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Ausbildung allgemein8. März 2026

Teilzeitausbildung – Voraussetzungen, Vorteile & Ablauf

Teilzeitausbildung: Alles zu Voraussetzungen, Vorteilen & Ablauf. Erfahre, wer Anspruch hat, wie die Arbeitszeiten geregelt sind und ob sich Teilzeit lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2020 kann jede Ausbildung auch in Teilzeit absolviert werden – ohne besonderen Grund
  • Die wöchentliche Arbeitszeit wird um mindestens 25% reduziert
  • Der Berufsabschluss ist identisch mit dem einer Vollzeitausbildung
  • Die Vergütung wird anteilig zur Arbeitszeit berechnet
  • Zusätzliche Förderungen wie BAB oder Wohngeld können beantragt werden

Was ist eine Teilzeitausbildung?

Eine Teilzeitausbildung ist eine reguläre Berufsausbildung mit reduzierter Arbeitszeit. Statt der üblichen 35-40 Wochenstunden arbeitest du weniger im Betrieb, besuchst aber weiterhin die Berufsschule in vollem Umfang. Die Ausbildungsdauer kann sich dadurch verlängern, muss es aber nicht.

Seit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) 2020 ist die Teilzeitausbildung in § 7a BBiG klar geregelt. Grundsätzlich kann jede Berufsausbildung auch in Teilzeit absolviert werden – du brauchst dafür keinen besonderen Grund mehr.

Für wen eignet sich eine Teilzeitausbildung?

Eine Teilzeitausbildung ist besonders geeignet für:

  • Eltern mit Kindern: Du kannst Ausbildung und Kinderbetreuung vereinbaren
  • Pflegende Angehörige: Wenn du Familienangehörige pflegst
  • Menschen mit Behinderung: Bei gesundheitlichen Einschränkungen, die Vollzeit nicht erlauben
  • Leistungssportler: Training und Ausbildung parallel
  • Nebenberuflich Selbstständige: Wenn du nebenbei ein Business aufbaust

Aber auch ohne besonderen Grund kannst du seit 2020 eine Teilzeitausbildung beantragen. Es reicht, wenn du und dein Ausbildungsbetrieb euch einig seid.

Wie funktioniert die Teilzeitausbildung?

Arbeitszeitmodelle

Die wöchentliche Arbeitszeit wird um mindestens 25% reduziert. Bei einer regulären 40-Stunden-Woche bedeutet das:

  • 75%-Modell: 30 Stunden pro Woche – die Ausbildungsdauer bleibt gleich
  • 50%-Modell: 20 Stunden pro Woche – die Ausbildungsdauer verlängert sich um maximal das Eineinhalbfache

Die genaue Verteilung der Arbeitszeit wird im Ausbildungsvertrag festgelegt. Möglich sind zum Beispiel:

  • Jeden Tag weniger Stunden arbeiten
  • Weniger Tage pro Woche, dafür volle Stunden
  • Kombinationsmodelle mit flexiblen Zeiten

Berufsschule

Der Berufsschulunterricht findet in der Regel in vollem Umfang statt. Du besuchst die gleichen Klassen wie Vollzeit-Azubis. Nur die betriebliche Ausbildungszeit wird reduziert.

Ausbildungsdauer

Bei einer Arbeitszeitreduzierung auf mindestens 75% bleibt die reguläre Ausbildungsdauer bestehen. Bei stärkerer Reduzierung verlängert sich die Ausbildung entsprechend, maximal jedoch um das Eineinhalbfache. Eine dreijährige Ausbildung kann also maximal 4,5 Jahre dauern.

Vorteile der Teilzeitausbildung

  • Vereinbarkeit: Familie, Pflege oder andere Verpflichtungen lassen sich mit der Ausbildung verbinden
  • Weniger Stress: Die reduzierte Arbeitszeit gibt mehr Raum für Erholung und Lernen
  • Vollwertiger Abschluss: Du erhältst den gleichen Berufsabschluss wie Vollzeit-Azubis
  • Gleiche Prüfungen: Zwischen- und Abschlussprüfung sind identisch
  • Bessere Noten: Mehr Zeit zum Lernen kann sich positiv auf die Berufsschulnoten auswirken

Nachteile und Herausforderungen

  • Geringere Vergütung: Die Ausbildungsvergütung wird anteilig gekürzt – bei 50% bekommst du auch nur 50% der regulären Vergütung
  • Längere Ausbildungsdauer: Bei starker Reduzierung verlängert sich die Ausbildungszeit
  • Weniger Praxiserfahrung: Durch die reduzierte Betriebszeit sammelst du weniger praktische Erfahrung
  • Organisationsaufwand: Die Koordination von Betrieb, Berufsschule und privaten Verpflichtungen erfordert gutes Zeitmanagement
  • Weniger Betriebe bieten es an: Nicht alle Ausbildungsbetriebe sind offen für Teilzeitmodelle

Vergütung in der Teilzeitausbildung

Die Ausbildungsvergütung wird anteilig zur Arbeitszeit berechnet. Wenn du 75% der regulären Arbeitszeit arbeitest, erhältst du auch 75% der üblichen Vergütung. Bei 50% entsprechend die Hälfte.

Zusätzlich kannst du unter Umständen folgende Leistungen beantragen:

  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst
  • Wohngeld: Als ergänzende Leistung
  • Kindergeld: Steht dir während der Ausbildung bis 25 Jahre weiterhin zu
  • Kinderzuschlag: Wenn du eigene Kinder hast

So beantragst du eine Teilzeitausbildung

Vor Ausbildungsbeginn

Die Teilzeit wird direkt im Ausbildungsvertrag vereinbart. Dazu besprichst du dich mit deinem zukünftigen Ausbildungsbetrieb und einigt euch auf ein Arbeitszeitmodell. Die zuständige Kammer (IHK oder HWK) prüft den Vertrag bei der Eintragung.

Während der laufenden Ausbildung

Auch ein Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit ist möglich:

  • Schritt 1: Sprich mit deinem Ausbilder über deinen Wunsch und die Gründe
  • Schritt 2: Einigt euch auf ein konkretes Arbeitszeitmodell
  • Schritt 3: Der Ausbildungsvertrag wird per Änderungsvertrag angepasst
  • Schritt 4: Die Kammer wird über die Änderung informiert

Tipps für eine erfolgreiche Teilzeitausbildung

  • Frühzeitig planen: Kläre das Teilzeitmodell vor Vertragsabschluss oder rechtzeitig vor dem Wechsel
  • Berufsschule priorisieren: Da du weniger Praxiszeit hast, ist die theoretische Ausbildung umso wichtiger
  • Selbstständig lernen: Nutze die zusätzliche freie Zeit für eigenständiges Lernen und Nacharbeiten
  • Netzwerk aufbauen: Bleib in Kontakt mit Vollzeit-Azubis, um nichts zu verpassen
  • Finanzierung klären: Informiere dich frühzeitig über BAB, Wohngeld und andere Förderungen

Fazit

Die Teilzeitausbildung ist eine echte Chance für alle, die aus verschiedenen Gründen keine Vollzeit-Ausbildung absolvieren können. Seit der BBiG-Reform 2020 ist der Zugang deutlich einfacher geworden. Du erhältst den gleichen vollwertigen Berufsabschluss und legst die gleichen Prüfungen ab. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in guter Organisation, Eigeninitiative und einem kooperativen Ausbildungsbetrieb.

Häufige Fragen

Kann jeder eine Teilzeitausbildung machen?
Ja, seit der BBiG-Novelle 2020 kann grundsätzlich jeder eine Teilzeitausbildung beginnen. Du brauchst keinen besonderen Grund wie Kinderbetreuung oder Pflege mehr. Es reicht die Einigung mit dem Ausbildungsbetrieb.
Wie lange dauert eine Teilzeitausbildung?
Bei einer Arbeitszeitreduzierung auf 75% oder mehr bleibt die reguläre Ausbildungsdauer bestehen. Bei stärkerer Reduzierung verlängert sich die Ausbildung, maximal um das Eineinhalbfache der regulären Dauer.
Bekommt man in der Teilzeitausbildung weniger Gehalt?
Ja, die Ausbildungsvergütung wird anteilig berechnet. Bei 75% Arbeitszeit erhältst du 75% der regulären Vergütung. Du kannst aber zusätzliche Leistungen wie BAB oder Wohngeld beantragen.
Ist der Abschluss einer Teilzeitausbildung gleichwertig?
Ja, absolut. Du legst die gleichen Prüfungen ab und erhältst den gleichen Berufsabschluss. Im Zeugnis steht nicht, ob du Voll- oder Teilzeit ausgebildet wurdest.

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Stand: März 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr