Warum bietet die Ausbildung zum Fachinformatiker so gute Perspektiven?
Fachinformatiker werden in fast allen Branchen gebraucht, weil heute kaum ein Betrieb ohne IT-Systeme und Software auskommt. Nach der Ausbildung liegen die mittleren Gehälter im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit über dem Median aller Vollzeitbeschäftigten von 4.217 Euro (2025).
Ein Selbstläufer ist der Einstieg aber nicht mehr: In der Softwareentwicklung sieht die Bundesagentur in ihrer Engpassanalyse 2025 keinen Fachkräfteengpass mehr. In diesem Guide erfährst du alles über die vier Fachrichtungen, die Prüfung, das Gehalt und deine Weiterbildungsmöglichkeiten.
Welche Fachrichtungen gibt es beim Fachinformatiker?
Seit der Neuordnung 2020 gibt es vier Fachrichtungen. Zu den etablierten Richtungen Systemintegration und Anwendungsentwicklung kamen Daten- und Prozessanalyse und Digitale Vernetzung dazu.
Fachinformatiker für Systemintegration (FISI)
Du bist der IT-Infrastruktur-Experte. Deine Aufgaben umfassen:
Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken. Installation und Konfiguration von Servern, Betriebssystemen und Software. Administration von Cloud-Diensten und virtuellen Umgebungen. IT-Sicherheit: Firewalls, Virenscanner, Zugriffsrechte. Fehleranalyse und Störungsbeseitigung (IT-Support). Beratung und Schulung von Anwendern.
Der FISI ist ideal für dich, wenn du gerne mit Hardware und Netzwerken arbeitest und die Rolle des IT-Problemlösers magst.
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (FIAE)
Du bist der Softwareentwickler. Deine Aufgaben umfassen:
Programmierung und Entwicklung von Softwarelösungen. Design und Implementierung von Datenbanken. Testen und Debuggen von Anwendungen. Entwicklung von Web-Applikationen und Apps. Erstellung von technischer Dokumentation. Agile Softwareentwicklung (Scrum, Kanban).
Der FIAE ist ideal für dich, wenn du logisch denkst, gerne programmierst und kreative Lösungen für technische Probleme entwickeln willst.
Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse
Diese Fachrichtung gibt es seit 2020. Sie konzentriert sich auf Datenanalyse, Business Intelligence und Prozessoptimierung. Du lernst, große Datenmengen auszuwerten, Geschäftsprozesse zu analysieren und datenbasierte Entscheidungsgrundlagen zu liefern.
Fachinformatiker für Digitale Vernetzung
Auch diese Fachrichtung gibt es seit 2020. Hier geht es um vernetzte Systeme, Internet der Dinge und Industrie 4.0. Du lernst, wie Maschinen, Geräte und Systeme miteinander kommunizieren und sicher vernetzt werden.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Fachinformatiker und wie ist sie aufgebaut?
Die Ausbildung dauert 3 Jahre im dualen System aus Betrieb und Berufsschule. Auf Antrag kann sie verkürzt werden, etwa mit Abitur oder bei guten Leistungen (§ 8 BBiG).
Gemeinsame Ausbildungsinhalte
In den ersten 18 Monaten lernst du in allen Fachrichtungen ähnliche Grundlagen, danach spezialisierst du dich. Dazu gehören zum Beispiel:
IT-Grundlagen: Hardware, Betriebssysteme, Netzwerke.
Programmierung: Grundlagen der Softwareentwicklung und Algorithmen.
Daten: Datenbanken und Umgang mit Daten.
IT-Sicherheit und Datenschutz: Sicherheitskonzepte und Schutz von Daten.
Kundenaufträge: Planen, Umsetzen und Dokumentieren von IT-Aufträgen.
Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung ist gestreckt. Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt und prüft im Bereich „Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes“ schriftlich in 90 Minuten die Inhalte der ersten 18 Monate. Er zählt 20 Prozent.
In Teil 2 am Ende der Ausbildung führst du eine betriebliche Projektarbeit durch, dokumentierst sie, präsentierst sie und führst ein Fachgespräch (zusammen höchstens 30 Minuten). Dieser Prüfungsbereich zählt 50 Prozent. Dazu kommen zwei fachrichtungsbezogene schriftliche Prüfungsbereiche mit je 10 Prozent und Wirtschafts- und Sozialkunde mit 10 Prozent.
| Fachrichtung | Projektarbeit mit Dokumentation |
|---|---|
| Anwendungsentwicklung | höchstens 80 Stunden |
| Systemintegration | höchstens 40 Stunden |
| Daten- und Prozessanalyse | höchstens 40 Stunden |
| Digitale Vernetzung | höchstens 40 Stunden |
Vor dem Projekt reichst du beim Prüfungsausschuss eine Projektbeschreibung mit Ausgangssituation, Ziel und Zeitplanung zur Genehmigung ein.
Welche Voraussetzungen brauchst du für die Ausbildung zum Fachinformatiker?
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis hatten 2024 in der Systemintegration 49 Prozent der Anfänger die Hochschulreife und 43 Prozent einen mittleren Abschluss, in der Anwendungsentwicklung 60 Prozent die Hochschulreife und 31 Prozent einen mittleren Abschluss.
Auch mit einem guten mittleren Abschluss und echtem IT-Interesse hast du also Chancen. Wichtig sind diese Stärken:
- Logisches und analytisches Denken
- Englischkenntnisse, etwa um Anleitungen und Dokumentationen zu verstehen
- Mathe, zum Beispiel für Algorithmen und Kalkulationen
- Teamfähigkeit, denn IT-Projekte entstehen gemeinsam
- Lernbereitschaft, weil sich Technik ständig ändert
Programmierkenntnisse sind keine Pflicht, aber ein Vorteil. Wer schon mit Python, Java oder HTML experimentiert hat, zeigt Interesse und Eigeninitiative.
Was verdienen Fachinformatiker in der Ausbildung und danach?
In der Metall- und Elektroindustrie liegt die tarifliche Ausbildungsvergütung im 1. Jahr je nach Bundesland bei 1.243 bis 1.373 Euro brutto, im Elektrohandwerk bei 800 bis 1.140 Euro. Nach der Ausbildung verdienen Fachkräfte in der Softwareentwicklung im Median 4.612 Euro und in der Informatik 5.189 Euro brutto im Monat.
Ausbildungsvergütung
| Ausbildungsjahr | Metall- und Elektroindustrie | Elektrohandwerk |
|---|---|---|
| 1. Ausbildungsjahr | 1.243 bis 1.373 € | 800 bis 1.140 € |
| 2. Ausbildungsjahr | 1.298 bis 1.408 € | 854 bis 1.190 € |
| 3. Ausbildungsjahr | 1.379 bis 1.489 € | 977 bis 1.290 € |
Die Werte sind tarifliche Beispiele je nach Bundesland aus dem BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit (Metall- und Elektroindustrie: WSI-Tarifarchiv, Stand April 2026). Im kommunalen öffentlichen Dienst gibt es nach TVAöD seit Mai 2026 1.368,26 Euro im 1. Jahr. Ohne Tarifbindung gilt mindestens die Mindestausbildungsvergütung, bei Beginn 2026 sind das 724 Euro im 1. Jahr.
Gehalt nach der Ausbildung
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zeigt mittlere Bruttomonatsgehälter (Median) von Fachkräften in Vollzeit zum Stichtag 31.12.2025:
| Berufsgruppe | Median gesamt | Median unter 25 |
|---|---|---|
| Informatik, z. B. Systemintegration (KldB 43102) | 5.189 € | 3.786 € |
| Softwareentwicklung (KldB 43412) | 4.612 € | 3.622 € |
| Wirtschaftsinformatik und Datenanalyse (KldB 43112) | 4.945 € | 3.676 € |
| IT-Netzwerktechnik (KldB 43312) | 4.447 € | keine Angabe |
Für Berufseinsteiger sind die Werte der unter 25-Jährigen aussagekräftiger. Wie viel du verdienst, hängt außerdem stark von Region, Branche, Betriebsgröße und Tarifbindung ab.
