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Ausbildung allgemeinVon der Genieportal-Redaktion · Aktualisiert am

Ausbildung im öffentlichen Dienst: Berufe, Gehalt, Vorteile

Ausbildung im öffentlichen Dienst: Berufe, Vergütung nach TVAöD seit Mai 2026, Urlaub, Übernahme, Bewerbung und Einstellungstest im Überblick.

Das Wichtigste in Kürze

  • ✓Seit Mai 2026 gibt es nach TVAöD 1.368,26 Euro im 1. Ausbildungsjahr, in der Pflege 1.490,69 Euro
  • ✓30 Tage Urlaub, ab 2027 bei kommunalen Arbeitgebern 31 Tage
  • ✓Jahressonderzahlung, vermögenswirksame Leistungen und 400 Euro Abschlussprämie
  • ✓Nur 9,0 Prozent der Verträge im öffentlichen Dienst wurden 2024 vorzeitig gelöst
  • ✓Große Behörden nehmen Bewerbungen oft ein bis eineinhalb Jahre vorher an

Warum lohnt sich eine Ausbildung im öffentlichen Dienst?

Der öffentliche Dienst ist ein großer Arbeitgeber mit tariflich geregelter Vergütung, festen Urlaubsansprüchen und geringer Abbruchquote. Zum 30. Juni 2025 arbeiteten rund 5,5 Millionen Menschen für Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen (Statistisches Bundesamt, vorläufige Ergebnisse).

Auch die Ausbildung ist dort meist stabil: Im Zuständigkeitsbereich öffentlicher Dienst wurden 2024 nur 9,0 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, im Durchschnitt aller Bereiche waren es 29,7 Prozent (BIBB).

Das Wichtigste vorweg: Eine Ausbildung im öffentlichen Dienst bedeutet nicht, dass du Beamter wirst. Die meisten Azubis werden als Tarifbeschäftigte eingestellt und nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD) vergütet.

Welche Vorteile hat eine Ausbildung im öffentlichen Dienst?

Bei kommunalen Arbeitgebern und beim Bund bekommst du nach TVAöD eine im Vergleich hohe Ausbildungsvergütung, eine Jahressonderzahlung, vermögenswirksame Leistungen und 30 Tage Urlaub. Die genauen Regeln hängen davon ab, ob dein Arbeitgeber den TVAöD (Bund und Kommunen) oder einen Ländertarif anwendet.

  • Vergütung: Im öffentlichen Dienst lag die tarifliche Ausbildungsvergütung 2025 im Schnitt bei 1.329 Euro und damit über allen anderen Ausbildungsbereichen (BIBB).
  • Urlaub: 30 Ausbildungstage im Jahr bei einer Fünf-Tage-Woche, ab 2027 sind es nach TVAöD für kommunale Arbeitgeber 31 Tage.
  • Jahressonderzahlung: 90 Prozent des Novemberentgelts, wenn du am 1. Dezember in Ausbildung bist.
  • Vermögenswirksame Leistungen: 13,29 Euro im Monat.
  • Abschlussprämie: 400 Euro, wenn du die Abschlussprüfung im ersten Anlauf bestehst.
  • Lernmittelzuschuss: 50 Euro je Ausbildungsjahr.
  • Betriebliche Altersversorgung: Zusatzversorgung über die VBL oder kommunale Zusatzversorgungskassen.

Welche Ausbildungsberufe gibt es im öffentlichen Dienst?

Im öffentlichen Dienst gibt es Verwaltungsberufe wie Verwaltungsfachangestellte/r, technische Berufe wie Fachinformatiker/in oder Straßenwärter/in sowie Gesundheitsberufe wie Pflegefachfrau oder Notfallsanitäter. Daneben bilden viele Behörden Beamtenanwärter aus, das ist aber keine Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz.

Verwaltungsberufe

  • Verwaltungsfachangestellte/r: Der Klassiker. Du arbeitest in Rathäusern, Landratsämtern oder Ministerien
  • Kauffrau/-mann für Büromanagement: Vielseitige Bürotätigkeit in Behörden
  • Fachangestellte/r für Arbeitsmarktdienstleistungen: Beratung bei der Agentur für Arbeit

Technische Berufe

  • Fachinformatiker/in: IT-Infrastruktur und Softwareentwicklung für Behörden
  • Elektroniker/in für Betriebstechnik: In kommunalen Betrieben und Versorgungsunternehmen
  • Straßenwärter/in: Pflege und Instandhaltung öffentlicher Straßen

Soziale und Gesundheitsberufe

  • Pflegefachfrau/Pflegefachmann: In kommunalen Kliniken und Pflegeeinrichtungen
  • Notfallsanitäter/in: Im kommunalen Rettungsdienst
  • Erzieher/in: In städtischen Kitas, je nach Land als schulische oder praxisintegrierte Ausbildung

Wie viel verdienst du 2026 in der Ausbildung im öffentlichen Dienst (TVAöD)?

Seit 1. Mai 2026 bekommst du nach TVAöD für Berufe nach BBiG 1.368,26 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Die Beträge gelten bundesweit für Bund und Kommunen, in Pflegeberufen gilt ein eigener, höherer Tarif.

