Welche Ausbildungsarten gibt es in Deutschland?
In Deutschland gibt es zwei grundsätzliche Ausbildungsarten: die duale Ausbildung und die schulische Ausbildung. Beide führen zu einem anerkannten Berufsabschluss, unterscheiden sich aber in Aufbau, Ablauf und Rahmenbedingungen deutlich. In diesem Ratgeber vergleichen wir beide Formen, damit du die richtige Entscheidung für dich treffen kannst.
Was ist eine duale Ausbildung?
Bei der dualen Ausbildung lernst du an zwei Orten, im Betrieb und in der Berufsschule. Du hast einen Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb, bekommst eine Vergütung und legst die Prüfung vor der zuständigen Kammer ab.
Wie ist die duale Ausbildung aufgebaut?
Der Name „dual“ kommt daher, dass die Ausbildung an zwei Lernorten stattfindet:
- Betrieb: Hier verbringst du den größten Teil deiner Zeit und arbeitest praktisch mit.
- Berufsschule: Mindestens 12 Wochenstunden Unterricht, als Teilzeit- oder Blockunterricht, nach der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz.
Merkmale der dualen Ausbildung
- Ausbildungsvertrag: Du schließt einen Vertrag mit einem Unternehmen ab
- Vergütung: mindestens 724 Euro im ersten Jahr bei Beginn 2026, tariflich laut BIBB 2025 im Schnitt 1.209 Euro über alle Ausbildungsjahre
- Dauer: In der Regel 2 bis 3,5 Jahre
- Prüfung: Zwischenprüfung oder Teil 1 und Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer
- Abschluss: Anerkannter Berufsabschluss mit Gesellenbrief oder IHK-Zeugnis
Vorteile der dualen Ausbildung
- Praxisnah: Du lernst von Anfang an im echten Berufsalltag
- Verdienst: Du verdienst ab dem ersten Tag dein eigenes Geld
- Übernahme: Der Betrieb kennt dich und kann dich nach der Ausbildung übernehmen.
- Netzwerk: Du knüpfst früh berufliche Kontakte
- Anerkennung: bundesweit einheitliche Ausbildungsordnungen und Prüfungen
Nachteile der dualen Ausbildung
- Abhängigkeit: Du bist auf einen Ausbildungsbetrieb angewiesen
- Doppelbelastung: Betrieb und Berufsschule gleichzeitig kann stressig sein
- Qualität: Die Ausbildungsqualität hängt stark vom Betrieb ab
- Eingeschränkte Berufswahl: Nicht alle Berufe können dual erlernt werden
Was ist eine schulische Ausbildung?
Bei der schulischen Ausbildung lernst du hauptsächlich an einer Berufsfachschule oder Fachschule und sammelst Praxis in Pflichtpraktika. Sie endet meist mit einer staatlichen Prüfung und wird oft nicht vergütet.
Die Regeln setzen je nach Beruf Bundesgesetze oder die Länder fest. Deshalb unterscheiden sich Dauer, Kosten und Abschluss von Beruf zu Beruf.
Merkmale der schulischen Ausbildung
- Lernort: Berufsfachschule oder Fachakademie
- Vergütung: oft keine, es gibt aber Ausnahmen, etwa in der Pflegeausbildung
- Kosten: Bei privaten Schulen kann Schulgeld anfallen, frag vorher genau nach.
- Dauer: je nach Beruf meist zwei bis drei Jahre
- Prüfung: Staatliche Prüfung am Ende der Ausbildung
- Praktika: Pflichtpraktika in verschiedenen Einrichtungen
Typische schulische Ausbildungsberufe
- Gesundheitsberufe: Physiotherapeut/in, Ergotherapeut/in, Logopäde/Logopädin, Diätassistent/in
- Soziale Berufe: Erzieher/in, Sozialassistent/in, Heilerziehungspfleger/in
- Gestaltung: Gestaltungstechnische/r Assistent/in, Modedesigner/in
- Sprachen: Fremdsprachenkorrespondent/in, Dolmetscher/in
- Technik: Technische/r Assistent/in, Informatik-Assistent/in
Vorteile der schulischen Ausbildung
- Strukturiertes Lernen: Klarer Stundenplan und strukturierter Unterricht
- Kein Ausbildungsbetrieb nötig: Du bewirbst dich bei der Schule, nicht bei Betrieben
- Vielfältige Praktika: Du lernst verschiedene Einrichtungen kennen
- Allgemeinbildung: Oft breitere theoretische Ausbildung
Nachteile der schulischen Ausbildung
- Oft keine Vergütung: In vielen Berufen verdienst du während der Ausbildung kein Geld.
- Schulgeld: Private Schulen können Gebühren verlangen.
- Weniger Praxis: Der Praxisanteil ist geringer als bei der dualen Ausbildung
- Finanzierung: Du brauchst eventuell BAföG oder Unterstützung der Eltern
Worin unterscheiden sich duale und schulische Ausbildung?
Duale und schulische Ausbildung unterscheiden sich vor allem bei Vergütung, Bewerbung, Praxisanteil, Anerkennung und Kosten. Dual bewirbst du dich beim Betrieb und bekommst Geld, schulisch bewirbst du dich bei der Schule und zahlst teils Gebühren.
Vergütung
Dual: Ja, ab dem ersten Monat. Im ersten Jahr lag die tarifliche Vergütung laut BIBB 2025 im Schnitt bei 1.117 Euro.
Schulisch: Oft nein. In der Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz zahlt der Träger der praktischen Ausbildung eine angemessene Vergütung (§ 19 PflBG).
Bewerbung
Dual: Du bewirbst dich bei Unternehmen und wirst bei der Berufsschule angemeldet.
Schulisch: Du bewirbst dich direkt bei der Berufsfachschule.
Praxisanteil
Dual: Sehr hoch, den Großteil der Zeit bist du im Betrieb.
Schulisch: Geringer, aber Pflichtpraktika sind vorgesehen.
Anerkennung
Dual: Bundesweit anerkannter Abschluss (IHK/HWK).
Schulisch: Je nach Beruf staatlich anerkannt, manchmal landesspezifisch.
Kosten
Dual: Keine Kosten für dich, Ausbildungsmittel stellt der Betrieb kostenlos (§ 14 BBiG).
Schulisch: An privaten Schulen kann Schulgeld anfallen, die Höhe ist sehr unterschiedlich.
Gibt es Mischformen aus dualer und schulischer Ausbildung?
Ja, die Pflegeausbildung ist ein Beispiel. Sie besteht aus Unterricht an einer Pflegeschule und praktischer Ausbildung bei einem Träger, mit dem du einen Ausbildungsvertrag schließt und der dir eine Vergütung zahlt (§ 19 PflBG).
Welche Form passt zu mir?
Die duale Ausbildung passt zu dir, wenn du sofort praktisch arbeiten und Geld verdienen willst. Die schulische passt, wenn dein Wunschberuf nur schulisch angeboten wird, du gern in der Schule lernst und die Finanzierung sichern kannst.
Die duale Ausbildung passt zu dir, wenn...
- Du sofort praktisch arbeiten und Geld verdienen möchtest
- Du einen bestimmten Betrieb im Auge hast
- Du gut mit der Doppelbelastung Betrieb + Schule umgehen kannst
- Du einen kaufmännischen, handwerklichen oder industriellen Beruf anstrebst
Die schulische Ausbildung passt zu dir, wenn...
- Du einen Beruf erlernen möchtest, der nur schulisch angeboten wird (z.B. Physiotherapie)
- Du gerne in einer Schulumgebung lernst
- Du verschiedene Praktikumsstellen kennenlernen möchtest
- Du die Finanzierung sicherstellen kannst (BAföG, Eltern)
Welche finanzielle Unterstützung gibt es bei einer schulischen Ausbildung?
Die wichtigste Förderung für schulische Ausbildungen ist das Schüler-BAföG. Daneben gibt es Kindergeld und in fortgeschrittenen Phasen den Bildungskredit.
- BAföG: für Berufsfachschulklassen, die in mindestens zwei Jahren einen Berufsabschluss vermitteln, auch wenn du bei den Eltern wohnst (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 BAföG). Die Schule muss öffentlich oder eine genehmigte Ersatzschule sein. Schüler-BAföG ist ein Zuschuss (§ 17 Abs. 1 BAföG).
- Bildungskredit: ein zinsgünstiger Kredit des Bundes für Schüler und Studierende in fortgeschrittenen Ausbildungsphasen, unabhängig vom Einkommen der Eltern
- Kindergeld: Deine Eltern bekommen es bis zu deinem 25. Geburtstag, solange du in Ausbildung bist.
- Wohngeld: Ist deine Ausbildung dem Grunde nach BAföG-förderfähig, bekommst du in der Regel kein Wohngeld (§ 20 Abs. 2 WoGG).
Was solltest du dir zu dualer und schulischer Ausbildung merken?
Beide Ausbildungsformen führen zu einem anerkannten Berufsabschluss. Entscheidend ist, wie dein Wunschberuf geregelt ist und wie du die Ausbildung finanzierst.
Auf welchen Quellen basiert dieser Artikel?
Die Angaben stammen aus dem Berufsbildungsgesetz, dem Pflegeberufegesetz, dem BAföG, dem Wohngeldgesetz, der KMK-Rahmenvereinbarung über die Berufsschule, dem BIBB und dem Bundesverwaltungsamt, zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026:
§ 14 BBiG, § 19 PflBG, § 2 BAföG, § 17 BAföG, § 20 WoGG, KMK-Rahmenvereinbarung über die Berufsschule, BIBB: Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2025, Bekanntmachung Mindestvergütung 2026, BVA: Bildungskredit