Berufsorientierung1. Februar 2026

Duales Studium – Alles was du wissen musst

Der komplette Ratgeber zum dualen Studium: Modelle, Bewerbung, Vergütung, Vor- und Nachteile – alles, was du für deine Entscheidung wissen musst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Duales Studium verbindet Hochschulstudium mit Praxis im Unternehmen
  • Drei Modelle: ausbildungsintegrierend, praxisintegrierend, berufsintegrierend
  • Vergütung zwischen 800 und 1.500 Euro monatlich
  • Über 80% Übernahmequote nach Abschluss
  • Hohe Belastung, aber doppelte Qualifikation als großer Vorteil

Was ist ein duales Studium?

Das duale Studium verbindet ein Hochschulstudium mit einer praktischen Ausbildung in einem Unternehmen. Du wechselst regelmäßig zwischen Vorlesungen an der Hochschule und Arbeitsphasen im Betrieb. Am Ende hast du sowohl einen akademischen Abschluss (meist Bachelor) als auch umfangreiche Praxiserfahrung – und oft sogar einen Berufsabschluss.

Das duale Studium wird immer beliebter: Die Zahl der dual Studierenden hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Kein Wunder, denn es kombiniert die Vorteile von Ausbildung und Studium auf einzigartige Weise.

Die verschiedenen Modelle

Ausbildungsintegrierendes duales Studium

Das beliebteste Modell: Du absolvierst gleichzeitig ein Studium und eine anerkannte Berufsausbildung. Am Ende hast du einen Bachelor-Abschluss und einen anerkannten Berufsabschluss (IHK/HWK). Dieses Modell dauert in der Regel 3 bis 4,5 Jahre und ist besonders intensiv, weil du zwei Abschlüsse gleichzeitig machst.

Praxisintegrierendes duales Studium

Bei diesem Modell arbeitest du im Unternehmen mit, ohne eine formale Berufsausbildung zu absolvieren. Die Praxisphasen sind fest in den Studienplan integriert, aber du machst keinen separaten Berufsabschluss. Am Ende hast du einen Bachelor-Abschluss und umfangreiche Praxiserfahrung.

Berufsintegrierendes duales Studium

Dieses Modell richtet sich an Menschen, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und sich neben dem Beruf weiterbilden möchten. Es ähnelt einem berufsbegleitenden Studium, hat aber eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis.

Ablauf des dualen Studiums

Zeitmodelle

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Theorie- und Praxisphasen organisiert werden:

  • Blockmodell: Du verbringst mehrere Wochen oder Monate am Stück an der Hochschule und wechselst dann in den Betrieb (z.B. 3 Monate Theorie, 3 Monate Praxis)
  • Wochenmodell: Du bist einige Tage pro Woche an der Hochschule und den Rest im Betrieb
  • Rotationsmodell: Wöchentlicher oder zweiiwöchentlicher Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb

Typischer Ablauf über 3 Jahre

  • 1. Jahr: Grundlagenvermittlung an der Hochschule, Einarbeitung im Betrieb, erste Projekte
  • 2. Jahr: Vertiefung der Fachkenntnisse, eigenständigere Arbeit im Betrieb, eventuell Zwischenprüfung
  • 3. Jahr: Spezialisierung, Bachelor-Thesis (oft in Kooperation mit dem Unternehmen), Abschlussprüfung

Bewerbung für ein duales Studium

Voraussetzungen

  • (Fach-)Abitur: In der Regel brauchst du Abitur oder Fachhochschulreife
  • Gute Noten: Duale Studienplätze sind begehrt – gute Noten helfen
  • Motivation: Unternehmen suchen engagierte, belastbare Bewerber

Der Bewerbungsprozess

Beim dualen Studium bewirbst du dich in der Regel zuerst beim Unternehmen, nicht bei der Hochschule. Das Unternehmen meldet dich dann an der Partnerhochschule an.

  • Zeitpunkt: 12 bis 18 Monate vor Studienbeginn (besonders bei großen Konzernen)
  • Unterlagen: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse – ähnlich wie bei einer Ausbildungsbewerbung
  • Auswahlverfahren: Oft mehrstufig: Online-Test, Telefoninterview, Assessment Center, persönliches Gespräch

Wo finde ich duale Studienplätze?

  • Unternehmenswebsites: Die meisten Unternehmen listen ihre dualen Studienangebote auf
  • Hochschulportale: Duale Hochschulen und Berufsakademien listen Partnerunternehmen
  • Jobbörsen: Ausbildung.de, Wegweiser-duales-Studium.de, Stellenwerk
  • IHK-Lehrstellenbörse: Auch für ausbildungsintegrierende duale Studienplätze

Vergütung und finanzielle Aspekte

Gehalt

Einer der großen Vorteile des dualen Studiums ist die Vergütung. Durchschnittlich verdienst du:

  • 1. Jahr: 800 – 1.200 Euro brutto/Monat
  • 2. Jahr: 900 – 1.300 Euro brutto/Monat
  • 3. Jahr: 1.000 – 1.500 Euro brutto/Monat

In manchen Branchen (z.B. IT, Automobil, Chemie) kann die Vergütung sogar noch höher ausfallen.

Weitere Vorteile

Viele Unternehmen bieten zusätzlich:

  • Übernahme der Studiengebühren
  • Fahrtkostenzuschuss oder Firmenwagen
  • Zuschuss zur Miete oder Firmenunterkunft
  • Laptop und Arbeitsmaterialien
  • Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld

Vorteile des dualen Studiums

  • Theorie und Praxis: Du lernst nicht nur in der Vorlesung, sondern wendest das Wissen direkt an
  • Finanzielle Unabhängigkeit: Du verdienst Geld während des Studiums
  • Übernahmechancen: Über 80% der dual Studierenden werden nach dem Abschluss übernommen
  • Doppelqualifikation: Bachelor plus Berufserfahrung (oder sogar Berufsabschluss)
  • Netzwerk: Du baust dir früh ein berufliches Netzwerk auf
  • Kleine Studiengruppen: An dualen Hochschulen sind die Gruppen oft deutlich kleiner als an Unis

Nachteile und Herausforderungen

  • Hohe Belastung: Arbeiten und Studieren gleichzeitig ist sehr anspruchsvoll
  • Wenig Freizeit: Semesterferien gibt es kaum – du bekommst normalen Jahresurlaub
  • Bindung ans Unternehmen: Manche Verträge enthalten Klauseln, die dich an das Unternehmen binden
  • Eingeschränkte Fächerauswahl: Nicht jedes Fach gibt es als duales Studium
  • Weniger Studentenleben: Du verpasst vieles, was reguläre Studierende erleben
  • Druck: Doppelbelastung kann zu Stress und Überforderung führen

Beliebte Fachrichtungen im dualen Studium

  • BWL und Wirtschaft: Der Klassiker – sehr viele Angebote
  • Informatik und IT: Stark wachsend, sehr gefragt
  • Ingenieurwesen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen
  • Gesundheitsmanagement: Wachsende Branche
  • Soziale Arbeit: Immer mehr duale Angebote
  • Medien und Kommunikation: Beliebt, aber weniger Plätze

Tipps für ein erfolgreiches duales Studium

  • Zeitmanagement lernen: Plane deine Wochen sorgfältig und nutze Lernpläne
  • Kommunikation: Sprich offen mit deinem Betreuer im Unternehmen und deinen Dozenten
  • Netzwerken: Nutze die Kontakte im Unternehmen und an der Hochschule
  • Pausen einplanen: Auch wenn es stressig ist – Erholung ist wichtig
  • Bachelor-Thesis clever wählen: Kombiniere ein Thema, das sowohl akademisch als auch für dein Unternehmen relevant ist

Das duale Studium ist ein anspruchsvoller, aber lohnender Weg. Wenn du bereit bist, hart zu arbeiten, und sowohl praktische als auch theoretische Fähigkeiten entwickeln möchtest, ist es eine hervorragende Wahl für deine Zukunft.

Häufige Fragen

Brauche ich Abitur für ein duales Studium?
In der Regel ja. Du brauchst Abitur oder Fachhochschulreife. In manchen Bundesländern kannst du auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und Berufserfahrung zugelassen werden, auch ohne Abitur.
Wer zahlt die Studiengebühren beim dualen Studium?
In vielen Fällen übernimmt das Partnerunternehmen die Studiengebühren ganz oder teilweise. Kläre das unbedingt im Bewerbungsgespräch. An staatlichen dualen Hochschulen (wie der DHBW) fallen oft nur geringe Semesterbeiträge an.
Habe ich beim dualen Studium Semesterferien?
Nein, statt Semesterferien hast du regulären Jahresurlaub (meist 25-30 Tage). In den vorlesungsfreien Zeiten arbeitest du im Unternehmen. Das ist ein wichtiger Unterschied zum regulären Studium.
Ist ein duales Studium genauso anerkannt wie ein normales Studium?
Ja, der Bachelor-Abschluss eines dualen Studiums ist genauso anerkannt wie der eines regulären Studiums. Arbeitgeber schätzen dual Studierende sogar oft besonders, weil sie neben dem akademischen Wissen auch praktische Erfahrung mitbringen.

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Stand: Februar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr