Die Ausbildung ist geschafft – und jetzt?
Herzlichen Glückwunsch – du hast deine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen! Das ist eine tolle Leistung und der erste wichtige Meilenstein in deiner beruflichen Karriere. Aber was kommt danach? Die Möglichkeiten sind vielfältig: Übernahme im Betrieb, Jobsuche, Weiterbildung oder sogar ein Studium. In diesem Artikel zeigen wir dir alle Optionen und helfen dir, die richtige Entscheidung zu treffen.
Übernahme durch den Ausbildungsbetrieb
Die einfachste Option nach der Ausbildung ist die Übernahme durch deinen Ausbildungsbetrieb. Viele Betriebe bilden aus, weil sie Fachkräfte brauchen, und übernehmen ihre Azubis nach der Prüfung.
Habe ich ein Recht auf Übernahme?
Grundsätzlich gibt es kein gesetzliches Recht auf Übernahme. Es gibt jedoch Ausnahmen:
- Tarifverträge: In manchen Branchen (z. B. Metall- und Elektroindustrie) sehen Tarifverträge eine befristete oder unbefristete Übernahme vor
- Betriebsvereinbarungen: Manche Betriebe haben interne Regelungen zur Übernahme
- JAV-Mitglieder: Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung haben unter bestimmten Voraussetzungen ein Recht auf Übernahme
Automatische Weiterbeschäftigung
Wenn du nach der Abschlussprüfung weiterarbeitest, ohne dass eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen wurde, entsteht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (§ 24 BBiG). Achte also darauf, was nach der Prüfung passiert!
Übernahme verhandeln
Sprich das Thema Übernahme frühzeitig an – am besten 3 bis 6 Monate vor dem Ende deiner Ausbildung. Bereite dich auf das Gespräch vor:
- Sammle Argumente für deine Übernahme (gute Leistungen, Zuverlässigkeit, Fachwissen)
- Informiere dich über das übliche Einstiegsgehalt in deinem Beruf
- Zeige Interesse an Weiterentwicklung im Betrieb
Jobsuche nach der Ausbildung
Wenn eine Übernahme nicht möglich oder gewünscht ist, beginnt die Jobsuche. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung hast du gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt – der Fachkräftemangel spielt dir in die Karten.
Wann mit der Suche beginnen?
Starte die Jobsuche 3 bis 6 Monate vor dem Ende deiner Ausbildung. So hast du genug Zeit, dich umzuschauen und in Ruhe Bewerbungen zu schreiben.
Wo nach Jobs suchen?
- Online-Jobbörsen: StepStone, Indeed, Ausbildungsgenie und Co.
- Agentur für Arbeit: Die Jobbörse der Agentur und persönliche Beratung
- Unternehmenswebsites: Viele Firmen schreiben Jobs direkt auf ihrer Karriereseite aus
- Social Media: LinkedIn, XING und branchenspezifische Gruppen
- Netzwerk: Ehemalige Kollegen, Berufsschulkontakte, Familie
- Jobmessen: Regionale und überregionale Karrieremessen
Bewerbungsunterlagen
Für die Bewerbung nach der Ausbildung brauchst du:
- Anschreiben: Individuell für jede Stelle, mit Bezug auf deine Ausbildung und Qualifikationen
- Lebenslauf: Aktuell, übersichtlich, mit deiner Ausbildung als Highlight
- Ausbildungszeugnis: Das qualifizierte Zeugnis deines Betriebs
- Prüfungszeugnis: Das Zeugnis der Kammer über die bestandene Abschlussprüfung
- Berufsschulzeugnis: Dein Abschlusszeugnis der Berufsschule
- Weitere Zertifikate: Zusatzqualifikationen, Sprachzertifikate etc.
Weiterbildungsmöglichkeiten
Eine abgeschlossene Ausbildung ist nicht das Ende deiner Bildungskarriere – im Gegenteil: Sie kann der Startpunkt für eine beeindruckende Entwicklung sein.
Meister/in
Der Meisterbrief ist die klassische Aufstiegsfortbildung im Handwerk. Er berechtigt dich, einen eigenen Betrieb zu führen und selbst auszubilden. Die Meisterprüfung ist dem Bachelor gleichgestellt (DQR-Niveau 6).
Fachwirt/in
Der Fachwirt ist das kaufmännische Pendant zum Meister. Es gibt ihn in vielen Fachrichtungen (z. B. Wirtschaftsfachwirt, Industriefachwirt, Handelsfachwirt). Auch er ist auf DQR-Niveau 6.
Techniker/in
Die Technikerausbildung ist eine Aufstiegsfortbildung für technische Berufe. Sie dauert in Vollzeit 2 Jahre, in Teilzeit 3–4 Jahre und eröffnet Führungspositionen in der Technik.
Betriebswirt/in
Der Geprüfte Betriebswirt (IHK) ist die höchste IHK-Aufstiegsfortbildung und auf DQR-Niveau 7 (Master-Niveau) eingestuft.
Studium
Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung kannst du in den meisten Bundesländern auch ohne Abitur studieren. Mit einem Meister oder Fachwirt hast du sogar eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.
Finanzierung der Weiterbildung
Weiterbildung muss nicht teuer sein – es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten:
- Aufstiegs-BAföG: Bis zu 75 % der Lehrgangskosten als Zuschuss (muss nicht zurückgezahlt werden) + zinsgünstiges Darlehen
- Bildungsgutschein: Die Agentur für Arbeit kann die Kosten vollständig übernehmen
- Stipendien: Das Weiterbildungsstipendium der SBB fördert besonders begabte Absolventen
- Bildungsurlaub: In den meisten Bundesländern hast du Anspruch auf 5 Tage Bildungsurlaub pro Jahr
- Steuerliche Absetzbarkeit: Weiterbildungskosten können als Werbungskosten abgesetzt werden
Selbstständigkeit
Mit einer abgeschlossenen Ausbildung kannst du dich auch selbstständig machen. Besonders im Handwerk (mit Meisterbrief) und in vielen Dienstleistungsberufen ist das möglich. Bevor du den Schritt wagst:
- Erstelle einen Businessplan
- Informiere dich über Förderprogramme (z. B. Gründerzuschuss)
- Nutze Gründerberatung (IHK, HWK, Gründerzentren)
- Kläre die Finanzierung
Tipps für den Karrierestart
- Bleib neugierig: Lerne stetig weiter, auch ohne formale Weiterbildung
- Baue ein Netzwerk auf: Kontakte sind in der Berufswelt Gold wert
- Setze dir Ziele: Wo willst du in 5 Jahren stehen?
- Sei offen für Neues: Manchmal ergeben sich Chancen, die man nicht erwartet hat
- Investiere in dich: Weiterbildung zahlt sich langfristig immer aus
Auslandsaufenthalt nach der Ausbildung
Eine spannende Option nach der Ausbildung ist ein Auslandsaufenthalt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
- Auslandspraktikum: Sammle Berufserfahrung in einem anderen Land. Programme wie Erasmus+ fördern Auslandsaufenthalte für junge Fachkräfte mit bis zu 12 Monaten Dauer
- Work and Travel: Arbeiten und Reisen kombinieren, besonders beliebt in Australien, Neuseeland und Kanada
- Freiwilligendienst: Ein internationaler Freiwilligendienst (IJFD, weltwärts) ermöglicht soziales Engagement im Ausland
- Arbeiten im Ausland: Mit einer deutschen Berufsausbildung bist du auch international gefragt – besonders in Handwerksberufen
Ein Auslandsaufenthalt bringt wertvolle interkulturelle Erfahrungen, verbessert deine Sprachkenntnisse und macht sich hervorragend im Lebenslauf. Plane den Aufenthalt rechtzeitig und informiere dich über Visa-Bestimmungen und Fördermöglichkeiten.
Netzwerken nach der Ausbildung
Dein berufliches Netzwerk ist einer der wichtigsten Faktoren für deinen Karriereerfolg. Beginne frühzeitig, Kontakte aufzubauen und zu pflegen:
- Ehemalige Berufsschulkollegen: Bleibe in Kontakt – sie können zukünftige Geschäftspartner oder Jobtipps sein
- Branchenveranstaltungen: Besuche Fachmessen, Workshops und Stammtische
- Online-Netzwerke: Erstelle ein professionelles Profil auf LinkedIn oder XING
- Berufsverbände: Mitgliedschaften bieten Zugang zu exklusiven Netzwerken und Weiterbildungsangeboten
Netzwerken bedeutet nicht nur, Kontakte zu sammeln, sondern echte Beziehungen aufzubauen. Hilf anderen, teile dein Wissen und sei verlässlich – dann werden auch andere dir helfen, wenn du es brauchst.
Mentoring und Coaching
Ein oft unterschätzter Faktor für den beruflichen Erfolg ist Mentoring. Ein erfahrener Mentor kann dir wertvolle Ratschläge geben, dich vor typischen Anfängerfehlern bewahren und dir Türen öffnen. Frage in deinem Betrieb nach einem Mentoring-Programm oder suche dir selbstständig eine erfahrene Fachkraft, die dich begleitet. Auch professionelles Coaching kann helfen, deine Karriereziele zu definieren und einen klaren Plan zu entwickeln.
Fazit
Nach der Ausbildung stehen dir alle Türen offen. Ob Übernahme, neuer Job, Weiterbildung oder Studium – du hast mit deinem Abschluss eine solide Basis geschaffen. Nutze die vielen Möglichkeiten, informiere dich über Förderprogramme und plane deine Karriere aktiv. Deine Ausbildung war der erste Schritt – jetzt liegt es an dir, wohin die Reise geht.