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Gehalt & FinanzenVon der Genieportal-Redaktion · Aktualisiert am

Gehaltsverhandlung nach der Ausbildung: Tipps

So verhandelst du dein Gehalt nach der Ausbildung: Marktwert recherchieren, richtig argumentieren, Gesamtpaket verhandeln und das Ergebnis festhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • ✓Kenne deinen Marktwert, zum Beispiel aus dem Entgeltatlas der Arbeitsagentur
  • ✓Nenne eine begründete Zahl, die etwas über deinem Zielwert liegt
  • ✓Verhandle das Gesamtpaket aus Grundgehalt, Zusatzleistungen und Perspektive
  • ✓Eine Zusage zur Übernahme ist erst in den letzten sechs Monaten der Ausbildung verbindlich
  • ✓Lass dir das Ergebnis schriftlich im Vertrag geben

Warum ist die Gehaltsverhandlung nach der Ausbildung so wichtig?

Dein Einstiegsgehalt ist die Basis für alle späteren Gehaltserhöhungen, deshalb wirkt sich ein guter Start über viele Jahre aus. Prozentuale Erhöhungen rechnen sich immer vom bisherigen Gehalt, ein niedriger Einstieg zieht sich also mit.

Eine Gehaltsverhandlung ist kein Kampf, sondern ein normales Gespräch zwischen zwei Seiten, die eine faire Vereinbarung wollen. Mit guter Vorbereitung kannst du selbstbewusst auftreten und ein gutes Ergebnis erzielen.

Wie bereitest du dich auf die Gehaltsverhandlung vor?

Die wichtigste Vorbereitung ist, deinen Marktwert mit verlässlichen Zahlen zu kennen. Dazu kommen gute Argumente und etwas Übung vor dem Gespräch.

1. Marktwert recherchieren

Bevor du in die Verhandlung gehst, musst du wissen, was in deinem Beruf üblich ist. Recherchiere:

  • Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: mittlere Verdienste nach Beruf, Region, Branche und Alter, auch für unter 25-Jährige
  • Tarifverträge: Ist dein Betrieb tarifgebunden, ist das Gehalt über die Entgeltgruppe festgelegt
  • Regionale Unterschiede: Gehälter in München sind anders als in Magdeburg
  • Branche: Derselbe Beruf wird in der Industrie oft anders bezahlt als im Handel

Lege dir eine Gehaltsspanne zurecht: eine Untergrenze, unter der du nicht zusagen willst, deinen Zielwert und einen ambitionierten Wert für den Einstieg ins Gespräch.

2. Argumente sammeln

Überlege dir konkrete Argumente, die deinen Gehaltswunsch begründen:

  • Prüfungsergebnis: Ein sehr gutes Ergebnis ist ein starkes Argument
  • Besondere Kenntnisse: Spezialisierungen, Sprachkenntnisse, IT-Kenntnisse
  • Verantwortung: Hattest du während der Ausbildung eigene Aufgaben oder Projekte?
  • Zusatzqualifikationen: Zertifikate, Kurse, Zusatzqualifikationen aus der Ausbildung
  • Marktlage: Ist dein Beruf gesucht, stärkt das deine Position

3. Üben

Spiel das Gespräch vorher mit einer Vertrauensperson durch. So gewinnst du Sicherheit und merkst, welche Argumente überzeugen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung?

Der beste Zeitpunkt ist, bevor du einen Arbeitsvertrag unterschreibst, also beim Übernahmegespräch oder im Bewerbungsprozess. Danach ist dein Gehalt festgelegt und lässt sich nur noch über eine spätere Erhöhung ändern.

Bei Übernahme im Ausbildungsbetrieb

Will dein Betrieb dich übernehmen, ist das Übernahmegespräch der natürliche Zeitpunkt. Eine verbindliche Zusage für die Zeit nach der Ausbildung kannst du nach § 12 BBiG erst in den letzten sechs Monaten der Ausbildung geben. Sprich das Thema deshalb rechtzeitig in diesem Zeitraum an, damit vor der Prüfung alles geklärt ist.

Wichtig: Arbeitest du nach der Ausbildung einfach weiter, ohne dass etwas vereinbart wurde, gilt nach § 24 BBiG ein unbefristetes Arbeitsverhältnis als begründet. Das Gehalt ist dann aber nicht geregelt, deshalb solltest du es vorher klären.

Bei einem neuen Arbeitgeber

Im Vorstellungsgespräch wird das Gehalt oft angesprochen, manchmal fragt schon die Stellenanzeige nach deinen Gehaltsvorstellungen. Nenne dann eine konkrete Zahl oder eine enge Spanne als Bruttojahresgehalt oder Bruttomonatsgehalt, und sag dazu, was du meinst.

Welche Verhandlungstechniken helfen dir im Gehaltsgespräch?

Bewährt haben sich ein gut begründeter erster Wert, positive Formulierungen, ruhiges Abwarten nach deiner Forderung und Verhandeln über das Gesamtpaket. Wenn beim Grundgehalt wenig geht, kannst du eine spätere Erhöhung vereinbaren.

1. Einen Anker setzen

Die erste Zahl im Gespräch prägt die weitere Verhandlung. Nenne deshalb einen Wert, der etwas über deinem Ziel liegt und den du mit Daten begründen kannst. So bleibt Spielraum für einen Kompromiss, ohne dass du unrealistisch wirkst.

Beispiel: Wenn du 2.800 Euro anstrebst und der Entgeltatlas für deinen Beruf und deine Region einen Wert in dieser Höhe zeigt, kannst du mit etwa 3.000 Euro einsteigen.

2. Die Sandwich-Methode

Verpacke deinen Gehaltswunsch zwischen positiven Aussagen:

  • „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und bin motiviert, mein Bestes zu geben.“
  • „Aufgrund meiner Qualifikation und der üblichen Gehälter in diesem Beruf stelle ich mir 3.000 Euro brutto im Monat vor.“
  • „Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden, die für beide Seiten fair ist.“

3. Stille aushalten

Nachdem du deine Forderung genannt hast, warte ab. Lass dein Gegenüber reagieren, bevor du selbst nachgibst oder etwas ergänzt.

4. Gesamtpaket verhandeln

Wenn beim Grundgehalt wenig Spielraum ist, sprich über Zusatzleistungen:

  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Vermögenswirksame Leistungen
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Fahrtkostenzuschuss oder Jobticket
  • Weiterbildungsbudget
  • Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice
  • Zusätzliche Urlaubstage

5. Spätere Erhöhung vereinbaren

Liegt das Angebot unter deiner Vorstellung, schlage eine Gehaltsüberprüfung nach der Probezeit oder nach einem Jahr vor, gekoppelt an konkrete Ziele. Lass dir diese Vereinbarung schriftlich geben.

6. Im Tarifbetrieb

Gilt ein Tarifvertrag, ist das Grundgehalt durch die Entgeltgruppe vorgegeben. Verhandeln kannst du dann vor allem über die richtige Eingruppierung, die Stufe, Zulagen oder außertarifliche Leistungen.

Was solltest du in der Gehaltsverhandlung tun und was nicht?

Geh vorbereitet in die Verhandlung, nenne eine konkrete Zahl und argumentiere sachlich. Vermeide Drohungen, persönliche Gründe und ein vorschnelles Ja.

Das solltest du tun

  • Sei vorbereitet: Kenne deinen Marktwert und deine Argumente
  • Sei konkret: Nenne eine genaue Zahl oder eine enge Spanne
  • Sei selbstbewusst: Du hast eine Ausbildung abgeschlossen, das ist wertvoll
  • Sei sachlich: Argumentiere mit Fakten
  • Sei flexibel: Zeige Kompromissbereitschaft beim Gesamtpaket

Das solltest du lassen

  • Drohen: Sätze wie „Sonst gehe ich“ schaden dem Gespräch
  • Zu niedrig einsteigen: Nach unten geht es im Gespräch leicht, nach oben kaum
  • Persönlich argumentieren: „Ich brauche das Geld für die Miete“ ist kein Argument
  • Unvorbereitet kommen: Ohne Recherche wirkt deine Zahl beliebig
  • Zu schnell zusagen: Bitte um Bedenkzeit, wenn du unsicher bist

Welche Formulierungen kannst du in der Gehaltsverhandlung verwenden?

Gute Formulierungen sind sachlich, nennen eine Zahl und begründen sie. Diese Sätze kannst du anpassen:

  • „Nach meiner Recherche im Entgeltatlas liegt das übliche Gehalt für diese Tätigkeit in unserer Region bei ... Euro. Aufgrund meiner Qualifikation halte ich ... Euro für angemessen.“
  • „Ich habe meine Ausbildung mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen und bringe Kenntnisse in ... mit. Das möchte ich gerne im Gehalt widergespiegelt sehen.“
  • „Können wir eine Gehaltsüberprüfung nach der Einarbeitungszeit vereinbaren?“
  • „Gibt es neben dem Grundgehalt Zusatzleistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld?“

Was tun, wenn die Verhandlung scheitert?

Bleib ruhig und prüfe deine Alternativen, bevor du zu- oder absagst. Nicht jede Verhandlung endet mit dem gewünschten Ergebnis, das ist normal.

  • Bedenkzeit erbitten: „Darf ich darüber nachdenken und mich bis Freitag melden?“
  • Alternativen prüfen: Hast du andere Angebote?
  • Kompromiss suchen: Vielleicht sind Zusatzleistungen möglich
  • Perspektive klären: Wann ist die nächste Erhöhung möglich?
  • Im Zweifel ablehnen: Ist das Angebot nicht fair, schau dich anderweitig um

Wie verhandelst du dein Gehalt bei der Übernahme im Ausbildungsbetrieb?

Bei der Übernahme hast du einen Vorteil, denn der Betrieb kennt dich und deine Leistung bereits. Nutze das im Gespräch:

  • Verweise auf konkrete Erfolge und Aufgaben aus der Ausbildung
  • Betone, dass kaum Einarbeitung nötig ist
  • Hebe hervor, dass du Abläufe und Kunden bereits kennst
  • Zeige Interesse an Weiterentwicklung im Unternehmen

Die erste Gehaltsverhandlung ist nur der Anfang. Mit jeder weiteren wirst du sicherer, weil du mehr Erfahrung und mehr Argumente hast.

Wie hältst du das Ergebnis der Verhandlung fest?

Das vereinbarte Gehalt gehört in den Arbeitsvertrag oder in die schriftliche Niederschrift der Vertragsbedingungen. Nach dem Nachweisgesetz muss dein Arbeitgeber dir die wesentlichen Bedingungen schriftlich oder unter bestimmten Voraussetzungen in Textform aushändigen, darunter Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts mit Zuschlägen, Prämien und Sonderzahlungen.

Lies den Vertrag vor der Unterschrift genau und vergleiche ihn mit dem, was im Gespräch vereinbart wurde. Auch zugesagte spätere Gehaltsüberprüfungen solltest du dir schriftlich bestätigen lassen.

Auf welchen Quellen basiert dieser Artikel?

Die Rechtsangaben stammen aus dem Berufsbildungsgesetz und dem Nachweisgesetz, die Gehaltsdaten aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026:

§ 12 BBiG, § 24 BBiG, § 2 NachwG, Bundesagentur für Arbeit: Entgeltatlas

Was solltest du dir zur Gehaltsverhandlung nach der Ausbildung merken?

Gute Vorbereitung mit echten Zahlen ist der Schlüssel zu einem fairen Einstiegsgehalt. Kenne deinen Marktwert, nenne eine begründete Zahl, verhandle das Gesamtpaket und lass dir das Ergebnis schriftlich geben. Mehr zu üblichen Gehältern findest du im Ratgeber Gehalt nach der Ausbildung.

Häufige Fragen

Wie viel mehr als die Ausbildungsvergütung kann ich fordern?

Orientiere dich nicht an deiner Ausbildungsvergütung, sondern an üblichen Fachkräftegehältern. Im Entgeltatlas findest du den Median für deinen Beruf, auch für Beschäftigte unter 25 Jahren und für deine Region.

Soll ich als Erster eine Zahl nennen?

Wenn du gut vorbereitet bist, kann das ein Vorteil sein, weil die erste Zahl die Verhandlung prägt. Bist du unsicher, frag zuerst nach dem vorgesehenen Gehaltsrahmen.

Was mache ich, wenn mir das Angebot zu niedrig erscheint?

Bleib sachlich, erkläre, dass deine Recherche ein höheres Niveau zeigt, und nenne die Quelle. Schlage einen Kompromiss vor, etwa eine Erhöhung nach der Probezeit oder zusätzliche Leistungen.

Darf ich mit persönlichen Ausgaben argumentieren?

Besser nicht. Miete oder andere private Kosten überzeugen einen Arbeitgeber selten. Argumentiere mit deiner Qualifikation, deinen Leistungen und dem üblichen Gehalt in deinem Beruf.

Kann ich im Tarifbetrieb überhaupt verhandeln?

Das Grundgehalt ist über die Entgeltgruppe festgelegt. Prüfen und ansprechen kannst du die richtige Eingruppierung, die Stufe sowie Zulagen oder außertarifliche Leistungen.

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Stand: Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr