Was ist eine Zweitausbildung?
Eine Zweitausbildung ist eine vollständige Berufsausbildung, die du nach einer bereits abgeschlossenen Erstausbildung beginnst. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der erste Beruf macht keinen Spaß mehr, es gibt keine Jobperspektiven, oder du hast neue Interessen entdeckt.
Wichtig: Eine Zweitausbildung ist nicht das Gleiche wie eine Umschulung. Bei einer Umschulung wird die Ausbildung in verkürzter Form (meist 2 Jahre) absolviert und von der Agentur für Arbeit finanziert. Bei einer Zweitausbildung durchläufst du eine reguläre Ausbildung – die allerdings verkürzt werden kann.
Gründe für eine Zweitausbildung
- Berufswechsel: Der erlernte Beruf passt nicht mehr zu deinen Interessen oder Fähigkeiten
- Gesundheitliche Gründe: Der bisherige Beruf ist körperlich nicht mehr machbar
- Bessere Perspektiven: In einem anderen Berufsfeld gibt es bessere Karriere- und Gehaltsaussichten
- Neue Leidenschaft: Du hast ein neues Interessengebiet entdeckt und willst es zum Beruf machen
- Arbeitslosigkeit: Im erlernten Beruf findest du keine Stelle
Voraussetzungen und Verkürzung
Für eine Zweitausbildung brauchst du grundsätzlich keine besonderen Voraussetzungen – jeder mit einer abgeschlossenen Erstausbildung kann eine zweite beginnen. Der große Vorteil: Dank deiner Erstausbildung kannst du die Zweitausbildung um bis zu 12 Monate verkürzen.
Die Verkürzung wird bei der zuständigen Kammer beantragt. In verwandten Berufen (z.B. von Kauffrau im Einzelhandel zu Kauffrau für Büromanagement) ist die Verkürzung besonders wahrscheinlich.
Finanzierung der Zweitausbildung
Ausbildungsvergütung
Du erhältst eine reguläre Ausbildungsvergütung – allerdings meist nur im 1. Lehrjahr, da du ja in eine laufende Ausbildung einsteigst. Bei Verkürzung startest du direkt im 2. oder 3. Lehrjahr.
BAB und BAföG
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) gibt es für eine Zweitausbildung in der Regel nicht – diese Förderung ist auf die Erstausbildung beschränkt. In Ausnahmefällen (z.B. wenn die Erstausbildung gesundheitsbedingt nicht mehr ausübbar ist) kann BAB dennoch gewährt werden.
Weitere Finanzierungsmöglichkeiten
- Bildungsgutschein: Bei drohender Arbeitslosigkeit kann die Agentur für Arbeit die Zweitausbildung fördern
- Wohngeld: Kann ergänzend beantragt werden
- Kindergeld: Bis 25 Jahre steht dir Kindergeld auch in der Zweitausbildung zu (mit Einschränkungen bei Nebenverdienst)
- Ersparnisse: Viele finanzieren die Zweitausbildung teilweise aus eigenen Rücklagen
Vorteile einer Zweitausbildung
- Lebenserfahrung: Du bringst Berufserfahrung, Reife und Selbstständigkeit mit
- Verkürzung möglich: Du sparst bis zu einem Jahr Ausbildungszeit
- Bessere Leistungen: Viele Zweitausbildler schneiden in der Berufsschule überdurchschnittlich ab
- Klare Motivation: Du weißt, warum du die Ausbildung machst – das motiviert
- Transferwissen: Kenntnisse aus dem ersten Beruf können wertvoll sein
Nachteile und Herausforderungen
- Finanziell anspruchsvoll: Ausbildungsvergütung reicht oft nicht zum Leben, wenn du bereits eigene Wohnung und laufende Kosten hast
- Altersunterschied: Du bist möglicherweise deutlich älter als deine Mit-Azubis
- Soziale Umstellung: Von Gehalt auf Azubi-Vergütung zurückzugehen, ist nicht leicht
- Zeitinvestition: Auch verkürzt dauert die Ausbildung mindestens 1,5-2 Jahre
Tipps für den erfolgreichen Neustart
- Gründlich recherchieren: Informiere dich ausführlich über den neuen Beruf – Praktika helfen
- Finanzpolster aufbauen: Spare vor dem Start genug Geld für die Übergangszeit
- Verkürzung beantragen: Nutze die Möglichkeit, die Ausbildung zu verkürzen
- Vorteile betonen: In Bewerbungen deine Berufserfahrung und Motivation hervorheben
- Netzwerk nutzen: Kontakte aus dem ersten Beruf können auch im neuen hilfreich sein
Fazit
Eine Zweitausbildung ist eine mutige Entscheidung, die sich aber lohnen kann. Du investierst zwar Zeit und akzeptierst finanzielle Einbußen, gewinnst aber einen Beruf, der wirklich zu dir passt. Mit deiner Lebenserfahrung und klaren Motivation hast du beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neustart.