Versicherungen in der Ausbildung
Mit dem Start deiner Ausbildung ändert sich dein Versicherungsstatus grundlegend. Du bist jetzt sozialversicherungspflichtig und brauchst möglicherweise eigene Versicherungen. Aber welche sind wirklich nötig und welche kannst du dir sparen? Hier ist der ehrliche Überblick – ohne Versicherungsverkäufer-Sprech.
Pflichtversicherungen (automatisch)
Diese Versicherungen werden automatisch über deinen Ausbildungsbetrieb abgeschlossen. Du musst dich um nichts kümmern:
Krankenversicherung
Als Azubi bist du gesetzlich krankenversichert. Der Beitrag wird von deinem Gehalt abgezogen (ca. 7,3% + Zusatzbeitrag). Die andere Hälfte zahlt dein Betrieb. Du brauchst eine Krankenkasse – wenn du keine wählst, wirst du automatisch bei einer Kasse versichert.
Tipp: Vergleiche Krankenkassen! Die Beiträge unterscheiden sich kaum, aber die Zusatzleistungen (Zahnreinigung, Osteopathie, Reiseimpfungen) können sehr unterschiedlich sein.
Rentenversicherung
Auch die Rentenversicherung ist Pflicht. Ca. 9,3% deines Gehalts (dein Anteil). Du baust damit schon ab dem ersten Ausbildungstag Rentenansprüche auf.
Arbeitslosenversicherung
Ca. 1,3% deines Gehalts. Dadurch hast du Anspruch auf Arbeitslosengeld, falls du nach der Ausbildung keinen Job findest.
Pflegeversicherung
Ca. 1,7% (ohne Kinder). Sichert dich für den Fall der Pflegebedürftigkeit ab.
Unfallversicherung
Dein Betrieb zahlt die gesetzliche Unfallversicherung komplett. Du bist damit bei Arbeitsunfällen und auf dem Weg zur Arbeit/Berufsschule versichert.
Empfohlene Versicherungen
Private Haftpflichtversicherung
Die wichtigste freiwillige Versicherung überhaupt! Sie zahlt, wenn du anderen einen Schaden zufügst – z.B. wenn du beim Freund die teure Kamera vom Tisch stößt oder beim Radfahren ein Auto beschädigst.
- Kosten: Ab 3-5 EUR pro Monat
- Prüfen: Bist du noch über die Haftpflichtversicherung deiner Eltern mitversichert? Das ist in der Erstausbildung oft der Fall (bis 25 Jahre). Frag bei der Versicherung deiner Eltern nach!
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
Eine BU sichert dein Einkommen ab, falls du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Besonders wichtig für:
- Handwerksberufe (körperliche Belastung)
- Berufe mit hohem Unfallrisiko
- Kosten: Ab 20-50 EUR pro Monat (je nach Beruf und Gesundheit)
- Tipp: Je jünger und gesünder du bist, desto günstiger ist die BU. In der Ausbildung abschließen lohnt sich!
Nice-to-have Versicherungen
Hausratversicherung
Sinnvoll, wenn du in eine eigene Wohnung ziehst. Sie zahlt bei Einbruch, Brand oder Wasserschaden. Kosten: Ab 3-8 EUR pro Monat.
Wenn du noch bei deinen Eltern wohnst: Bist du über deren Hausratversicherung mitversichert.
Zahnzusatzversicherung
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur die Basisversorgung. Für Zahnersatz, Inlays oder Kieferorthopädie kann eine Zusatzversicherung sinnvoll sein. Kosten: Ab 8-20 EUR pro Monat.
Überflüssige Versicherungen
Diese Versicherungen werden oft verkauft, brauchst du als Azubi aber nicht:
- Handy-Versicherung: Teuer und viele Ausschlüsse – lieber eine Hülle kaufen
- Restschuldversicherung: Bei kleinen Krediten völlig überdimensioniert
- Sterbegeldversicherung: In deinem Alter komplett unnötig
- Glasversicherung: Wird über Haftpflicht oder Hausrat abgedeckt
Kosten-Übersicht
Was dich die wichtigsten freiwilligen Versicherungen kosten:
- Haftpflicht: 3-5 EUR/Monat (oder kostenlos über Eltern)
- BU: 20-50 EUR/Monat
- Hausrat: 3-8 EUR/Monat (nur bei eigener Wohnung)
- Gesamt: 26-63 EUR/Monat für umfassenden Versicherungsschutz
Fazit
Als Azubi brauchst du nicht viele Versicherungen. Die Sozialversicherungen laufen automatisch. Eine private Haftpflicht ist ein Muss (falls nicht über Eltern versichert). Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist besonders in körperlichen Berufen sehr empfehlenswert. Den Rest kannst du dir meistens sparen.