Azubi-Leben1. Februar 2026

Mentale Gesundheit in der Ausbildung – Hilfe & Tipps

Mentale Gesundheit in der Ausbildung: Stress und Burnout erkennen, Selbstfürsorge, Hilfsangebote und wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Junge Menschen zwischen 18 und 25 sind besonders haeufig von psychischen Belastungen betroffen
  • Warnsignale sind u.a. dauernde Muedigkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen und sozialer Rueckzug
  • Bewegung, Schlafhygiene, soziale Kontakte und Achtsamkeit sind wirksame Selbsthilfe-Strategien
  • Kostenlose Hilfsangebote: Telefonseelsorge (0800 111 0 111), Krisenchat, Nummer gegen Kummer
  • Psychotherapie wird von der Krankenkasse bezahlt – der Arbeitgeber erfaehrt nichts davon
  • Sich Hilfe zu holen ist ein Zeichen von Staerke, nicht von Schwaeche

Mentale Gesundheit – Ein Thema, das alle betrifft

Die Ausbildung ist eine spannende, aber auch fordernde Zeit. Neuer Alltag, neue Verantwortung, Prüfungsstress und manchmal auch Konflikte im Betrieb – all das kann an der psychischen Gesundheit nagen. Studien zeigen, dass junge Menschen zwischen 18 und 25 besonders häufig von psychischen Belastungen betroffen sind. Trotzdem wird das Thema oft totgeschwiegen oder als Schwäche abgetan.

Dabei ist mentale Gesundheit genauso wichtig wie körperliche Gesundheit. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Warnsignale erkennst, was du selbst tun kannst und wo du Hilfe findest.

Stressfaktoren in der Ausbildung

Viele Faktoren können während der Ausbildung zu psychischem Stress führen:

  • Doppelbelastung: Betrieb und Berufsschule gleichzeitig meistern
  • Prüfungsdruck: Zwischen- und Abschlussprüfungen erzeugen Leistungsdruck
  • Neue Umgebung: Umzug, neue Stadt, Trennung von Familie und Freunden
  • Finanzielle Sorgen: Knappes Ausbildungsgehalt, Mietkosten, unerwartete Ausgaben
  • Konflikte: Probleme mit Ausbildern, Kollegen oder Mitschülern
  • Unsicherheit: Habe ich den richtigen Beruf gewählt? Werde ich übernommen?
  • Erwartungsdruck: Eigene hohe Ansprüche oder Druck von Eltern

Warnsignale erkennen

Stress gehört zum Leben dazu, aber wenn er chronisch wird, kann er krank machen. Achte auf folgende Warnsignale:

Körperliche Symptome

  • Dauernde Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf
  • Häufige Kopfschmerzen oder Migräne
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Muskelverspannungen (Nacken, Rücken)
  • Schlafstörungen (Einschlaf- oder Durchschlafprobleme)
  • Geschwächtes Immunsystem (häufige Erkältungen)

Psychische Symptome

  • Anhaltende Traurigkeit oder innere Leere
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Antriebslosigkeit und Motivationsverlust
  • Gefühl der Überforderung
  • Sozialer Rückzug
  • Gruebelschleifen und Sorgen, die nicht aufhören

Verhaltensänderungen

  • Zunehmendes Fehlen in Betrieb oder Berufsschule
  • Verstärkter Konsum von Alkohol, Zigaretten oder anderen Substanzen
  • Vernachlässigung von Hobbys und sozialen Kontakten
  • Verändertes Essverhalten (zu viel oder zu wenig)

Selbstfürsorge – Was du selbst tun kannst

1. Bewegung und Sport

Sport ist einer der effektivsten natürlichen Antidepressiva. Regelmäßige Bewegung reduziert Stresshormone, verbessert den Schlaf und hebt die Stimmung. Finde eine Aktivität, die dir Spaß macht – ob Joggen, Schwimmen, Tanzen oder Krafttraining.

2. Schlafhygiene

Guter Schlaf ist die Grundlage für mentale Gesundheit:

  • Regelmäßige Schlafzeiten (auch am Wochenende)
  • 7–9 Stunden pro Nacht
  • Kein Bildschirm 1 Stunde vor dem Schlafen
  • Dunkles, kühles Schlafzimmer
  • Kein Koffein nach 14 Uhr

3. Soziale Kontakte pflegen

Isolation ist einer der größten Risikofaktoren für psychische Probleme. Halte den Kontakt zu Freunden und Familie, auch wenn du müde bist. Schon ein kurzes Telefonat oder eine Nachricht kann helfen.

4. Achtsamkeit und Entspannung

  • Meditation: Schon 10 Minuten täglich können den Stresspegel senken. Apps wie Headspace, Calm oder 7Mind bieten geführte Meditationen.
  • Atemübungen: Die 4-7-8-Technik (4 Sek. einatmen, 7 Sek. halten, 8 Sek. ausatmen) beruhigt sofort.
  • Tagebuch schreiben: Gedanken aufschreiben hilft, sie zu sortieren und Grübelschleifen zu durchbrechen.
  • Natur: Zeit im Grünen verbringen senkt nachweislich den Cortisolspiegel.

5. Grenzen setzen

Lerne, Nein zu sagen – zu Überstunden, zu Veranstaltungen, die dich stressen, zu Erwartungen, die du nicht erfüllen kannst. Deine Grenzen zu kennen und zu kommunizieren ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstbewusstsein.

6. Ernährung

Was du isst, beeinflusst, wie du dich fühlst. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Wasser unterstützt deine mentale Gesundheit. Reduziere Zucker, Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel.

Hilfsangebote für Azubis

Kostenlose und niedrigschwellige Angebote

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (24/7, kostenlos, anonym)
  • Krisenchat: Per WhatsApp oder SMS – rund um die Uhr, kostenlos
  • Nummer gegen Kummer: 116 111 (kostenlos, anonym, für junge Menschen)
  • Online-Beratung: jugendnotmail.de, bke-jugendberatung.de

Beratungsstellen

  • Psychologische Beratungsstellen: Fast jede Stadt hat kostenlose Beratungsangebote für junge Menschen.
  • Ausbildungsberatung: IHK und HWK beraten auch bei psychischen Belastungen in der Ausbildung.
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement: Manche größeren Betriebe bieten Mitarbeiterberatung (EAP) an.

Professionelle Therapie

Wenn die Belastung anhaelt und Selbsthilfe nicht ausreicht, ist eine professionelle Therapie der richtige Schritt:

  • Hausarzt: Erster Ansprechpartner, kann Ueberweisung ausstellen
  • Psychotherapeut: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Therapie – Kosten uebernimmt die Krankenkasse
  • Terminservice: Ueber die 116 117 erhaeltst du schneller einen Therapieplatz
  • Psychiatrische Institutsambulanzen: Fuer akute Krisen, ohne Wartezeit

Stigma ueberwinden

Leider gibt es immer noch Vorurteile gegenueber psychischen Problemen. Manche Azubis scheuen sich, Hilfe zu suchen, weil sie Angst haben, als schwach zu gelten oder ihren Ausbildungsplatz zu verlieren. Dazu ist Folgendes wichtig zu wissen:

  • Psychische Probleme sind keine Schwaeche. Sie koennen jeden treffen und sind medizinisch behandelbar.
  • Dein Arbeitgeber erfaehrt nichts von deiner Therapie oder Beratung. Die Schweigepflicht gilt.
  • Du kannst nicht wegen psychischer Probleme gekuendigt werden, solange du deine Arbeit noch erledigst.
  • Sich Hilfe zu holen, ist ein Zeichen von Staerke, nicht von Schwaeche.

Wenn ein Kollege Hilfe braucht

Manchmal merkst du, dass es einem Mitazubi oder Kollegen nicht gut geht. Was du tun kannst:

  • Ansprechen: "Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit anders drauf bist. Ist alles okay?"
  • Zuhoeren: Manchmal reicht es, einfach da zu sein und zuzuhoeren.
  • Keine Ratschlaege erzwingen: Biete Unterstuetzung an, aber draenge dich nicht auf.
  • Hilfe vermitteln: Weise auf Beratungsangebote hin.
  • Bei akuter Gefahr: Hole sofort Hilfe (Notruf 112, Telefonseelsorge).

Fazit: Deine mentale Gesundheit zaehlt

Deine mentale Gesundheit ist das Fundament fuer alles andere – fuer deine Ausbildung, deine Beziehungen und dein gesamtes Leben. Nimm Warnsignale ernst, pflege deine Selbstfuersorge und scheue dich nicht, Hilfe anzunehmen. Es gibt zahlreiche kostenlose und vertrauliche Angebote, die dir zur Seite stehen. Du bist nicht allein, und es ist absolut in Ordnung, Unterstuetzung zu suchen. Denn Staerke zeigt sich nicht darin, alles alleine durchzustehen, sondern darin, zu erkennen, wann man Hilfe braucht.

Häufige Fragen

Erfaehrt mein Betrieb, wenn ich in Therapie bin?
Nein, dein Arbeitgeber erfaehrt nichts von einer Therapie oder psychologischen Beratung. Therapeuten und Berater unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Auf der Krankschreibung steht keine Diagnose – dein Betrieb sieht nur, dass du krankgeschrieben bist.
Kann ich wegen psychischer Probleme meinen Ausbildungsplatz verlieren?
Nein, psychische Erkrankungen sind wie koerperliche Erkrankungen durch das Kuendigungsschutzgesetz geschuetzt. Solange du deiner Ausbildung nachkommen kannst und dich ordnungsgemaess krankmeldest, ist eine Kuendigung aus diesem Grund nicht zulaessig.
Wie finde ich schnell einen Therapieplatz?
Rufe die Terminservicestelle unter 116 117 an – sie vermittelt innerhalb von 4 Wochen ein Erstgespraech. Alternativ kannst du psychiatrische Institutsambulanzen aufsuchen (ohne Wartezeit) oder Online-Therapieangebote nutzen, die manche Krankenkassen bezahlen.
Was kostet eine Therapie?
Psychotherapie bei einem zugelassenen Therapeuten wird vollstaendig von der gesetzlichen Krankenkasse uebernommen. Du zahlst keine Zuzahlung. Auch die probatorischen Sitzungen (Kennenlernsitzungen) sind kostenlos. Kostenlose Alternativen sind die Telefonseelsorge, Krisenchat und psychologische Beratungsstellen.

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Stand: Februar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr