Ausbildung allgemein1. Februar 2026

Weiterbildung nach der Ausbildung – Deine Möglichkeiten

Meister, Techniker, Fachwirt oder Studium? Entdecke alle Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung und erfahre, wie du sie finanzieren kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Meister, Techniker und Fachwirt sind auf DQR-Niveau 6 und dem Bachelor gleichgestellt
  • Der Geprüfte Betriebswirt (IHK) ist auf Master-Niveau eingestuft
  • Aufstiegs-BAföG deckt bis zu 75% der Lehrgangskosten als Zuschuss ab
  • Mit Meister oder Fachwirt erhältst du die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
  • Das Weiterbildungsstipendium fördert besonders gute Absolventen mit bis zu 8.700 Euro

Warum Weiterbildung so wichtig ist

Die Arbeitswelt verändert sich rasant – Digitalisierung, neue Technologien und sich wandelnde Anforderungen machen lebenslanges Lernen unverzichtbar. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung hast du eine solide Grundlage, aber um beruflich aufzusteigen, mehr zu verdienen und zukunftssicher zu bleiben, lohnt sich eine Weiterbildung.

Die gute Nachricht: Es gibt in Deutschland ein umfangreiches System an Weiterbildungsmöglichkeiten, das speziell auf Absolventen einer dualen Ausbildung zugeschnitten ist. Und die Finanzierung ist dank staatlicher Förderung oft günstiger, als du denkst.

Die wichtigsten Weiterbildungswege

Meister/in (IHK oder HWK)

Der Meisterbrief ist die bekannteste und traditionsreichste Aufstiegsfortbildung – vor allem im Handwerk, aber auch in industriellen Berufen (Industriemeister). Seit 2012 ist der Meister auf DQR-Niveau 6 eingestuft und damit dem Bachelor gleichgestellt.

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene Berufsausbildung im jeweiligen Fachgebiet
  • In der Regel einige Jahre Berufserfahrung (variiert je nach Handwerk)

Dauer:

  • Vollzeit: 6 bis 12 Monate
  • Teilzeit (berufsbegleitend): 2 bis 4 Jahre

Vorteile:

  • Berechtigung zur Betriebsführung und Selbstständigkeit
  • Recht, selbst auszubilden
  • Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
  • Deutlich höheres Gehalt (im Schnitt 20-30 % mehr als Gesellen)
  • Hohe Anerkennung in der Branche

Techniker/in

Die staatlich geprüfte Techniker-Ausbildung richtet sich an Fachkräfte aus technischen Berufen. Sie ist eine der umfassendsten Weiterbildungen und ebenfalls auf DQR-Niveau 6.

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene Ausbildung in einem technischen Beruf
  • Mindestens 1 Jahr Berufserfahrung

Dauer:

  • Vollzeit: 2 Jahre
  • Teilzeit: 3 bis 4 Jahre

Fachrichtungen:

  • Maschinenbautechnik
  • Elektrotechnik
  • Bautechnik
  • Informatiktechnik
  • Umwelttechnik
  • und viele mehr

Vorteile:

  • Führungspositionen in der Technik
  • Projektleitung und Teamverantwortung
  • Deutlich höheres Gehalt
  • Hochschulzugangsberechtigung

Fachwirt/in (IHK)

Der Fachwirt ist das kaufmännische Pendant zum Meister. Es gibt zahlreiche Fachrichtungen, die auf verschiedene Branchen zugeschnitten sind. Auch der Fachwirt ist auf DQR-Niveau 6.

Beliebte Fachrichtungen:

  • Wirtschaftsfachwirt: Branchenübergreifend, sehr vielseitig
  • Industriefachwirt: Für die Industrie
  • Handelsfachwirt: Für den Handel
  • Personalfachwirt: Für das Personalwesen
  • Tourismusfachwirt: Für die Reisebranche
  • Bankfachwirt: Für die Finanzbranche

Dauer: 3 bis 18 Monate (Vollzeit) bzw. 18 bis 24 Monate (Teilzeit)

Betriebswirt/in (IHK)

Der Geprüfte Betriebswirt ist die höchste IHK-Fortbildung und auf DQR-Niveau 7 eingestuft – gleichwertig mit einem Master-Abschluss. Er baut in der Regel auf einem Fachwirt oder Meister auf.

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene Aufstiegsfortbildung (z. B. Fachwirt, Meister) oder
  • Abgeschlossene Ausbildung + 6 Jahre Berufserfahrung

Inhalte:

  • Unternehmensführung und -steuerung
  • Marketing und Vertrieb
  • Finanzierung und Controlling
  • Personalmanagement
  • Projektmanagement

Studium nach der Ausbildung

Auch ohne Abitur ist ein Studium möglich – mit einer Ausbildung als Grundlage:

  • Mit Meister/Fachwirt/Techniker: Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung an allen Hochschulen
  • Mit Ausbildung + 3 Jahre Berufserfahrung: Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung (studieren im erlernten Bereich)

Studienformate:

  • Vollzeitstudium: Klassisch an der Hochschule
  • Duales Studium: Kombination aus Studium und Berufstätigkeit
  • Fernstudium: Berufsbegleitend, flexible Zeiteinteilung
  • Abendstudium: Vorlesungen am Abend und am Wochenende

Finanzierungsmöglichkeiten

Die Finanzierung einer Weiterbildung muss kein Hindernis sein. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten:

Aufstiegs-BAföG

Das Aufstiegs-BAföG (früher Meister-BAföG) ist die wichtigste Förderung für Aufstiegsfortbildungen:

  • Lehrgangskosten: Bis zu 15.000 Euro, davon 50 % als Zuschuss (muss nicht zurückgezahlt werden)
  • Bei Bestehen der Prüfung: Weitere 50 % des Darlehens werden erlassen – effektiv 75 % Zuschuss
  • Lebenshaltungskosten: Monatlicher Zuschuss (einkommensabhängig)
  • Prüfungsgebühren: Werden ebenfalls gefördert

Bildungsgutschein

Die Agentur für Arbeit kann die gesamten Kosten einer Weiterbildung übernehmen, wenn sie die berufliche Eingliederung fördert.

Weiterbildungsstipendium

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) vergibt Stipendien für besonders begabte Absolventen einer Berufsausbildung. Voraussetzung: Abschlussprüfung mit Note 1,9 oder besser (oder besondere Empfehlung).

  • Förderhöhe: bis zu 8.700 Euro über 3 Jahre
  • Für fachliche und fachübergreifende Weiterbildungen

Bildungsprämie und Länderförderungen

Viele Bundesländer bieten eigene Förderprogramme an (z. B. Bildungsscheck NRW, QualiScheck Rheinland-Pfalz). Informiere dich bei deiner örtlichen Kammer oder der Agentur für Arbeit.

Steuerliche Vorteile

Weiterbildungskosten können als Werbungskosten in der Steuererklärung abgesetzt werden – dazu gehören Kursgebühren, Fahrtkosten, Fachliteratur und Prüfungsgebühren.

Welche Weiterbildung passt zu mir?

Die Wahl der richtigen Weiterbildung hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Berufsziel: Was willst du langfristig machen? Führung, Spezialisierung, Selbstständigkeit?
  • Zeitbudget: Kannst du in Vollzeit lernen oder muss es berufsbegleitend sein?
  • Finanzen: Welche Förderung kannst du nutzen?
  • Branche: Welche Qualifikationen werden in deiner Branche besonders geschätzt?
  • Persönliche Stärken: Bist du eher der praktische oder der theoretische Typ?

Tipps für die Weiterbildung

  • Informiere dich umfassend: Besuche Infoveranstaltungen, sprich mit Absolventen
  • Plane realistisch: Berufsbegleitende Weiterbildung erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen
  • Nutze alle Förderungen: Beantrage Aufstiegs-BAföG, Stipendien und steuerliche Absetzung
  • Bleib am Ball: Auch nach der formalen Weiterbildung solltest du dich stetig weiterentwickeln
  • Netzwerke aufbauen: Kontakte aus Weiterbildungskursen sind wertvoll für deine Karriere

Digitale Weiterbildung und Online-Lernen

Die Digitalisierung hat auch die Weiterbildungslandschaft verändert. Heute gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich online weiterzubilden:

Online-Kurse und E-Learning

Plattformen wie LinkedIn Learning, Udemy, Coursera und viele andere bieten tausende Kurse zu fast jedem Thema – von Programmierung über Marketing bis hin zu Soft Skills. Viele Kurse sind günstig oder sogar kostenlos und lassen sich flexibel neben dem Beruf absolvieren.

IHK-Zertifikatslehrgänge

Die IHK-Akademien bieten zunehmend auch Online-Lehrgänge mit anerkanntem Abschluss an. Diese Zertifikate sind bei Arbeitgebern anerkannt und können einen Karriereschub geben, ohne dass du eine vollständige Aufstiegsfortbildung absolvieren musst.

Micro-Credentials und Nanodegrees

Ein Trend in der Weiterbildung sind Micro-Credentials – kurze, kompakte Qualifikationen in einem spezifischen Fachgebiet. Sie dauern oft nur wenige Wochen und sind besonders in der IT-Branche verbreitet. Nanodegrees von Anbietern wie Udacity kombinieren Online-Lernen mit praxisnahen Projekten.

Webinare und Podcasts

Auch Webinare und Fach-Podcasts sind eine niedrigschwellige Form der Weiterbildung. Sie eignen sich besonders gut, um am Puls der Zeit zu bleiben und neue Trends in deiner Branche zu verfolgen.

Wichtig bei der digitalen Weiterbildung: Achte auf die Qualität und Anerkennung der Abschlüsse. Nicht jedes Online-Zertifikat hat bei Arbeitgebern den gleichen Stellenwert. IHK-Zertifikate und Abschlüsse akkreditierter Hochschulen sind in der Regel die verlässlichste Wahl.

Branchenspezifische Weiterbildungen

Neben den klassischen Aufstiegsfortbildungen gibt es in vielen Branchen spezifische Weiterbildungen, die deine Karriere voranbringen können. Im Gesundheitswesen etwa sind Fachweiterbildungen in Bereichen wie Intensivpflege, Onkologie oder Anästhesie sehr gefragt. Im Handwerk bieten die Handwerkskammern Spezialisierungskurse an, zum Beispiel im Bereich Energieeffizienz oder Smart-Home-Technik. In der IT-Branche sind Herstellerzertifizierungen von Microsoft, Cisco, AWS oder Google oft wertvoller als formale Abschlüsse. Und im kaufmännischen Bereich können Zusatzqualifikationen in Projektmanagement (z. B. PRINCE2, Scrum Master) oder SAP-Kenntnisse einen deutlichen Gehaltssprung bewirken.

Fazit

Weiterbildung nach der Ausbildung ist eine Investition in deine Zukunft, die sich fast immer lohnt – finanziell, persönlich und karrieretechnisch. Ob Meister, Fachwirt, Techniker oder Studium: Die Möglichkeiten sind vielfältig und dank staatlicher Förderung gut finanzierbar. Informiere dich gründlich, wähle den richtigen Weg für dich und starte durch. Deine Ausbildung war der Anfang – jetzt kannst du deine Karriere auf das nächste Level heben.

Häufige Fragen

Ist der Meister wirklich dem Bachelor gleichgestellt?
Ja, seit 2012 ist der Meister auf DQR-Niveau 6 eingestuft, genau wie der Bachelor. Das bedeutet nicht, dass die Abschlüsse identisch sind, aber sie sind auf dem gleichen Qualifikationsniveau angesiedelt. Der Meister berechtigt auch zum Studium an allen Hochschulen.
Wie finanziere ich eine Weiterbildung neben dem Beruf?
Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75% der Kursgebühren als Zuschuss. Zusätzlich kannst du Bildungsgutscheine, Stipendien und Länderförderungen nutzen. Weiterbildungskosten sind außerdem steuerlich absetzbar.
Kann ich nach der Ausbildung ohne Abitur studieren?
Ja, mit einem Meister, Fachwirt oder Techniker hast du die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Mit einer Ausbildung und mindestens 3 Jahren Berufserfahrung kannst du fachgebunden studieren – also in dem Bereich, in dem du ausgebildet wurdest.
Wie lange dauert eine Aufstiegsfortbildung?
Das hängt von der Art der Weiterbildung und dem Format ab. In Vollzeit dauert ein Meister 6-12 Monate, ein Techniker 2 Jahre und ein Fachwirt 3-18 Monate. In Teilzeit (berufsbegleitend) verlängert sich die Dauer entsprechend.

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Stand: Februar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr