Wohnen in der Ausbildung – die größte Herausforderung
Für viele Azubis ist die Wohnung das größte Problem. Die Ausbildungsvergütung ist oft knapp, die Mieten in vielen Städten hoch. Trotzdem gibt es Wege, bezahlbar zu wohnen – wenn du weißt wo du suchen und welche Zuschüsse du beantragen kannst.
Was kostet Wohnen als Azubi?
Die Mietkosten variieren stark nach Region:
- Ländliche Regionen: 250-400 EUR warm für eine kleine Wohnung
- Mittelgroße Städte: 350-550 EUR warm
- Großstädte (Hamburg, Köln, Stuttgart): 500-800 EUR warm
- München: 700-1.200 EUR warm (extrem teuer)
Als Faustregel sollte die Miete maximal 30-40% deines Nettogehalts ausmachen. Bei 800 EUR netto Ausbildungsvergütung wären das 240-320 EUR – in vielen Städten nur mit WG oder Zuschüssen machbar.
Wohnformen für Azubis
WG (Wohngemeinschaft)
Die beliebteste und günstigste Option. Du teilst dir eine Wohnung mit 1-3 Mitbewohnern und zahlst nur deinen Anteil der Miete.
- Kosten: 200-450 EUR warm (je nach Stadt und Zimmergröße)
- Vorteile: Günstig, Gesellschaft, geteilte Nebenkosten, möblierte Zimmer möglich
- Nachteile: Weniger Privatsphäre, Kompromisse nötig, Sauberkeit
- Suche: WG-Gesucht.de, eBay Kleinanzeigen, Uni-Schwarze-Bretter
Azubi-Wohnheim
Spezielle Wohnheime für Auszubildende – günstig, möbliert, alles inklusive.
- Kosten: 200-450 EUR warm
- Vorteile: Günstig, alles inklusive, Gemeinschaft
- Nachteile: Begrenzte Plätze, Regeln, wenig Privatsphäre
Eigene Wohnung
Maximale Freiheit, aber auch maximale Kosten und Verantwortung.
- Kosten: 350-800 EUR warm + Einrichtung
- Zusätzliche Kosten: Strom (30-50 EUR), Internet (20-30 EUR), GEZ (18,36 EUR), ggf. Möbel
- Kaution: 2-3 Monatsmieten kalt (wird bei Auszug zurückgezahlt)
Bei den Eltern wohnen
Die günstigste Option – und kein Grund, sich zu schämen. Viele Azubis wohnen während der Ausbildung bei den Eltern und sparen so Geld für die erste eigene Wohnung nach der Ausbildung.
Finanzielle Unterstützung
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
BAB ist die wichtigste Förderung für Azubis, die nicht mehr bei den Eltern wohnen. Antrag bei der Agentur für Arbeit.
- Voraussetzung: Du musst für die Ausbildung von zu Hause ausziehen (z.B. weil der Betrieb zu weit weg ist)
- Höhe: Bis zu 781 EUR pro Monat (abhängig vom Einkommen deiner Eltern und deiner Vergütung)
Wohngeld
Wenn du keinen Anspruch auf BAB hast (z.B. in der Zweitausbildung), kannst du Wohngeld beantragen.
- Antrag: Bei der Wohngeldstelle deiner Stadt/Gemeinde
- Höhe: 50-300 EUR pro Monat (abhängig von Einkommen, Miete und Haushaltsgröße)
Kindergeld
Deine Eltern erhalten Kindergeld bis zu deinem 25. Geburtstag – auch wenn du nicht mehr zu Hause wohnst. Bitte sie, es an dich weiterzuleiten.
Tipps für die Wohnungssuche
- Früh anfangen: Mindestens 2-3 Monate vor Ausbildungsbeginn suchen
- Realistische Erwartungen: Die erste Wohnung muss kein Palast sein
- Möbel gebraucht kaufen: eBay Kleinanzeigen, Facebook Marketplace, Sozialkaufhäuser
- Nebenkostenabrechnung verstehen: Warm- vs. Kaltmiete, was ist in den Nebenkosten enthalten?
- Mietvertrag prüfen: Kündigungsfrist, Renovierungspflicht, Haustiere – lies alles genau
Fazit
Wohnen als Azubi ist eine Herausforderung, aber mit den richtigen Zuschüssen und einer smarten Wohnform machbar. BAB, Wohngeld und Kindergeld können deine Mietkosten deutlich senken. Eine WG ist oft die beste Lösung – günstig, gesellig und praktisch. Und wenn du bei deinen Eltern wohnen kannst: Nutze die Chance, um Geld für die Zukunft zu sparen.