Berufsschule & Prüfungen20. Dezember 2025

Prüfungsangst überwinden – Strategien für Azubis

Prüfungsangst in der Ausbildung überwinden: Ursachen verstehen, Entspannungstechniken lernen, mentale Vorbereitung und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis zu 40% aller Azubis leiden unter Prüfungsangst – du bist nicht allein
  • Häufige Ursachen: Versagensangst, schlechte Erfahrungen, Perfektionismus, mangelnde Vorbereitung
  • Gute Vorbereitung ist die wichtigste Grundlage gegen Prüfungsangst
  • Atemübungen und Progressive Muskelentspannung helfen bei akuter Angst
  • Prüfungssimulationen unter realen Bedingungen reduzieren die Angst durch Gewöhnung
  • Bei schwerer Prüfungsangst gibt es professionelle Hilfsangebote und Nachteilsausgleich

Prüfungsangst – Mehr als nur Nervosität

Ein bisschen Aufregung vor einer Prüfung ist völlig normal und kann sogar leistungssteigernd wirken. Doch wenn die Angst so stark wird, dass sie dich lähmt, Blackouts verursacht oder deinen Schlaf raubt, spricht man von Prüfungsangst. Schätzungen zufolge leiden bis zu 40% aller Azubis und Studierenden unter ernsthafter Prüfungsangst – du bist also nicht allein.

Die gute Nachricht: Prüfungsangst ist kein unveränderliches Schicksal. Mit den richtigen Strategien und Techniken kannst du lernen, deine Angst zu kontrollieren und dein volles Potenzial in Prüfungssituationen abzurufen.

Ursachen von Prüfungsangst

Um Prüfungsangst wirksam zu bekämpfen, ist es hilfreich, ihre Ursachen zu verstehen:

Angst vor dem Versagen

Die häufigste Ursache ist die Angst, nicht gut genug zu sein. Azubis machen sich Sorgen, die Prüfung nicht zu bestehen, die Ausbildung zu verlieren oder vor anderen schlecht dazustehen. Oft spielen auch äußerer Druck von Eltern oder Ausbildern eine Rolle.

Schlechte Erfahrungen

Wer in der Vergangenheit schlechte Prüfungserfahrungen gemacht hat – sei es in der Schule oder bei der Zwischenprüfung –, entwickelt leicht eine negative Erwartungshaltung. Das Gehirn verbindet Prüfungssituationen mit Stress und Misserfolg.

Perfektionismus

Manche Azubis setzen sich selbst unter enormen Druck, alles perfekt machen zu müssen. Diese unrealistisch hohen Erwartungen führen fast zwangsläufig zu Versagensangst.

Mangelnde Vorbereitung

Manchmal hat Prüfungsangst einen ganz rationalen Kern: Wer sich nicht ausreichend vorbereitet hat, hat allen Grund, nervos zu sein. In diesem Fall ist die Lösung klar – bessere Vorbereitung.

Körperliche Symptome erkennen

Prüfungsangst äußert sich nicht nur mental, sondern auch körperlich:

  • Herzklopfen und schneller Puls
  • Schweißausbüche und feuchte Hände
  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall)
  • Schlafstörungen in den Nächten vor der Prüfung
  • Muskelverspannungen (Nacken, Schultern, Kiefer)
  • Konzentrationsprobleme und Blackouts
  • Zittern der Hände

All diese Symptome sind die Stressreaktion deines Körpers – der sogenannte Fight-or-Flight-Modus. Dein Körper bereitet sich auf eine vermeintliche Gefahr vor, obwohl keine reale Bedrohung vorliegt.

Strategien gegen Prüfungsangst

1. Gute Vorbereitung als Grundlage

Die beste Strategie gegen Prüfungsangst ist eine solide Vorbereitung. Wenn du weißt, dass du den Stoff beherrschst, nimmst du der Angst den Nährboden. Erstelle einen realistischen Lernplan und arbeite ihn konsequent ab. Das gibt dir Sicherheit und Kontrolle.

2. Progressive Muskelentspannung

Bei dieser Technik spannst du gezielt einzelne Muskelgruppen an und löst die Spannung dann wieder. Das hilft, körperliche Anspannung abzubauen:

  • Beginne mit den Füßen: Zehen für 5 Sekunden fest zusammenkrallen, dann 10 Sekunden entspannen.
  • Arbeite dich hoch über Waden, Oberschenkel, Bauch, Hände, Arme bis zum Gesicht.
  • Übe diese Technik täglich – am Prüfungstag kannst du sie dann schnell und unauffällig anwenden.

3. Atemübungen

Kontrolliertes Atmen ist eine der schnellsten Möglichkeiten, den Stresspegel zu senken:

  • 4-7-8-Technik: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden Luft anhalten, 8 Sekunden ausatmen. 3-4 Durchgänge.
  • Bauchatmung: Lege eine Hand auf den Bauch und atme so, dass sich der Bauch hebt (nicht die Brust). Das aktiviert den Parasympathikus und beruhigt.

4. Positive Selbstgespräche

Ersetze negative Gedanken durch positive, realistische Aussagen:

  • Statt: „Ich schaffe das nie“ → „Ich habe mich gut vorbereitet und werde mein Bestes geben“
  • Statt: „Alle anderen sind besser“ → „Ich konzentriere mich auf meine eigene Leistung“
  • Statt: „Wenn ich durchfalle, ist alles vorbei“ → „Selbst bei einem schlechten Ergebnis gibt es Lösungen“

5. Visualisierung

Stelle dir vor, wie du die Prüfung erfolgreich absolvierst. Visualisiere den gesamten Ablauf: Du betrittst ruhig den Prüfungsraum, liest die Aufgaben durch, arbeitest konzentriert und gibst am Ende zufrieden deine Arbeit ab. Diese mentale Probe programmiert dein Gehirn auf Erfolg.

6. Prüfungssimulation

Löse alte Prüfungen unter möglichst realen Bedingungen: Mit Zeitlimit, ohne Hilfsmittel, an einem ruhigen Ort. Je öfter du Prüfungssituationen simulierst, desto vertrauter wird die Situation und desto weniger Angst löst sie aus.

7. Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung ist einer der effektivsten Stressabbauer. Laufen, Schwimmen, Radfahren oder auch ein Spaziergang helfen, Stresshormone abzubauen und den Kopf frei zu bekommen. Besonders am Tag vor der Prüfung kann moderate Bewegung Wunder wirken.

Soforthilfe bei Blackout

Falls du während der Prüfung einen Blackout erlebst, versuche folgendes:

  • Durchatmen: Schließe kurz die Augen und atme drei Mal tief ein und aus.
  • Körperliche Ablenkung: Drücke deine Füße fest auf den Boden oder presse deine Fingerspitzen zusammen.
  • Aufgabe wechseln: Springe zu einer anderen Aufgabe, die du beantworten kannst. Der Erfolg löst oft den Knoten.
  • Notizen machen: Schreibe alles auf, was dir zum Thema einfällt – auch Stichworte. Das kann die Erinnerung anschieben.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Wenn deine Prüfungsangst so stark ist, dass sie deinen Alltag massiv beeinträchtigt, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen:

  • Ausbildungsberatung: Die IHK und HWK bieten kostenlose Beratung für Azubis an.
  • Psychologische Beratung: Viele Städte haben kostenlose Beratungsstellen für junge Menschen.
  • Therapeutische Hilfe: Bei schwerer Prüfungsangst kann eine Verhaltenstherapie helfen. Die Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse.
  • Nachteilsausgleich: Bei nachgewiesener Prüfungsangst (mit ärztlichem Attest) kannst du einen Nachteilsausgleich beantragen, z.B. mehr Bearbeitungszeit oder einen separaten Prüfungsraum.

Fazit: Prüfungsangst ist besiegbar

Prüfungsangst ist weit verbreitet und absolut kein Zeichen von Schwäche. Mit den richtigen Techniken – guter Vorbereitung, Entspannungsübungen, positiven Selbstgesprächen und Prüfungssimulationen – kannst du lernen, deine Angst in den Griff zu bekommen. Denke daran: Ein gewisses Maß an Aufregung ist normal und kann dich sogar zu Bestleistungen antreiben. Und selbst wenn es mal nicht perfekt läuft – jede Prüfung kann wiederholt werden. Du bist mehr als eine Note.

Häufige Fragen

Ist Prüfungsangst eine Krankheit?
Prüfungsangst ist keine eigenständige Krankheit, kann aber Symptom einer Angststörung sein. Leichte Prüfungsangst ist völlig normal. Wenn die Angst jedoch so stark ist, dass sie deinen Alltag massiv beeinträchtigt, solltest du ärztliche oder therapeutische Hilfe suchen.
Was hilft bei einem Blackout in der Prüfung?
Atme tief durch, drücke deine Füße fest auf den Boden und wechsle zu einer anderen Aufgabe. Schreibe Stichworte auf, die dir einfallen. Oft löst sich der Blackout nach wenigen Minuten von selbst, wenn du den Druck herausnimmst.
Kann ich wegen Prüfungsangst mehr Zeit bei der Prüfung bekommen?
Ja, bei nachgewiesener Prüfungsangst (mit ärztlichem oder psychologischem Attest) kannst du bei deiner Kammer einen Nachteilsausgleich beantragen. Mögliche Maßnahmen sind Zeitverlängerung, ein separater Prüfungsraum oder häufigere Pausen.
Helfen Beruhigungsmittel gegen Prüfungsangst?
Von Beruhigungsmitteln ohne ärztliche Verordnung ist dringend abzuraten. Sie können die Konzentration beeinträchtigen und machen teilweise abhängig. Natürliche Alternativen wie Baldrian oder Lavendeltee sind unbedenklich, aber in ihrer Wirkung begrenzt. Langfristig helfen Entspannungstechniken und professionelle Begleitung.

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Stand: Dezember 2025 · Alle Angaben ohne Gewähr