Was ist ein duales Studium?
Das duale Studium verbindet ein Hochschulstudium mit einer praktischen Ausbildung in einem Unternehmen. Du wechselst regelmäßig zwischen Vorlesungen an der Hochschule und Arbeitsphasen im Betrieb. Am Ende hast du sowohl einen akademischen Abschluss (meist Bachelor) als auch umfangreiche Praxiserfahrung – und oft sogar einen Berufsabschluss.
Das duale Studium wird immer beliebter: Die Zahl der dual Studierenden hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Kein Wunder, denn es kombiniert die Vorteile von Ausbildung und Studium auf einzigartige Weise.
Die verschiedenen Modelle
Ausbildungsintegrierendes duales Studium
Das beliebteste Modell: Du absolvierst gleichzeitig ein Studium und eine anerkannte Berufsausbildung. Am Ende hast du einen Bachelor-Abschluss und einen anerkannten Berufsabschluss (IHK/HWK). Dieses Modell dauert in der Regel 3 bis 4,5 Jahre und ist besonders intensiv, weil du zwei Abschlüsse gleichzeitig machst.
Praxisintegrierendes duales Studium
Bei diesem Modell arbeitest du im Unternehmen mit, ohne eine formale Berufsausbildung zu absolvieren. Die Praxisphasen sind fest in den Studienplan integriert, aber du machst keinen separaten Berufsabschluss. Am Ende hast du einen Bachelor-Abschluss und umfangreiche Praxiserfahrung.
Berufsintegrierendes duales Studium
Dieses Modell richtet sich an Menschen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und sich neben dem Beruf weiterbilden möchten. Es ähnelt einem berufsbegleitenden Studium, hat aber eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis.
Ablauf des dualen Studiums
Zeitmodelle
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Theorie- und Praxisphasen organisiert werden:
- Blockmodell: Du verbringst mehrere Wochen oder Monate am Stück an der Hochschule und wechselst dann in den Betrieb (z.B. 3 Monate Theorie, 3 Monate Praxis)
- Wochenmodell: Du bist einige Tage pro Woche an der Hochschule und den Rest im Betrieb
- Rotationsmodell: Wöchentlicher oder zweiiwöchentlicher Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb
Typischer Ablauf über 3 Jahre
- 1. Jahr: Grundlagenvermittlung an der Hochschule, Einarbeitung im Betrieb, erste Projekte
- 2. Jahr: Vertiefung der Fachkenntnisse, eigenständigere Arbeit im Betrieb, eventuell Zwischenprüfung
- 3. Jahr: Spezialisierung, Bachelor-Thesis (oft in Kooperation mit dem Unternehmen), Abschlussprüfung
Bewerbung für ein duales Studium
Voraussetzungen
- (Fach-)Abitur: In der Regel brauchst du Abitur oder Fachhochschulreife
- Gute Noten: Duale Studienplätze sind begehrt – gute Noten helfen
- Motivation: Unternehmen suchen engagierte, belastbare Bewerber
Der Bewerbungsprozess
Beim dualen Studium bewirbst du dich in der Regel zuerst beim Unternehmen, nicht bei der Hochschule. Das Unternehmen meldet dich dann an der Partnerhochschule an.
- Zeitpunkt: 12 bis 18 Monate vor Studienbeginn (besonders bei großen Konzernen)
- Unterlagen: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse – ähnlich wie bei einer Ausbildungsbewerbung
- Auswahlverfahren: Oft mehrstufig: Online-Test, Telefoninterview, Assessment Center, persönliches Gespräch
Wo finde ich duale Studienplätze?
- Unternehmenswebsites: Die meisten Unternehmen listen ihre dualen Studienangebote auf
- Hochschulportale: Duale Hochschulen und Berufsakademien listen Partnerunternehmen
- Jobbörsen: Ausbildung.de, Wegweiser-duales-Studium.de, Stellenwerk
- IHK-Lehrstellenbörse: Auch für ausbildungsintegrierende duale Studienplätze
Vergütung und finanzielle Aspekte
Gehalt
Einer der großen Vorteile des dualen Studiums ist die Vergütung. Durchschnittlich verdienst du:
- 1. Jahr: 800 – 1.200 Euro brutto/Monat
- 2. Jahr: 900 – 1.300 Euro brutto/Monat
- 3. Jahr: 1.000 – 1.500 Euro brutto/Monat
In manchen Branchen (z.B. IT, Automobil, Chemie) kann die Vergütung sogar noch höher ausfallen.
Weitere Vorteile
Viele Unternehmen bieten zusätzlich:
- Übernahme der Studiengebühren
- Fahrtkostenzuschuss oder Firmenwagen
- Zuschuss zur Miete oder Firmenunterkunft
- Laptop und Arbeitsmaterialien
- Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld
Vorteile des dualen Studiums
- Theorie und Praxis: Du lernst nicht nur in der Vorlesung, sondern wendest das Wissen direkt an
- Finanzielle Unabhängigkeit: Du verdienst Geld während des Studiums
- Übernahmechancen: Über 80% der dual Studierenden werden nach dem Abschluss übernommen
- Doppelqualifikation: Bachelor plus Berufserfahrung (oder sogar Berufsabschluss)
- Netzwerk: Du baust dir früh ein berufliches Netzwerk auf
- Kleine Studiengruppen: An dualen Hochschulen sind die Gruppen oft deutlich kleiner als an Unis
Nachteile und Herausforderungen
- Hohe Belastung: Arbeiten und Studieren gleichzeitig ist sehr anspruchsvoll
- Wenig Freizeit: Semesterferien gibt es kaum – du bekommst normalen Jahresurlaub
- Bindung ans Unternehmen: Manche Verträge enthalten Klauseln, die dich an das Unternehmen binden
- Eingeschränkte Fächerauswahl: Nicht jedes Fach gibt es als duales Studium
- Weniger Studentenleben: Du verpasst vieles, was reguläre Studierende erleben
- Druck: Doppelbelastung kann zu Stress und Überforderung führen
Beliebte Fachrichtungen im dualen Studium
- BWL und Wirtschaft: Der Klassiker – sehr viele Angebote
- Informatik und IT: Stark wachsend, sehr gefragt
- Ingenieurwesen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen
- Gesundheitsmanagement: Wachsende Branche
- Soziale Arbeit: Immer mehr duale Angebote
- Medien und Kommunikation: Beliebt, aber weniger Plätze
Tipps für ein erfolgreiches duales Studium
- Zeitmanagement lernen: Plane deine Wochen sorgfältig und nutze Lernpläne
- Kommunikation: Sprich offen mit deinem Betreuer im Unternehmen und deinen Dozenten
- Netzwerken: Nutze die Kontakte im Unternehmen und an der Hochschule
- Pausen einplanen: Auch wenn es stressig ist – Erholung ist wichtig
- Bachelor-Thesis clever wählen: Kombiniere ein Thema, das sowohl akademisch als auch für dein Unternehmen relevant ist
Das duale Studium ist ein anspruchsvoller, aber lohnender Weg. Wenn du bereit bist, hart zu arbeiten, und sowohl praktische als auch theoretische Fähigkeiten entwickeln möchtest, ist es eine hervorragende Wahl für deine Zukunft.