule ist der zweite Lernort im dualen System und für alle Azubis Pflicht
  • Es gibt Teilzeitunterricht (1-2 Tage/Woche) und Blockunterricht (mehrere Wochen am Stück)
  • Der Unterricht umfasst berufsbezogene und allgemeinbildende Fächer
  • Berufsschulzeit ist Arbeitszeit – dein Betrieb muss dich freistellen
  • Gute Berufsschulnoten können zu höheren Schulabschlüssen und Ausbildungsverkürzung führen
  • Aktive Mitarbeit, gute Organisation und Lerngruppen sind der Schlüssel zum Erfolg

Berufsschule – Dein zweiter Lernort in der Ausbildung

Die duale Ausbildung in Deutschland ist weltweit einzigartig. Sie kombiniert praktisches Lernen im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule. Als Azubi verbringst du einen erheblichen Teil deiner Ausbildungszeit in der Berufsschule – und genau deshalb ist es wichtig, dass du weißt, was dich dort erwartet und wie du das Beste daraus machst.

In diesem Ratgeber erfährst du alles über den Alltag in der Berufsschule, welche Fächer auf dich zukommen, wie der Unterricht organisiert ist und mit welchen Strategien du erfolgreich durch die Schulzeit kommst.

Wie funktioniert die Berufsschule?

Die Berufsschule ist neben dem Ausbildungsbetrieb der zweite Lernort im dualen System. Sie vermittelt dir die theoretischen Grundlagen für deinen Ausbildungsberuf sowie Allgemeinbildung. Der Besuch der Berufsschule ist für alle Auszubildenden Pflicht – egal ob du 16 oder 25 Jahre alt bist.

Blockunterricht vs. Teilzeitunterricht

Es gibt zwei gängige Modelle, wie der Berufsschulunterricht organisiert wird:

  • Teilzeitunterricht: Du gehst an ein bis zwei Tagen pro Woche in die Berufsschule und arbeitest die restlichen Tage im Betrieb. Dieses Modell ist das häufigste und ermöglicht einen regelmäßigen Wechsel zwischen Theorie und Praxis.
  • Blockunterricht: Du besuchst die Berufsschule für mehrere Wochen am Stück (typischerweise 2–6 Wochen) und bist danach wieder durchgängig im Betrieb. Dieses Modell wird häufig bei spezialisierten Berufen oder überregionalen Fachklassen genutzt.

Welches Modell bei dir zum Einsatz kommt, hängt von deinem Ausbildungsberuf und der zuständigen Berufsschule ab. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile: Beim Teilzeitmodell kannst du das Gelernte sofort im Betrieb anwenden, beim Blockunterricht kannst du dich intensiver auf die Theorie konzentrieren.

Welche Fächer erwarten dich?

Der Stundenplan in der Berufsschule setzt sich aus zwei Bereichen zusammen:

Berufsbezogene Fächer

Diese Fächer bilden den Kern des Berufsschulunterrichts und sind direkt auf deinen Ausbildungsberuf zugeschnitten. Je nach Beruf können das zum Beispiel sein:

  • Kaufmännische Berufe: Rechnungswesen, Wirtschaftslehre, Geschäftsprozesse, Steuerung und Kontrolle
  • Handwerksberufe: Fachtheorie, Technologie, Technische Mathematik, Technisches Zeichnen
  • IT-Berufe: Programmierung, Netzwerktechnik, Datenbanken, IT-Systeme
  • Gesundheitsberufe: Anatomie, Krankheitslehre, Pflegetheorie, Hygiene

Allgemeinbildende Fächer

Neben den berufsbezogenen Fächern stehen auch allgemeinbildende Fächer auf dem Stundenplan:

  • Deutsch/Kommunikation: Geschäftsbriefe, Protokolle, Präsentationen
  • Sozialkunde/Politik: Arbeitsrecht, Sozialversicherung, politische Bildung
  • Wirtschaftskunde: Grundlagen der Wirtschaft, Vertragsrecht
  • Sport: Je nach Bundesland und Schule
  • Religion/Ethik: In einigen Bundesländern verpflichtend

Der typische Berufsschultag

Ein normaler Berufsschultag beginnt meist zwischen 7:30 und 8:00 Uhr und endet gegen 14:00 bis 15:30 Uhr. Du hast in der Regel 6 bis 8 Unterrichtsstunden pro Tag mit entsprechenden Pausen dazwischen.

Wichtig zu wissen: Berufsschulzeit ist Arbeitszeit! Dein Ausbildungsbetrieb muss dich für den Berufsschulbesuch freistellen. Wenn der Unterricht an einem Tag mehr als fünf Unterrichtsstunden umfasst, wird dieser Tag als voller Arbeitstag angerechnet.

Anwesenheitspflicht und Fehlzeiten

Die Anwesenheit in der Berufsschule ist Pflicht. Wenn du krank bist, musst du dich sowohl bei der Schule als auch bei deinem Ausbildungsbetrieb krankmelden. Ab dem dritten Fehltag benötigst du in der Regel ein ärztliches Attest. Zu viele unentschuldigte Fehltage können zur Nichtzulassung zur Abschlussprüfung führen.

Noten und Zeugnisse

In der Berufsschule bekommst du Noten wie in jeder anderen Schule auch. Diese setzen sich zusammen aus:

  • Klassenarbeiten und Tests
  • Mündlicher Mitarbeit
  • Projektarbeiten und Referate
  • Praktische Übungen

Am Ende jedes Halbjahres erhältst du ein Zeugnis. Das Abschlusszeugnis der Berufsschule ist ein eigenständiger Abschluss – je nach Notendurchschnitt und Bundesland kannst du damit sogar einen höheren Schulabschluss erlangen (z.B. den Mittleren Schulabschluss oder die Fachhochschulreife).

Tipps für den Berufsschul-Erfolg

1. Aktiv mitarbeiten

Klingt banal, macht aber einen riesigen Unterschied. Wer im Unterricht aufpasst und sich beteiligt, muss zu Hause deutlich weniger nacharbeiten. Außerdem verbessert aktive Mitarbeit deine mündliche Note erheblich.

2. Unterlagen organisieren

Halte deine Unterlagen von Anfang an ordentlich. Nutze Ordner mit Trennblättern für verschiedene Fächer oder setze auf digitale Notizen. Wenn du erst vor der Prüfung anfängst, deine Unterlagen zu sortieren, verlierst du wertvolle Lernzeit.

3. Lerngruppen bilden

Tausche dich regelmäßig mit deinen Mitschülern aus. In Lerngruppen könnt ihr euch gegenseitig Themen erklären, Verständnislücken schließen und euch motivieren. Besonders vor Prüfungen sind Lerngruppen Gold wert.

4. Theorie und Praxis verknüpfen

Versuche immer, den Bezug zwischen dem Gelernten in der Schule und deiner praktischen Arbeit im Betrieb herzustellen. Diese Verknüpfung hilft dir nicht nur beim Verstehen, sondern auch beim Behalten des Stoffs.

5. Frühzeitig nachfragen

Wenn du etwas nicht verstehst, frag nach – lieber einmal zu viel als zu wenig. Die Lehrer in der Berufsschule sind darauf eingestellt, dass nicht alle den gleichen Wissensstand haben. Auch Nachhilfe oder zusätzliche Förderkurse sind keine Schande.

6. Berichtsheft regelmäßig führen

Nutze die Zeit in der Berufsschule, um auch gleich dein Berichtsheft auf dem aktuellen Stand zu halten. Notiere die Unterrichtsinhalte zeitnah – nach Wochen oder Monaten erinnerst du dich kaum noch an die Details.

Besondere Situationen in der Berufsschule

Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU)

Zusätzlich zur Berufsschule gibt es in manchen Berufen – besonders im Handwerk – überbetriebliche Lehrgänge. Diese finden in Bildungszentren der Kammern statt und ergänzen die betriebliche Ausbildung um Inhalte, die nicht jeder Betrieb abdecken kann.

Berufsschule in einem anderen Ort

Bei seltenen Ausbildungsberufen kann es vorkommen, dass die zuständige Berufsschule in einer anderen Stadt oder sogar einem anderen Bundesland liegt. In diesem Fall wird meist Blockunterricht angeboten, und du wohnst während der Schulblöcke in einem Wohnheim oder einer Unterkunft. Die Kosten dafür können teilweise über die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) oder andere Fördermittel gedeckt werden.

Verkürzung der Ausbildung

Wenn du in der Berufsschule und im Betrieb überdurchschnittlich gute Leistungen zeigst, kannst du einen Antrag auf Verkürzung deiner Ausbildungszeit stellen. Voraussetzung ist in der Regel ein Notendurchschnitt von besser als 2,5 in der Berufsschule und eine positive Beurteilung deines Ausbildungsbetriebs.

Deine Rechte als Berufsschüler

Als Auszubildender hast du in Bezug auf die Berufsschule einige wichtige Rechte:

  • Freistellung: Dein Arbeitgeber muss dich für den Berufsschulbesuch freistellen und die Zeit als Arbeitszeit anrechnen.
  • Keine Nacharbeit: Du musst die Berufsschulzeit grundsätzlich nicht im Betrieb nacharbeiten.
  • Fahrtkosten: Viele Betriebe übernehmen die Fahrtkosten zur Berufsschule oder es gibt Zuschüsse vom Bundesland.
  • Lernmittel: In vielen Bundesländern besteht Lernmittelfreiheit, d.h. Schulbücher werden gestellt oder bezuschusst.

Fazit: Die Berufsschule als Chance nutzen

Die Berufsschule ist viel mehr als nur eine Pflichtveranstaltung. Sie bietet dir die Möglichkeit, theoretisches Wissen aufzubauen, das du für deine Karriere brauchst, einen anerkannten Schulabschluss zu verbessern und wichtige Kontakte zu knüpfen. Nutze die Zeit in der Berufsschule aktiv und sieh sie als Investition in deine berufliche Zukunft. Mit der richtigen Einstellung und guter Organisation wirst du die Berufsschulzeit nicht nur überstehen, sondern davon profitieren.

Häufige Fragen

Ist die Berufsschule Pflicht?
Ja, der Besuch der Berufsschule ist für alle Auszubildenden in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Dein Ausbildungsbetrieb muss dich dafür freistellen, und du darfst den Unterricht nicht eigenmächtig schwänzen.
Wird die Berufsschulzeit als Arbeitszeit angerechnet?
Ja, die Zeit in der Berufsschule gilt als Arbeitszeit. An Tagen mit mehr als fünf Unterrichtsstunden wird der gesamte Tag als Arbeitstag angerechnet. Du musst die Schulzeit in der Regel nicht im Betrieb nacharbeiten.
Was passiert, wenn ich in der Berufsschule schlechte Noten habe?
Schlechte Berufsschulnoten gefährden zunächst deinen Schulabschluss und können die Zulassung zur Abschlussprüfung beeinflussen. Sprich frühzeitig mit deinen Lehrern und deinem Ausbilder über Unterstützungsmöglichkeiten wie Nachhilfe oder Förderkurse.
Kann ich durch die Berufsschule einen höheren Schulabschluss bekommen?
Ja, je nach Bundesland und Notendurchschnitt kannst du mit dem Berufsschulabschluss den Hauptschulabschluss, den Mittleren Schulabschluss oder sogar die Fachhochschulreife erlangen. Informiere dich bei deiner Berufsschule über die konkreten Voraussetzungen.

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Stand: Oktober 2025 · Alle Angaben ohne Gewähr