Welche Karrierechancen hast du als Fachinformatiker?
Nach der Ausbildung kannst du dich mit Zertifikaten spezialisieren, eine geregelte Aufstiegsfortbildung machen oder studieren. Hier ein Überblick:
Zertifizierungen: Herstellerzertifikate, etwa zu Cloud, Netzwerken oder Linux, belegen Spezialwissen und können bei der Jobsuche helfen.
IT-Projektleiter/in: Mit Erfahrung und Zertifizierungen (z. B. PRINCE2, PMP, Scrum Master) übernimmst du die Leitung von IT-Projekten.
Geprüfte/r Berufsspezialist/in: zum Beispiel für IT-Beratung oder Informationssicherheit.
Bachelor Professional in IT: bundesweit einheitlich geregelte Aufstiegsfortbildung (Prüfungsverordnung vom 24.09.2024). Zugelassen wirst du in der Regel mit einem Abschluss in einem IT-Ausbildungsberuf.
Studium: Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Software Engineering. Mit Ausbildung und Berufserfahrung ist ein Studium unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Abitur möglich.
Selbstständigkeit: Mit Erfahrung kannst du auch als Freelancer oder mit eigener IT-Firma arbeiten.
Systemintegration vs. Anwendungsentwicklung: Was passt zu mir?
Systemintegration passt zu dir, wenn du lieber mit Systemen und Netzwerken arbeitest, Anwendungsentwicklung, wenn du lieber programmierst. Beide Wege führen zu gut bezahlten IT-Jobs.
Wähle Systemintegration, wenn du: gerne mit Hardware arbeitest, Netzwerke faszinierend findest, Probleme lösen und Fehler aufspüren magst, den direkten Kontakt mit Anwendern schätzt und Server, Cloud und IT-Sicherheit spannend findest.
Wähle Anwendungsentwicklung, wenn du: gerne programmierst oder es lernen willst, logische Rätsel und Algorithmen magst, kreative Lösungen entwickeln möchtest, gerne im Team an Softwareprojekten arbeitest und Web- oder App-Entwicklung dich begeistert.
Wie überzeugst du bei der Bewerbung als Fachinformatiker?
Am meisten überzeugst du mit eigenen IT-Projekten, Neugier und gezielten Bewerbungen. Auch ein gutes Ergebnis im Einstellungstest hilft.
Eigene Projekte zeigen: Ein GitHub-Profil, eine selbst erstellte Website oder ein privates IT-Projekt zeigen, was du kannst. Zeige, dass du dich in deiner Freizeit mit IT beschäftigst.
Technische Vorkenntnisse: Erwähne alle IT-Kenntnisse, auch wenn sie aus dem Hobby kommen. Programmiersprachen, Netzwerkkenntnisse, Linux-Erfahrung oder Zertifikate aus Online-Kursen.
Logisches Denken beweisen: Manche Unternehmen setzen Einstellungstests mit Logikaufgaben ein. Übe solche Aufgaben vorab, zum Beispiel mit unserem Ratgeber zum Einstellungstest.
Branchenrecherche: Bewirb dich gezielt bei Unternehmen, die zu deiner bevorzugten Fachrichtung passen. Ein reines Software-Unternehmen für FIAE, ein IT-Dienstleister oder Systemhaus für FISI.
Auf welchen Quellen basiert dieser Artikel?
Die Angaben stammen aus der Fachinformatiker-Ausbildungsverordnung, dem BERUFENET und dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, deren Engpassanalyse und dem Berufsbildungsgesetz, zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026:
Fachinformatikerausbildungsverordnung (FIAusbV), BERUFENET: Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung, BERUFENET: Fachinformatiker/in Systemintegration, BERUFENET: Bachelor Professional in IT, Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse 2025, Bundesagentur für Arbeit: Entgelte 2025, § 8 BBiG, Mindestausbildungsvergütung 2026