Ausbildung allgemein15. Dezember 2025

Ausbildung abbrechen – Gründe, Alternativen & nächste Schritte

Du überlegst, deine Ausbildung abzubrechen? Hier findest du Gründe, Konsequenzen, Alternativen und konkrete Tipps für deinen Neustart.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 25-30% aller Azubis brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab – du bist nicht allein
  • Bevor du abbrichst, prüfe Alternativen wie Betriebswechsel, Beratung oder Unterstützungsangebote
  • Ein Abbruch hat finanzielle Konsequenzen – melde dich sofort bei der Agentur für Arbeit
  • Ein Ausbildungsabbruch ist kein Makel, wenn du ihn gut begründen kannst
  • Nutze Berufsberatung und Plattformen wie Ausbildungsgenie für den Neustart

Ausbildung abbrechen – kein seltenes Phänomen

Jedes Jahr brechen in Deutschland rund 25 bis 30 Prozent aller Azubis ihre Ausbildung vorzeitig ab. Du bist also nicht allein, wenn du mit dem Gedanken spielst, deine Ausbildung zu beenden. Wichtig ist, dass du nicht überstürzt handelst, sondern dir Zeit nimmst, die Situation zu analysieren und die richtigen Schritte einzuleiten.

Ein Ausbildungsabbruch ist kein Scheitern – er kann der erste Schritt zu einer besseren beruflichen Zukunft sein. Aber er sollte gut überlegt sein, denn er bringt auch Konsequenzen mit sich.

Häufige Gründe für den Ausbildungsabbruch

Die Gründe, warum Azubis ihre Ausbildung abbrechen, sind vielfältig. Hier sind die häufigsten:

Falscher Beruf

Viele Jugendliche stellen während der Ausbildung fest, dass der gewählte Beruf nicht ihren Vorstellungen oder Fähigkeiten entspricht. Das ist einer der häufigsten Abbruchgründe. Manchmal hat man sich den Beruf anders vorgestellt, manchmal entwickeln sich die Interessen in eine andere Richtung.

Probleme im Betrieb

Konflikte mit dem Ausbilder, schlechtes Arbeitsklima, Mobbing oder mangelnde Ausbildungsqualität sind ebenfalls häufige Gründe. Wenn der Betrieb seine Ausbildungspflicht nicht ernst nimmt und du hauptsächlich Hilfsarbeiten erledigst, ist das ein ernstes Problem.

Persönliche Gründe

Gesundheitliche Probleme, familiäre Schwierigkeiten, finanzielle Nöte oder ein Umzug können dazu führen, dass die Ausbildung nicht mehr zu bewältigen ist.

Überforderung oder Unterforderung

Manche Azubis fühlen sich von den Anforderungen überfordert – sei es in der Berufsschule oder im Betrieb. Umgekehrt kann auch Unterforderung demotivierend wirken und zum Abbruch führen.

Schlechte Vergütung

Wenn die Ausbildungsvergütung nicht zum Leben reicht und der Betrieb keine angemessene Bezahlung bietet, kann das ein Grund sein, sich nach Alternativen umzusehen.

Bevor du abbrichst: Alternativen prüfen

Bevor du deine Ausbildung endgültig abbrichst, solltest du alle Alternativen in Betracht ziehen:

1. Gespräch mit dem Ausbilder

Suche das offene Gespräch mit deinem Ausbilder oder der Personalabteilung. Oft lassen sich Probleme lösen, wenn sie angesprochen werden. Vielleicht kann der Ausbildungsplan angepasst, der Einsatzbereich gewechselt oder ein Konflikt geklärt werden.

2. Ausbildungsberatung nutzen

Die zuständige Kammer (IHK oder HWK) bietet kostenlose Ausbildungsberatung an. Die Berater kennen sich aus und können bei Konflikten vermitteln. Auch die Agentur für Arbeit bietet Beratung an.

3. Betrieb wechseln statt abbrechen

Wenn der Beruf der richtige ist, aber der Betrieb das Problem darstellt, kannst du den Betrieb wechseln, ohne die Ausbildung komplett abzubrechen. Die bereits absolvierte Ausbildungszeit kann angerechnet werden.

4. Beruf wechseln

Wenn der Beruf nicht passt, ist ein Wechsel in einen anderen Ausbildungsberuf möglich. Auch hier können unter Umständen Ausbildungszeiten angerechnet werden, besonders wenn die Berufe verwandt sind.

5. Unterstützung suchen

Es gibt zahlreiche Hilfsangebote für Azubis in der Krise:

  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH): Nachhilfe und sozialpädagogische Begleitung, finanziert von der Agentur für Arbeit
  • Assistierte Ausbildung (AsA): Intensive Unterstützung für Azubis mit besonderem Förderbedarf
  • VerA-Initiative: Ehrenamtliche Mentoren begleiten Azubis in Krisensituationen

Konsequenzen eines Ausbildungsabbruchs

Ein Abbruch hat verschiedene Konsequenzen, die du kennen solltest:

Finanzen

  • Die Ausbildungsvergütung entfällt sofort
  • BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) wird eingestellt
  • Das Kindergeld läuft weiter, solange du unter 25 bist und dich zeitnah für eine neue Ausbildung, ein Studium oder eine Arbeit entscheidest
  • Bei Eigenkündigung droht eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld

Sozialversicherung

Mit Ende der Ausbildung endet auch deine Sozialversicherung über den Betrieb. Du musst dich um eine Krankenversicherung kümmern – entweder über die Familienversicherung (unter 25) oder eine eigene Versicherung.

Bewerbungen

Ein Ausbildungsabbruch im Lebenslauf ist kein Makel, wenn du ihn gut begründen kannst. Wichtig ist, dass du zeigst, dass du aus der Erfahrung gelernt hast und eine klare Vorstellung von deinem weiteren Weg hast.

Nächste Schritte nach dem Abbruch

1. Sofort bei der Agentur für Arbeit melden

Melde dich innerhalb von 3 Tagen nach Kenntnis des Endes persönlich bei der Agentur für Arbeit. So vermeidest du Lücken beim Arbeitslosengeld und bekommst Unterstützung bei der Suche nach einer Alternative.

2. Berufsberatung in Anspruch nehmen

Nutze die kostenlose Berufsberatung der Agentur für Arbeit, um herauszufinden, welcher Beruf besser zu dir passt. Es gibt auch Eignungstests und Praktikumsmöglichkeiten.

3. Neue Ausbildung suchen

Beginne sofort mit der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz. Plattformen wie Ausbildungsgenie helfen dir dabei, den passenden Beruf und Betrieb zu finden. Viele Betriebe nehmen auch unterjährig Azubis auf.

4. Alternativen zur Ausbildung

Neben einer neuen Ausbildung gibt es weitere Möglichkeiten:

  • Studium: Wenn du die Voraussetzungen erfüllst
  • Freiwilligendienst: FSJ, FÖJ oder BFD als Orientierungsphase
  • Praktikum: Um einen anderen Beruf kennenzulernen
  • Einstiegsqualifizierung (EQ): Ein bezahltes Langzeitpraktikum als Brücke in die Ausbildung
  • Berufsvorbereitung (BvB): Maßnahme der Agentur für Arbeit zur Berufsorientierung

Tipps für den Neustart

  • Sei ehrlich mit dir selbst: Analysiere, warum die Ausbildung nicht geklappt hat, und lerne daraus
  • Probiere Berufe aus: Nutze Praktika und Schnuppertage, bevor du dich festlegst
  • Hol dir Unterstützung: Du musst das nicht allein durchstehen
  • Bleib aktiv: Vermeide eine lange Phase ohne Beschäftigung
  • Gib nicht auf: Viele erfolgreiche Menschen haben Umwege genommen

Statistiken zum Ausbildungsabbruch

Die Zahlen zum Ausbildungsabbruch in Deutschland sind bemerkenswert: Im Jahr 2024 lag die Vertragslösungsquote bei etwa 26,7 %. Das bedeutet, dass mehr als jeder vierte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst wird. Allerdings ist "Vertragslösung" nicht gleichbedeutend mit "Abbruch" – viele der betroffenen Azubis beginnen eine neue Ausbildung in einem anderen Beruf oder Betrieb.

Die Abbruchquoten unterscheiden sich stark nach Branchen. Besonders hoch sind sie in:

  • Gastronomie und Hotellerie: ca. 40-50 %
  • Friseurhandwerk: ca. 40 %
  • Gebäudereinigung: ca. 45 %

Deutlich niedriger sind die Quoten in:

  • Öffentlicher Dienst: ca. 6-8 %
  • Banken und Versicherungen: ca. 8-10 %
  • Chemie und Pharma: ca. 10-12 %

Diese Unterschiede zeigen, dass die Arbeitsbedingungen und die Ausbildungsqualität eine entscheidende Rolle bei der Frage spielen, ob Azubis ihre Ausbildung abschließen oder nicht. Betriebe mit guter Betreuung, fairer Vergütung und angenehmer Arbeitsatmosphäre haben deutlich weniger Abbrecher.

Denke immer daran: Ein Ausbildungsabbruch ist kein Scheitern. In Deutschland gibt es über 300 anerkannte Ausbildungsberufe – die Chancen stehen gut, dass unter ihnen der richtige für dich dabei ist. Nutze die Erfahrung aus der abgebrochenen Ausbildung als Lernchance und gehe den nächsten Schritt mit mehr Klarheit und Selbstbewusstsein.

Fazit

Eine Ausbildung abzubrechen ist eine schwierige Entscheidung, die gut durchdacht sein will. Prüfe zuerst alle Alternativen und hol dir Beratung. Wenn der Abbruch der richtige Schritt ist, dann gehe ihn mit einem klaren Plan für die Zukunft. Denke daran: Ein Abbruch ist kein Ende, sondern kann der Anfang von etwas Besserem sein. Wichtig ist, dass du schnell aktiv wirst und aus der Erfahrung lernst.

Häufige Fragen

Ist ein Ausbildungsabbruch schlimm für meinen Lebenslauf?
Nein, ein einzelner Abbruch ist kein Makel. Wichtig ist, dass du den Abbruch im Bewerbungsgespräch ehrlich und reflektiert erklären kannst. Zeige, was du daraus gelernt hast und warum du jetzt den richtigen Weg einschlägst.
Bekomme ich nach dem Abbruch Arbeitslosengeld?
Das hängt davon ab, ob du selbst gekündigt hast oder gekündigt wurdest. Bei Eigenkündigung droht eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen. Melde dich in jedem Fall sofort bei der Agentur für Arbeit, um deine Ansprüche zu klären.
Kann ich nach einem Abbruch eine neue Ausbildung beginnen?
Ja, absolut. Viele Betriebe nehmen auch Bewerber mit abgebrochener Ausbildung. Unter Umständen können bereits absolvierte Ausbildungszeiten auf die neue Ausbildung angerechnet werden.
Wer kann mich bei einem drohenden Abbruch beraten?
Die Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer (IHK/HWK), die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, Berufsschullehrer, Gewerkschaften und Initiativen wie VerA bieten kostenlose Beratung und Unterstützung an.

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Stand: Dezember 2025 · Alle Angaben ohne Gewähr