AusbildungsjahrTVAöD BBiG ab 1.5.2026TVAöD Pflege ab 1.5.2026
1. Ausbildungsjahr1.368,26 €1.490,69 €
2. Ausbildungsjahr1.418,20 €1.552,07 €
3. Ausbildungsjahr1.464,02 €1.653,38 €
4. Ausbildungsjahr1.527,59 €entfällt

Dazu kommen Jahressonderzahlung, vermögenswirksame Leistungen und die Abschlussprämie von 400 Euro. Bei den Ländern gilt ein eigener Tarifvertrag (TVA-L) mit anderen Beträgen.

Wann und wie bewirbst du dich um eine Ausbildung im öffentlichen Dienst?

Bewirb dich frühzeitig, denn große Behörden nehmen Bewerbungen oft schon ein bis eineinhalb Jahre vor Ausbildungsbeginn entgegen und haben feste Fristen. Danach folgen meist ein Einstellungstest und Gespräche, manchmal auch ein Assessment Center.

Bewerbungsfristen

Wichtig: Im öffentlichen Dienst gelten feste Bewerbungsfristen, die oft deutlich vor dem Ausbildungsbeginn liegen. Die Bundesagentur für Arbeit rät, dass große Firmen und Behörden oft schon ein bis eineinhalb Jahre vorher Bewerbungen annehmen. Informiere dich frühzeitig auf den Karriereseiten der jeweiligen Behörde.

Einstellungstest

Viele Behörden führen einen Einstellungstest durch. Typische Bereiche sind:

  • Allgemeinwissen und aktuelle Politik
  • Deutsch (Grammatik, Rechtschreibung, Textverständnis)
  • Mathematik (Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung)
  • Logisches Denken und Konzentration
  • Teilweise: Englisch und IT-Kenntnisse

Assessment Center

Manche Behörden nutzen zusätzlich Assessment Center mit Gruppenübungen, Rollenspielen und Vorträgen. Hier wird besonders auf Teamfähigkeit, Kommunikation und Problemlösungskompetenz geachtet.

Welche Karrieremöglichkeiten hast du nach der Ausbildung im öffentlichen Dienst?

Nach der Ausbildung kannst du übernommen werden und dich weiterqualifizieren. Nach TVAöD wirst du bei dienstlichem Bedarf und mindestens der Gesamtnote befriedigend unbefristet übernommen, sonst bei Bedarf zunächst für zwölf Monate.

Weitere Wege sind:

  • Verwaltungslehrgang II (je nach Land auch Angestelltenlehrgang II): Qualifizierung für Aufgaben des gehobenen Dienstes
  • Studium: zum Beispiel Public Management oder Verwaltungsinformatik, auch berufsbegleitend
  • Beamtenlaufbahn: Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein Wechsel in den Beamtenstatus möglich
  • Spezialisierung: Fachlehrgänge in Bereichen wie Finanzen, Personal oder IT

Welche Nachteile hat eine Ausbildung im öffentlichen Dienst?

Nachteile können langsamere Abläufe, feste Hierarchien und begrenzte Gehaltssprünge sein. Außerdem ist die Bewerbung durch feste Fristen und Tests aufwendiger als bei vielen kleinen Betrieben.

  • Langsamere Prozesse: Bürokratie und festgefahrene Strukturen können frustrieren
  • Weniger Flexibilität: Strikte Hierarchien und Vorschriften
  • Gehaltsdeckelung: Im Vergleich zur Privatwirtschaft sind die Spitzengehälter niedriger
  • Auswahlverfahren: Feste Fristen und Tests verlangen eine frühe Planung

Was solltest du dir zur Ausbildung im öffentlichen Dienst merken?

Eine Ausbildung im öffentlichen Dienst passt zu dir, wenn du Wert auf tarifliche Sicherheit, gute Vergütung und geregelte Arbeitszeiten legst. Plane die Bewerbung früh, denn Fristen und Tests verlangen Vorbereitung.

Auf welchen Quellen basiert dieser Artikel?

Die Angaben stammen aus dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (Lesefassungen der VKA), vom Statistischen Bundesamt, vom BIBB und von der Bundesagentur für Arbeit, zuletzt geprüft am 12. Oktober 2026:

VKA: TVAöD Besonderer Teil BBiG, Lesefassung, Destatis: Öffentlicher Dienst 2025, BIBB: Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2025, BIBB-Datenreport 2026, Kapitel A5.6, Bundesagentur für Arbeit: Orientierungshilfe Bewerbung

Häufige Fragen

Werde ich im öffentlichen Dienst automatisch Beamter?

Nein, Azubis nach Berufsbildungsgesetz sind Tarifbeschäftigte. Beamter wirst du über eine Beamtenausbildung als Anwärter oder später unter bestimmten Voraussetzungen über eine Laufbahnprüfung.

Welchen Schulabschluss brauche ich?

Für Ausbildungsberufe nach BBiG ist rechtlich kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben, viele Behörden erwarten aber einen mittleren Abschluss. Für ein duales Studium im gehobenen Dienst brauchst du in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife.

Werde ich nach der Ausbildung übernommen?

Nach TVAöD wirst du bei dienstlichem Bedarf unbefristet übernommen, wenn du mindestens mit befriedigend abschließt. Mit schlechterer Note ist bei Bedarf eine Übernahme für zwölf Monate vorgesehen. Plant der Arbeitgeber keine Übernahme, muss er dir das drei Monate vor Ende schriftlich mitteilen.

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Stand: Oktober 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr