Wozu dient die Probezeit in der Ausbildung?
Jedes Ausbildungsverhältnis beginnt mit einer Probezeit – das schreibt das Berufsbildungsgesetz (BBiG) in § 20 vor. Die Probezeit dient beiden Seiten: Der Azubi prüft, ob der Beruf und der Betrieb passen. Der Betrieb prüft, ob der Azubi geeignet ist.
Wie lange darf die Probezeit in der Ausbildung dauern?
Die Probezeit muss mindestens 1 Monat und darf maximal 4 Monate betragen (§ 20 BBiG). Eine kürzere oder längere Probezeit ist ungültig. Die meisten Betriebe vereinbaren die vollen 4 Monate – das gibt beiden Seiten genug Zeit zur Beurteilung.
Besonderheit: Eine Verlängerung der Probezeit über 4 Monate hinaus ist nur möglich, wenn die Ausbildung in der Probezeit um mindestens einen Drittel unterbrochen wurde (z.B. durch Krankheit).
Wie können Sie das Ausbildungsverhältnis in der Probezeit kündigen?
Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ohne Angabe von Gründen schriftlich gekündigt werden. Das ist der wesentliche Unterschied zur Kündigung nach der Probezeit.
Wichtig: Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Eine mündliche oder per E-Mail ausgesprochene Kündigung ist unwirksam.
Warum ist die Kündigung eines Azubis nach der Probezeit so schwer?
Nach Ablauf der Probezeit ist eine Kündigung durch den Arbeitgeber nur noch aus wichtigem Grund möglich (§ 22 BBiG). Betriebsbedingte oder ordentliche Kündigungen sind ausgeschlossen. Das macht die Probezeit umso wichtiger für eine fundierte Beurteilung.
Wie nutzen Sie die Probezeit eines Azubis sinnvoll?
Strukturierter Einarbeitungsplan: Geben Sie dem Azubi von Anfang an klare Aufgaben und Lernziele. So können Sie die Eignung besser beurteilen.
Regelmäßiges Feedback: Mindestens alle 2 Wochen ein kurzes Gespräch. Was läuft gut? Wo gibt es Probleme? Dokumentieren Sie das.
Frühzeitig handeln: Wenn Sie merken, dass es nicht passt, warten Sie nicht bis zum letzten Tag der Probezeit. Eine faire, frühzeitige Kommunikation ist besser als eine überraschende Kündigung am Tag 120.
Dokumentation: Halten Sie Fehlzeiten, Leistungsprobleme und Gespräche schriftlich fest. Das schützt Sie im Streitfall.