Mobil sein in der Ausbildung
Mobilität ist für Azubis ein zentrales Thema. Du musst täglich zum Ausbildungsbetrieb kommen, regelmäßig zur Berufsschule und vielleicht auch noch zu überbetrieblichen Lehrgaengen. Je nach Wohnort und Lage des Betriebs kann das eine echte Herausforderung sein – besonders wenn du noch keinen Führerschein hast oder dir kein Auto leisten kannst.
In diesem Ratgeber erfährst du alles über günstige Mobilitätsoptionen für Azubis, Zuschüsse und Fördermöglichkeiten.
Das Deutschlandticket
Das Deutschlandticket (ehemals 49-Euro-Ticket) ist für viele Azubis die beste Lösung für den täglichen Pendelweg:
- Preis: 49 Euro pro Monat (Stand 2025)
- Gültigkeit: Im gesamten öffentlichen Nahverkehr in Deutschland (Busse, Bahnen, Straßenbahnen, S-Bahnen, Regionalbahnen)
- Nicht gültig: Im Fernverkehr (ICE, IC, EC) und in der 1. Klasse
- Kündigung: Monatlich kündbar
Vergue nstigtes Deutschlandticket
Viele Bundesländer und Verkehrsverbuende bieten ein verguenstigtes Deutschlandticket für Azubis an. In manchen Regionen kostet es nur 29–39 Euro statt 49 Euro. Informiere dich bei deinem lokalen Verkehrsverbund!
Arbeitgeberzuschuss
Manche Betriebe bezuschussen das Deutschlandticket oder übernehmen es sogar komplett. Der Zuschuss ist für den Arbeitgeber steuer- und sozialabgabenfrei – es lohnt sich also, bei deinem Betrieb nachzufragen.
Azubi-Tickets der Verkehrsverbünde
Neben dem Deutschlandticket bieten viele Verkehrsverbünde spezielle Azubi-Monats- oder Jahreskarten an, die günstiger sein können:
- VRS (Köln/Bonn): Azubi-Ticket für das gesamte VRS-Netz
- VRR (Ruhrgebiet): Azubi-Monatsticket zu Sonderkonditionen
- MVV (München): Ausbildungstarif
- BVG/VBB (Berlin/Brandenburg): Azubi-Ticket
Vergleiche immer die Kosten mit dem Deutschlandticket – manchmal ist das eine günstiger, manchmal das andere.
Fahrtkostenzuschuss vom Betrieb
Viele Ausbildungsbetriebe zahlen einen Fahrtkostenzuschuss oder übernehmen die Fahrtkosten komplett. Das ist gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, aber in vielen Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen geregelt.
Steuerliche Aspekte
Der Fahrtkostenzuschuss ist unter bestimmten Bedingungen steuer- und sozialabgabenfrei:
- Als Jobticket (Zuschuss zum OEPNV-Ticket): Steuerfrei als Sachbezug
- Als Geldleistung: Wird auf die Entfernungspauschale angerechnet
Frage bei deiner Personalabteilung nach den genauen Regelungen.
Führerschein – Finanzierung und Tipps
Der Führerschein ist teuer – je nach Region kostet er zwischen 2.500 und 4.500 Euro. Als Azubi stellt das eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Hier sind einige Möglichkeiten zur Finanzierung:
Ratenzahlung bei der Fahrschule
Viele Fahrschulen bieten Ratenzahlung an. Kläre die Konditionen (Zinsen, Laufzeit) vorab und vergleiche verschiedene Fahrschulen.
Unterstützung durch den Betrieb
Manche Betriebe übernehmen die Führerscheinkosten teilweise oder komplett – besonders wenn du den Führerschein für die Ausbildung brauchst (z.B. als Kfz-Mechatroniker, Berufskraftfahrer oder Außendienstmitarbeiter). Frag nach!
Führerschein mit 17 (BF17)
Mit dem begleiteten Fahren ab 17 (BF17) kannst du schon vor Ausbildungsbeginn oder während der Ausbildung den Führerschein machen und mit einer eingetragenen Begleitperson fahren. Ab 18 darfst du dann alleine fahren.
Fördermöglichkeiten
- Bildungsgutschein: In seltenen Fällen beteiligt sich die Agentur für Arbeit an den Führerscheinkosten, wenn er für die Ausbildung zwingend erforderlich ist.
- Stiftungen: Einige regionale Stiftungen vergeben Zuschüsse für den Führerschein.
- KfW-Kredit: Bildungskredite können theoretisch auch für den Führerschein genutzt werden.
Fahrrad und E-Bike
Das Fahrrad ist oft die günstigste und gesündeste Option:
- Kein Ticketkauf, kein Tanken, keine Parkplatzsuche
- Gut für die Gesundheit – Bewegung am Morgen macht wach und fit
- E-Bikes: Für längere Strecken oder hügeliges Gelände. Manche Betriebe bieten Dienstrad-Leasing (JobRad) auch für Azubis an.
- Gebrauchte Fahrräder: Auf Flohmärkten, bei eBay Kleinanzeigen oder bei städtischen Fahrradverleih-Systemen günstig erhältlich.
Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten
- Kollegen fragen: Gibt es Kollegen oder Mitazubis, die auf der gleichen Strecke fahren? Fahrgemeinschaften sparen Geld und sind geselliger.
- Apps nutzen: BlaBlaCar, flinc oder lokale Mitfahrbörsen
- Aushang im Betrieb: Ein Zettel am Schwarzen Brett bringt oft Mitfahrer zusammen.
Steuern: Fahrtkosten absetzen
Auch als Azubi kannst du Fahrtkosten steuerlich geltend machen:
- Entfernungspauschale: 0,30 Euro pro Kilometer einfache Strecke zum Betrieb (ab dem 21. km: 0,38 Euro)
- Berufsschule: Fahrten zur Berufsschule können als Reisekosten abgesetzt werden (Hin- und Rückweg)
- Wichtig: Nur relevant, wenn du überhaupt Steuern zahlst. Lohnt sich trotzdem, weil überzahlte Steuern zurückerstattet werden.
Tipps für die optimale Mobilitätslösung
- Rechne genau durch: Was kosten dich die verschiedenen Optionen pro Monat? Oft ist eine Kombination am günstigsten (z.B. Fahrrad + OEPNV bei schlechtem Wetter).
- Zeitfaktor berücksichtigen: Manchmal ist die günstigste Option nicht die schnellste. Rechne die gesparte oder verlorene Zeit mit ein.
- Frag deinen Betrieb: Fahrtkostenzuschüsse, Jobticket, Dienstrad, Parkplatz – viele Betriebe unterstützen die Mobilität ihrer Azubis.
- Nimm an Aktionen teil: Stadttradeln, Bike-to-Work und ähnliche Aktionen bieten oft Preise und motivieren zum Radfahren.
Fazit: Mobil trotz knappem Budget
Mobilität muss nicht teuer sein. Mit dem Deutschlandticket, Azubi-Verguenstigungen, Fahrtkostenzuschüssen und cleveren Alternativen wie Fahrrad oder Fahrgemeinschaften kommst du zuverlässig und bezahlbar zum Ausbildungsplatz und zur Berufsschule. Vergleiche die verschiedenen Optionen, nutze alle Zuschüsse und Fördermöglichkeiten und scheue dich nicht, bei deinem Betrieb nachzufragen – viele Arbeitgeber unterstützen ihre Azubis gerne bei der Mobilität.