Warum eine Ausbildung wechseln?
Es gibt viele gute Gründe, eine Ausbildung zu wechseln. Vielleicht hast du festgestellt, dass der Beruf nicht zu dir passt, oder du hast Probleme im Betrieb, die sich nicht lösen lassen. Ein Wechsel ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil: Er zeigt, dass du aktiv an deiner Zukunft arbeitest und den Mut hast, eine Veränderung vorzunehmen.
Grundsätzlich gibt es zwei Arten des Wechsels:
- Betriebswechsel: Du bleibst im selben Ausbildungsberuf, wechselst aber den Betrieb
- Berufswechsel: Du wechselst in einen komplett anderen Ausbildungsberuf
Wann ist ein Wechsel sinnvoll?
Probleme im Betrieb
Wenn die Ausbildungsqualität mangelhaft ist, du gemobbt wirst oder der Ausbilder seinen Pflichten nicht nachkommt, kann ein Betriebswechsel die Lösung sein. Wichtig: Versuche zuerst, die Probleme intern zu lösen – Gespräch mit dem Ausbilder, Einschaltung der Ausbildungsberatung der Kammer.
Falscher Beruf
Wenn du merkst, dass der Beruf grundsätzlich nicht zu dir passt, ist ein Berufswechsel sinnvoller als ein Betriebswechsel. Nutze Beratungsangebote, um herauszufinden, welcher Beruf besser zu deinen Stärken und Interessen passt.
Persönliche Veränderungen
Manchmal ändern sich die Lebensumstände – ein Umzug, gesundheitliche Gründe oder neue Erkenntnisse über die eigenen Stärken können einen Wechsel sinnvoll machen.
So gehst du beim Wechsel vor
Schritt 1: Beratung holen
Bevor du kündigst, hole dir professionelle Beratung:
- Ausbildungsberatung der IHK/HWK: Kostenlos und vertraulich. Die Berater können einschätzen, ob ein Wechsel sinnvoll ist, und bei der Suche nach einem neuen Betrieb helfen
- Berufsberatung der Agentur für Arbeit: Hilft bei der Berufsorientierung und kann Ausbildungsplätze vermitteln
- Berufsschullehrer: Können als Ansprechpartner und Vermittler dienen
Schritt 2: Neuen Ausbildungsplatz suchen
Suche zuerst einen neuen Ausbildungsplatz, bevor du den alten kündigst. So vermeidest du eine Lücke im Lebenslauf und finanzielle Engpässe. Nutze dafür:
- Online-Plattformen wie Ausbildungsgenie
- Die Jobbörse der Agentur für Arbeit
- Die Lehrstellenbörsen der IHK und HWK
- Direkte Bewerbungen bei Betrieben
Schritt 3: Kündigung richtig vorbereiten
Wenn du einen neuen Platz hast, kannst du kündigen:
- Während der Probezeit: Jederzeit, ohne Frist und ohne Grund
- Nach der Probezeit: Mit 4 Wochen Frist, wenn du den Beruf wechseln willst (§ 22 Abs. 2 BBiG)
- Aufhebungsvertrag: Einvernehmliche Beendigung mit flexiblem Enddatum
Tipp: Stimme den Wechseltermin mit dem neuen Betrieb ab, damit ein nahtloser Übergang möglich ist.
Schritt 4: Formalitäten erledigen
Beim Wechsel gibt es einige Formalitäten:
- Zeugnis anfordern: Lass dir ein Ausbildungszeugnis oder eine Bescheinigung über die bisherige Ausbildungszeit ausstellen
- Berichtsheft mitnehmen: Dein Berichtsheft gehört dir und kann im neuen Betrieb weitergeführt werden
- Neuen Vertrag prüfen: Lies den neuen Ausbildungsvertrag sorgfältig durch
- Kammer informieren: Die Eintragung des alten Vertrags muss gelöscht und der neue eingetragen werden
Anrechnung der bisherigen Ausbildungszeit
Ob und wie viel deiner bisherigen Ausbildungszeit auf die neue Ausbildung angerechnet wird, hängt von mehreren Faktoren ab:
Betriebswechsel im selben Beruf
Bei einem reinen Betriebswechsel wird die bisherige Ausbildungszeit vollständig angerechnet. Du setzt die Ausbildung quasi nahtlos im neuen Betrieb fort. Die Ausbildungsdauer verlängert sich nicht.
Wechsel in einen verwandten Beruf
Wenn du in einen verwandten Ausbildungsberuf wechselst, kann die bisherige Ausbildungszeit ganz oder teilweise angerechnet werden. Beispiel: Ein Wechsel von "Kaufmann für Büromanagement" zu "Industriekaufmann" ermöglicht oft eine Anrechnung, da viele Inhalte übereinstimmen. Die Entscheidung trifft die zuständige Kammer.
Wechsel in einen komplett anderen Beruf
Bei einem Wechsel in einen völlig anderen Beruf ist eine Anrechnung in der Regel nicht möglich. Du beginnst die neue Ausbildung von vorn. In manchen Fällen können aber gemeinsame Grundqualifikationen berücksichtigt werden.
Antrag auf Anrechnung
Die Anrechnung erfolgt nicht automatisch. Du musst einen Antrag bei der zuständigen Kammer (IHK oder HWK) stellen. Lege dazu vor:
- Ausbildungsvertrag und -zeugnis der bisherigen Ausbildung
- Berichtsheft
- Berufsschulzeugnisse
- Neuen Ausbildungsvertrag
Tipps für einen erfolgreichen Wechsel
- Nicht überstürzen: Nimm dir Zeit für die Entscheidung und suche zuerst einen neuen Platz
- Positiv kommunizieren: Im Vorstellungsgespräch beim neuen Betrieb solltest du den Wechsel positiv und zukunftsorientiert begründen
- Aus Fehlern lernen: Überlege, was beim letzten Mal nicht geklappt hat, und achte beim neuen Betrieb darauf
- Probearbeiten: Frage beim neuen Betrieb nach einem Probetag, um sicherzugehen, dass es passt
- Netzwerk nutzen: Sprich mit Familie, Freunden und Lehrern – oft ergeben sich daraus Kontakte zu Betrieben
- Schnell handeln: Je länger du wartest, desto schwieriger wird es, einen neuen Platz zu finden
Rechtliche Aspekte beim Wechsel
Beachte beim Wechsel folgende rechtliche Punkte:
- Wettbewerbsverbot: In manchen Ausbildungsverträgen gibt es Wettbewerbsklauseln. Diese sind bei Ausbildungsverhältnissen allerdings in der Regel unwirksam
- Schadensersatz: Wenn du ordentlich kündigst oder die Probezeit nutzt, drohen keine Schadensersatzforderungen
- Arbeitslosengeld: Bei einem nahtlosen Wechsel gibt es keine Sperrzeit
- Kindergeld: Der Anspruch auf Kindergeld bleibt bestehen, solange du unter 25 bist und eine neue Ausbildung aufnimmst
Erfahrungsberichte: So haben es andere geschafft
Viele Azubis haben erfolgreich die Ausbildung gewechselt und berichten von positiven Erfahrungen. Hier einige typische Szenarien:
Betriebswechsel wegen mangelnder Ausbildungsqualität
Tim (19) machte eine Ausbildung zum Elektroniker, war aber im Betrieb nur als "Handlanger" eingesetzt. Über die Ausbildungsberatung der HWK fand er einen neuen Betrieb, der seine bisherige Ausbildungszeit vollständig anrechnete. "Im neuen Betrieb habe ich sofort gemerkt: Hier wird richtig ausgebildet. Ich bereue den Wechsel keine Sekunde", erzählt er.
Berufswechsel aus Überzeugung
Sarah (20) begann eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement, merkte aber nach einem Jahr, dass sie lieber etwas Kreatives machen wollte. Sie wechselte zur Mediengestalterin – und obwohl sie wieder im ersten Lehrjahr anfing, war sie glücklicher und motivierter als je zuvor. Die Erfahrungen aus der ersten Ausbildung halfen ihr bei den kaufmännischen Aspekten ihres neuen Berufs.
Die Angst vor dem Wechsel überwinden
Die größte Hürde beim Ausbildungswechsel ist oft die Angst vor Veränderung. Viele Azubis befürchten, als Versager dazustehen oder keinen neuen Platz zu finden. Die Realität zeigt: Die meisten Betriebe sehen einen Wechsel positiv, wenn er gut begründet ist. Zeige im Vorstellungsgespräch, dass du den Wechsel bewusst und reflektiert angehst – das beeindruckt Ausbilder.
Entscheidend ist auch das Timing. Idealerweise wechselst du zum regulären Ausbildungsstart im August oder September, da dann die meisten Plätze verfügbar sind. Aber auch unterjährig nehmen viele Betriebe noch Azubis auf – besonders in Branchen mit Fachkräftemangel.
Fazit
Ein Ausbildungswechsel ist besser als ein Abbruch ohne Plan. Wenn der Beruf oder der Betrieb nicht passt, ist es klüger, frühzeitig zu reagieren und die Weichen neu zu stellen. Nutze die vielfältigen Beratungsangebote, suche zuerst einen neuen Platz und gehe den Wechsel strukturiert an. So gelingt dir der Neustart in eine Ausbildung, die wirklich zu dir passt.