Berufsorientierung20. Januar 2026

Ausbildung oder Studium? – Entscheidungshilfe 2026

Ausbildung oder Studium – was passt besser zu dir? Vergleiche Karrierechancen, Gehalt, Dauer und persönliche Faktoren für die richtige Entscheidung 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beide Wege führen zu einer erfolgreichen Karriere – es gibt keinen grundsätzlich besseren
  • Ausbildung bietet schnellen Berufseinstieg mit sofortigem Verdienst
  • Studium bietet breitere Qualifikation, aber längere Ausbildungszeit ohne Verdienst
  • Duales Studium als Kombination beider Wege immer beliebter
  • Handwerksmeister verdienen oft genauso gut wie Akademiker

Die Qual der Wahl: Ausbildung oder Studium?

Nach dem Schulabschluss stehen viele junge Menschen vor der großen Frage: Ausbildung oder Studium? Beide Wege haben ihre Berechtigung und können zu einer erfolgreichen Karriere führen. Die richtige Wahl hängt von deinen persönlichen Stärken, Interessen, Zielen und Lebensumständen ab.

In diesem Ratgeber vergleichen wir beide Optionen ehrlich und umfassend, damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst – ohne die Vorurteile, die in unserer Gesellschaft leider immer noch existieren.

Die Ausbildung

Was spricht für eine Ausbildung?

  • Sofort Geld verdienen: Ab dem ersten Tag erhältst du eine Ausbildungsvergütung (600-1.300 Euro/Monat)
  • Praxisnah: Du lernst von Anfang an im echten Berufsalltag und sammelst wertvolle Erfahrung
  • Schneller Berufseinstieg: Nach 2-3,5 Jahren hast du einen Berufsabschluss
  • Gute Übernahmechancen: Viele Betriebe übernehmen ihre Azubis
  • Aufstiegsmöglichkeiten: Meister, Techniker, Fachwirt – mit Weiterbildung ist alles möglich
  • Fachkräftemangel: Besonders im Handwerk und in der Pflege sind Fachkräfte stark gefragt
  • Kein Schulstress: Wenn du genug vom Lernen in der Schule hast, bietet die Ausbildung Abwechslung

Was spricht gegen eine Ausbildung?

  • Geringeres Einstiegsgehalt: Im Vergleich zu Akademikern verdienst du am Anfang weniger (gleicht sich aber oft aus)
  • Weniger Flexibilität: Ein Ausbildungsberuf ist spezialisierter als ein Studium
  • Gesellschaftliches Stigma: Leider wird eine Ausbildung von manchen als zweitklassig angesehen – zu Unrecht!

Das Studium

Was spricht für ein Studium?

  • Breitere Qualifikation: Ein Studium vermittelt umfassendes Wissen und analytisches Denken
  • Höheres Durchschnittsgehalt: Akademiker verdienen im Schnitt mehr – aber nicht in jedem Beruf
  • Karrieremöglichkeiten: Manche Positionen (z.B. Arzt, Anwalt, Ingenieur) erfordern ein Studium
  • Persönliche Entwicklung: Studium fördert selbstständiges Arbeiten und kritisches Denken
  • Studentenleben: Neue Menschen, neue Erfahrungen, oft mehr Freiheit

Was spricht gegen ein Studium?

  • Kein Verdienst: Während des Studiums verdienst du in der Regel kein Geld
  • Kosten: Lebenshaltungskosten, Studiengebühren, Materialkosten
  • Lange Dauer: Bachelor 3-4 Jahre, Master weitere 1-2 Jahre
  • Abbruchquote: Etwa 30% der Studierenden brechen ihr Studium ab
  • Praxisferne: Viele Studiengänge sind sehr theoretisch
  • Unsichere Berufsaussichten: Nicht jedes Studium führt automatisch zu einem guten Job

Der Vergleich in Zahlen

Verdienst über das Berufsleben

Viele Menschen glauben, dass Akademiker immer mehr verdienen. Die Realität ist differenzierter:

  • Ein Meister im Handwerk kann genauso viel oder mehr verdienen als ein Bachelor-Absolvent
  • Ein Fachinformatiker mit Berufserfahrung kann mehr verdienen als ein Geisteswissenschaftler
  • Wer mit 16 eine Ausbildung beginnt und sich weiterbildet, hat bis zum 30. Lebensjahr mehr verdient und investiert als ein Akademiker, der erst mit 25-27 ins Berufsleben einsteigt

Karrierechancen 2026

Der Arbeitsmarkt verändert sich. Besonders gefragt sind:

  • Fachkräfte im Handwerk: Extreme Nachfrage, gute Verdienstmöglichkeiten
  • IT-Fachkräfte: Ob Ausbildung oder Studium, IT-Profis werden überall gesucht
  • Pflegekräfte: Einer der sichersten Arbeitsmärkte überhaupt
  • MINT-Absolventen: Ingenieure, Naturwissenschaftler, Mathematiker
  • Erneuerbare Energien: Wachsende Branche mit Bedarf an Fachkräften und Akademikern

Der dritte Weg: Das duale Studium

Wer sich nicht entscheiden kann, für den gibt es das duale Studium – eine Kombination aus Ausbildung und Studium:

  • Du arbeitest in einem Unternehmen und studierst gleichzeitig an einer Hochschule
  • Du bekommst eine Vergütung (oft 800-1.500 Euro/Monat)
  • Am Ende hast du sowohl einen Berufsabschluss als auch einen Bachelor
  • Die Übernahmechancen sind sehr hoch

Allerdings ist das duale Studium sehr anspruchsvoll: Die Doppelbelastung von Arbeit und Studium erfordert viel Disziplin und Zeitmanagement.

Entscheidungshilfe: Welcher Weg passt zu mir?

Eine Ausbildung ist eher richtig für dich, wenn...

  • Du gerne praktisch arbeitest und schnell ins Berufsleben starten möchtest
  • Du genug von der Schule hast und lieber in der Praxis lernst
  • Du finanzielle Unabhängigkeit anstrebst
  • Du einen konkreten Berufswunsch hast, der über eine Ausbildung erreichbar ist
  • Du dich später immer noch weiterbilden oder studieren möchtest

Ein Studium ist eher richtig für dich, wenn...

  • Du gerne lernst, liest und dich mit komplexen Themen beschäftigst
  • Du einen Beruf anstrebst, der ein Studium erfordert (Arzt, Jurist, Lehrer)
  • Du dich nicht auf einen Beruf festlegen möchtest
  • Du die finanzielle Unterstützung hast oder bekommen kannst
  • Du die Selbstdisziplin für eigenständiges Lernen mitbringst

Häufige Irrtümer

  • Irrtum: Mit Ausbildung verdient man weniger. Realität: Handwerksmeister, IT-Fachkräfte und Industriemeister verdienen oft genauso gut wie Akademiker.
  • Irrtum: Ein Studium ist immer besser. Realität: 30% der Studierenden brechen ab, und nicht jeder Studienabschluss führt zu einem gut bezahlten Job.
  • Irrtum: Nach einer Ausbildung kann man nicht mehr studieren. Realität: Mit einem Meisterabschluss oder ausreichend Berufserfahrung kannst du auch ohne Abitur studieren.
  • Irrtum: Eine Ausbildung ist einfacher als ein Studium. Realität: Eine Ausbildung ist anders, nicht einfacher. Sie erfordert praktische Fähigkeiten, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, von der Pike auf zu lernen.

Fazit: Es gibt keinen falschen Weg

Ob Ausbildung oder Studium – beide Wege können zu einer erfüllenden und erfolgreichen Karriere führen. Das Wichtigste ist, dass du dich gut informierst, ehrlich mit dir selbst bist und eine Entscheidung triffst, die zu dir und deiner Lebenssituation passt.

Und vergiss nicht: Keine Entscheidung ist endgültig. Viele Menschen wechseln im Laufe ihres Lebens zwischen Ausbildung und Studium, bilden sich weiter und entwickeln sich beruflich weiter. Der erste Schritt ist der wichtigste – trau dich!

Häufige Fragen

Verdient man mit Studium wirklich immer mehr als mit Ausbildung?
Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. In vielen Branchen verdienen Fachkräfte mit Ausbildung und Weiterbildung genauso viel oder sogar mehr als Akademiker. Besonders im Handwerk, in der IT und in der Industrie gibt es sehr gute Verdienstmöglichkeiten.
Kann ich nach der Ausbildung noch studieren?
Ja! Mit einem Meisterabschluss, Techniker oder Fachwirt hast du die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Auch mit mehrjähriger Berufserfahrung kannst du in vielen Bundesländern ohne Abitur studieren.
Was ist, wenn ich mein Studium abbreche?
Ein Studienabbruch ist kein Weltuntergang. Viele ehemalige Studierende machen eine Ausbildung und starten erfolgreich ins Berufsleben. Manche Betriebe schätzen die akademische Vorbildung sogar und die Ausbildung kann verkürzt werden.
Ist ein duales Studium das Beste aus beiden Welten?
Es kombiniert viele Vorteile, ist aber sehr anspruchsvoll. Die Doppelbelastung von Arbeiten und Studieren sollte nicht unterschätzt werden. Wenn du belastbar und gut organisiert bist, ist es eine tolle Option.
Wie sehen die Zukunftsaussichten für Ausbildungsberufe aus?
Sehr gut! Der Fachkräftemangel betrifft besonders Ausbildungsberufe. In Handwerk, Pflege, IT und Industrie werden dringend Fachkräfte gesucht. Die Nachfrage wird in den nächsten Jahren weiter steigen.

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Stand: Januar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr