Ausbildung allgemein25. Januar 2026

Nach der Ausbildung – Übernahme, Jobsuche & Weiterbildung

Was kommt nach der Ausbildung? Alles zu Übernahme, Jobsuche, Weiterbildung, Meister, Studium und den besten Strategien für deinen Karrierestart.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt kein generelles Recht auf Übernahme – aber tarifliche und betriebliche Regelungen können greifen
  • Starte die Jobsuche oder Übernahme-Gespräche 3-6 Monate vor dem Ausbildungsende
  • Aufstiegsfortbildungen wie Meister, Fachwirt oder Techniker eröffnen Karrierechancen
  • Aufstiegs-BAföG und Bildungsgutscheine finanzieren die Weiterbildung
  • Mit Ausbildung und Berufserfahrung ist auch ein Studium ohne Abitur möglich

Die Ausbildung ist geschafft – und jetzt?

Herzlichen Glückwunsch – du hast deine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen! Das ist eine tolle Leistung und der erste wichtige Meilenstein in deiner beruflichen Karriere. Aber was kommt danach? Die Möglichkeiten sind vielfältig: Übernahme im Betrieb, Jobsuche, Weiterbildung oder sogar ein Studium. In diesem Artikel zeigen wir dir alle Optionen und helfen dir, die richtige Entscheidung zu treffen.

Übernahme durch den Ausbildungsbetrieb

Die einfachste Option nach der Ausbildung ist die Übernahme durch deinen Ausbildungsbetrieb. Viele Betriebe bilden aus, weil sie Fachkräfte brauchen, und übernehmen ihre Azubis nach der Prüfung.

Habe ich ein Recht auf Übernahme?

Grundsätzlich gibt es kein gesetzliches Recht auf Übernahme. Es gibt jedoch Ausnahmen:

  • Tarifverträge: In manchen Branchen (z. B. Metall- und Elektroindustrie) sehen Tarifverträge eine befristete oder unbefristete Übernahme vor
  • Betriebsvereinbarungen: Manche Betriebe haben interne Regelungen zur Übernahme
  • JAV-Mitglieder: Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung haben unter bestimmten Voraussetzungen ein Recht auf Übernahme

Automatische Weiterbeschäftigung

Wenn du nach der Abschlussprüfung weiterarbeitest, ohne dass eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen wurde, entsteht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (§ 24 BBiG). Achte also darauf, was nach der Prüfung passiert!

Übernahme verhandeln

Sprich das Thema Übernahme frühzeitig an – am besten 3 bis 6 Monate vor dem Ende deiner Ausbildung. Bereite dich auf das Gespräch vor:

  • Sammle Argumente für deine Übernahme (gute Leistungen, Zuverlässigkeit, Fachwissen)
  • Informiere dich über das übliche Einstiegsgehalt in deinem Beruf
  • Zeige Interesse an Weiterentwicklung im Betrieb

Jobsuche nach der Ausbildung

Wenn eine Übernahme nicht möglich oder gewünscht ist, beginnt die Jobsuche. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung hast du gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt – der Fachkräftemangel spielt dir in die Karten.

Wann mit der Suche beginnen?

Starte die Jobsuche 3 bis 6 Monate vor dem Ende deiner Ausbildung. So hast du genug Zeit, dich umzuschauen und in Ruhe Bewerbungen zu schreiben.

Wo nach Jobs suchen?

  • Online-Jobbörsen: StepStone, Indeed, Ausbildungsgenie und Co.
  • Agentur für Arbeit: Die Jobbörse der Agentur und persönliche Beratung
  • Unternehmenswebsites: Viele Firmen schreiben Jobs direkt auf ihrer Karriereseite aus
  • Social Media: LinkedIn, XING und branchenspezifische Gruppen
  • Netzwerk: Ehemalige Kollegen, Berufsschulkontakte, Familie
  • Jobmessen: Regionale und überregionale Karrieremessen

Bewerbungsunterlagen

Für die Bewerbung nach der Ausbildung brauchst du:

  • Anschreiben: Individuell für jede Stelle, mit Bezug auf deine Ausbildung und Qualifikationen
  • Lebenslauf: Aktuell, übersichtlich, mit deiner Ausbildung als Highlight
  • Ausbildungszeugnis: Das qualifizierte Zeugnis deines Betriebs
  • Prüfungszeugnis: Das Zeugnis der Kammer über die bestandene Abschlussprüfung
  • Berufsschulzeugnis: Dein Abschlusszeugnis der Berufsschule
  • Weitere Zertifikate: Zusatzqualifikationen, Sprachzertifikate etc.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Eine abgeschlossene Ausbildung ist nicht das Ende deiner Bildungskarriere – im Gegenteil: Sie kann der Startpunkt für eine beeindruckende Entwicklung sein.

Meister/in

Der Meisterbrief ist die klassische Aufstiegsfortbildung im Handwerk. Er berechtigt dich, einen eigenen Betrieb zu führen und selbst auszubilden. Die Meisterprüfung ist dem Bachelor gleichgestellt (DQR-Niveau 6).

Fachwirt/in

Der Fachwirt ist das kaufmännische Pendant zum Meister. Es gibt ihn in vielen Fachrichtungen (z. B. Wirtschaftsfachwirt, Industriefachwirt, Handelsfachwirt). Auch er ist auf DQR-Niveau 6.

Techniker/in

Die Technikerausbildung ist eine Aufstiegsfortbildung für technische Berufe. Sie dauert in Vollzeit 2 Jahre, in Teilzeit 3–4 Jahre und eröffnet Führungspositionen in der Technik.

Betriebswirt/in

Der Geprüfte Betriebswirt (IHK) ist die höchste IHK-Aufstiegsfortbildung und auf DQR-Niveau 7 (Master-Niveau) eingestuft.

Studium

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung kannst du in den meisten Bundesländern auch ohne Abitur studieren. Mit einem Meister oder Fachwirt hast du sogar eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.

Finanzierung der Weiterbildung

Weiterbildung muss nicht teuer sein – es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten:

  • Aufstiegs-BAföG: Bis zu 75 % der Lehrgangskosten als Zuschuss (muss nicht zurückgezahlt werden) + zinsgünstiges Darlehen
  • Bildungsgutschein: Die Agentur für Arbeit kann die Kosten vollständig übernehmen
  • Stipendien: Das Weiterbildungsstipendium der SBB fördert besonders begabte Absolventen
  • Bildungsurlaub: In den meisten Bundesländern hast du Anspruch auf 5 Tage Bildungsurlaub pro Jahr
  • Steuerliche Absetzbarkeit: Weiterbildungskosten können als Werbungskosten abgesetzt werden

Selbstständigkeit

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung kannst du dich auch selbstständig machen. Besonders im Handwerk (mit Meisterbrief) und in vielen Dienstleistungsberufen ist das möglich. Bevor du den Schritt wagst:

  • Erstelle einen Businessplan
  • Informiere dich über Förderprogramme (z. B. Gründerzuschuss)
  • Nutze Gründerberatung (IHK, HWK, Gründerzentren)
  • Kläre die Finanzierung

Tipps für den Karrierestart

  • Bleib neugierig: Lerne stetig weiter, auch ohne formale Weiterbildung
  • Baue ein Netzwerk auf: Kontakte sind in der Berufswelt Gold wert
  • Setze dir Ziele: Wo willst du in 5 Jahren stehen?
  • Sei offen für Neues: Manchmal ergeben sich Chancen, die man nicht erwartet hat
  • Investiere in dich: Weiterbildung zahlt sich langfristig immer aus

Auslandsaufenthalt nach der Ausbildung

Eine spannende Option nach der Ausbildung ist ein Auslandsaufenthalt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Auslandspraktikum: Sammle Berufserfahrung in einem anderen Land. Programme wie Erasmus+ fördern Auslandsaufenthalte für junge Fachkräfte mit bis zu 12 Monaten Dauer
  • Work and Travel: Arbeiten und Reisen kombinieren, besonders beliebt in Australien, Neuseeland und Kanada
  • Freiwilligendienst: Ein internationaler Freiwilligendienst (IJFD, weltwärts) ermöglicht soziales Engagement im Ausland
  • Arbeiten im Ausland: Mit einer deutschen Berufsausbildung bist du auch international gefragt – besonders in Handwerksberufen

Ein Auslandsaufenthalt bringt wertvolle interkulturelle Erfahrungen, verbessert deine Sprachkenntnisse und macht sich hervorragend im Lebenslauf. Plane den Aufenthalt rechtzeitig und informiere dich über Visa-Bestimmungen und Fördermöglichkeiten.

Netzwerken nach der Ausbildung

Dein berufliches Netzwerk ist einer der wichtigsten Faktoren für deinen Karriereerfolg. Beginne frühzeitig, Kontakte aufzubauen und zu pflegen:

  • Ehemalige Berufsschulkollegen: Bleibe in Kontakt – sie können zukünftige Geschäftspartner oder Jobtipps sein
  • Branchenveranstaltungen: Besuche Fachmessen, Workshops und Stammtische
  • Online-Netzwerke: Erstelle ein professionelles Profil auf LinkedIn oder XING
  • Berufsverbände: Mitgliedschaften bieten Zugang zu exklusiven Netzwerken und Weiterbildungsangeboten

Netzwerken bedeutet nicht nur, Kontakte zu sammeln, sondern echte Beziehungen aufzubauen. Hilf anderen, teile dein Wissen und sei verlässlich – dann werden auch andere dir helfen, wenn du es brauchst.

Mentoring und Coaching

Ein oft unterschätzter Faktor für den beruflichen Erfolg ist Mentoring. Ein erfahrener Mentor kann dir wertvolle Ratschläge geben, dich vor typischen Anfängerfehlern bewahren und dir Türen öffnen. Frage in deinem Betrieb nach einem Mentoring-Programm oder suche dir selbstständig eine erfahrene Fachkraft, die dich begleitet. Auch professionelles Coaching kann helfen, deine Karriereziele zu definieren und einen klaren Plan zu entwickeln.

Fazit

Nach der Ausbildung stehen dir alle Türen offen. Ob Übernahme, neuer Job, Weiterbildung oder Studium – du hast mit deinem Abschluss eine solide Basis geschaffen. Nutze die vielen Möglichkeiten, informiere dich über Förderprogramme und plane deine Karriere aktiv. Deine Ausbildung war der erste Schritt – jetzt liegt es an dir, wohin die Reise geht.

Häufige Fragen

Habe ich nach der Ausbildung automatisch ein Recht auf Übernahme?
Nein, ein generelles Recht auf Übernahme gibt es nicht. Allerdings können Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen eine Übernahme vorsehen. Wenn du nach der Prüfung einfach weiterarbeitest, entsteht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
Kann ich nach der Ausbildung studieren, auch ohne Abitur?
Ja, mit einer abgeschlossenen Ausbildung und Berufserfahrung kannst du in den meisten Bundesländern auch ohne Abitur studieren. Mit einem Meister, Techniker oder Fachwirt erhältst du sogar die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.
Was ist Aufstiegs-BAföG?
Aufstiegs-BAföG (früher Meister-BAföG) fördert Aufstiegsfortbildungen wie Meister, Techniker oder Fachwirt. Du erhältst bis zu 75 % der Lehrgangskosten als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, plus ein zinsgünstiges Darlehen für den Rest.
Wie verhandle ich mein Einstiegsgehalt nach der Ausbildung?
Informiere dich vorab über branchenübliche Einstiegsgehälte. Bereite Argumente vor, die deinen Wert belegen: gute Prüfungsergebnisse, besondere Kenntnisse, Verantwortung während der Ausbildung. Nenne eine realistische, aber etwas höhere Gehaltsforderung als dein Minimum.

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Stand: Januar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr