Nebenjob als Azubi – Geht das?
Das Ausbildungsgehalt reicht hinten und vorne nicht? Viele Azubis ueberlegen, ob sie neben der Ausbildung einen Nebenjob annehmen können, um ihr Einkommen aufzubessern. Grundsaetzlich ist das möglich – aber es gibt einige wichtige Regeln zu beachten.
In diesem Ratgeber erklären wir dir, unter welchen Bedingungen ein Nebenjob in der Ausbildung erlaubt ist, was du steuerlich beachten musst und wie du Ausbildung und Nebenjob unter einen Hut bekommst.
Rechtliche Grundlagen
Genehmigung des Ausbildungsbetriebs
Das Wichtigste vorweg: Du brauchst in der Regel die Genehmigung deines Ausbildungsbetriebs, bevor du einen Nebenjob annimmst. Viele Ausbildungsvertraege enthalten eine Klausel, die Nebentätigkeiten nur mit vorheriger Zustimmung des Arbeitgebers erlaubt.
Dein Betrieb darf die Genehmigung nur aus berechtigten Gründen verweigern, zum Beispiel wenn:
- Der Nebenjob bei einem direkten Konkurrenten wäre
- Die Gesamtarbeitszeit das Arbeitszeitgesetz überschreiten wuerde
- Die Ausbildung durch den Nebenjob beeintraechtigt werden könnte
- Du im Nebenjob die gleiche Tätigkeit wie in der Ausbildung ausüben wuerdest
Ohne triftigen Grund darf dein Betrieb einen Nebenjob aber nicht pauschal verbieten.
Arbeitszeitgesetz beachten
Für die Arbeitszeit zaehlt die Gesamtarbeitszeit aus Ausbildung und Nebenjob zusammen:
- Minderjaehrige: Maximal 8 Stunden pro Tag, 40 Stunden pro Woche (inkl. Berufsschule). Ein Nebenjob ist hier kaum möglich, da die Ausbildung bereits die Höchstarbeitszeit ausschoepft.
- Volljaehrige: Maximal 8 Stunden pro Tag, 48 Stunden pro Woche. Da die Ausbildung meist 40 Stunden umfasst, bleiben maximal 8 Stunden pro Woche für einen Nebenjob.
- Ruhezeiten: Zwischen zwei Arbeitseinsaetzen müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen.
Konkurrenzverbot
Du darfst keinen Nebenjob bei einem direkten Konkurrenten deines Ausbildungsbetriebs annehmen. Das gilt auch für Tätigkeiten, die deinem Ausbildungsberuf direkt entsprechen. Dieses Konkurrenzverbot ergibt sich aus der Treuepflicht gegenüber deinem Ausbilder.
Welche Nebenjobs eignen sich?
Für Azubis bieten sich besonders Nebenjobs an, die flexibel und zeitlich begrenzt sind:
- Minijob (538 Euro/Monat): Die beliebteste Option. Steuerfrei und sozialversicherungsfrei (bis auf Rentenversicherung, von der du dich befreien lassen kannst).
- Aushilfe in Gastronomie/Einzelhandel: Flexible Arbeitszeiten, oft am Wochenende oder abends
- Nachhilfe geben: Ideal, wenn du in bestimmten Faechern fit bist
- Hundesitting/Babysitting: Flexible Zeiteinteilung
- Online-Jobs: Texterstellung, Umfragen, Social-Media-Management – von zu Hause aus
- Lieferdienst: Fahrradkurier oder Lieferdienst, flexibel planbar
Steuerliche Aspekte
Minijob (bis 538 Euro/Monat)
Der Minijob ist die steuerlich einfachste Lösung:
- Du zahlst keine Einkommensteuer
- Du zahlst keine Sozialversicherungsbeitraege (Ausnahme: Rentenversicherung, Befreiung möglich)
- Dein Arbeitgeber zahlt pauschale Abgaben
- Der Minijob hat keinen Einfluss auf deine Ausbildungsvergütung oder BAB
Midi-Job (538,01 – 2.000 Euro/Monat)
Verdienst du mehr als 538 Euro, fallen reduzierte Sozialversicherungsbeitraege an. Ausserdem musst du den Verdienst versteuern.
Einfluss auf BAB und andere Leistungen
Achtung: Wenn du Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), Wohngeld oder andere Sozialleistungen beziehst, kann ein Nebenjob deine Ansprueche reduzieren oder zum Verlust führen. Informiere dich vorher bei der zuständigen Stelle!
- BAB: Nebenverdienst wird auf die BAB angerechnet (Freibetraege beachten!)
- Kindergeld: Kein Einfluss, solange du in der Erstausbildung bist
- Wohngeld: Zusätzliches Einkommen kann die Hoehe beeinflussen
Ausbildung und Nebenjob vereinbaren
Zeitmanagement
Die groesste Herausforderung ist das Zeitmanagement. Bedenke:
- Ausbildung (ca. 40 Stunden/Woche)
- Berufsschule und Lernen
- Berichtsheft führen
- Prüfungsvorbereitung
- Nebenjob
- Freizeit und Erholung
Ueberlege ehrlich, ob du die zusätzliche Belastung stemmen kannst, ohne dass deine Ausbildungsleistung oder Gesundheit leidet.
Prioritaeten setzen
Deine Ausbildung hat immer Vorrang! Der Nebenjob darf niemals dazu führen, dass:
- Du im Betrieb muede und unkonzentriert bist
- Deine Berufsschulnoten sinken
- Du keine Zeit mehr zum Lernen hast
- Deine Gesundheit leidet
Wenn der Nebenjob zu einer Belastung wird, reduziere die Stunden oder hoere ganz auf. Dein Ausbildungsabschluss ist langfristig mehr wert als das kurzfristige Zusatzeinkommen.
Alternativen zum Nebenjob
Bevor du einen Nebenjob annimmst, prüfe ob andere Optionen deine finanzielle Situation verbessern können:
- BAB beantragen: Viele Azubis wissen nicht, dass sie Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe haben.
- Wohngeld beantragen: Wenn BAB nicht infrage kommt.
- Kindergeld: Wird deinen Eltern gezahlt – bitte sie, es weiterzuleiten.
- Ausgaben reduzieren: Manchmal ist Sparen effektiver als mehr zu verdienen.
- Steuererklärungueführung machen: Als Azubi bekommst du oft Geld zurück.
Fazit: Nebenjob mit Bedacht
Ein Nebenjob in der Ausbildung ist grundsaetzlich möglich und kann die Finanzen aufbessern. Achte aber darauf, dass dein Betrieb zustimmt, das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird und vor allem: dass deine Ausbildung nicht darunter leidet. Ein Minijob bis 538 Euro ist steuerlich die einfachste Lösung. Prüfe aber zuerst, ob staatliche Förderungen wie BAB oder Wohngeld deine finanzielle Situation nicht ebenso verbessern können – ganz ohne Zusatzarbeit.